FRAGEN & ANTWORTEN Neuer Samtgemeinde-Bürgermeister im AZ-Gespräch

Bad Bevensen: Mehr Transparenz im Rathaus

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Martin Feller, neuer Samtgemeinde-Bürgermeister in Bevensen-Ebstorf, setzt auf teamorientiertes Arbeiten und eine gläserne Verwaltung.

Bad Bevensen – Gestern hat Martin Feller (Grüne) sein Amt als Bürgermeister der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf angetreten. Zuvor war er Bürgermeister der Stadt Bad Bevensen gewesen.

Im Interview mit AZ-Redakteur Gerhard Sternitzke blickt Feller auf seine bisherige Arbeit zurück und auf seine neuen Aufgaben voraus.

Seit Freitag sind Sie Chef im Bevenser Rathaus. Wie viele Ihrer Mitarbeiter kennen Sie schon?

Ich würde mal sagen: 95 Prozent der Mitarbeiter.

Die meisten Samtgemeindebürgermeister kommen aus der Verwaltung. Sind Sie dieser Verwaltung gewachsen?

Wir haben knapp 150 Mitarbeiter. Ich bin sieben Jahre ehrenamtlicher Bürgermeister in der Stadt Bad Bevensen gewesen. Da habe ich lange mit der Verwaltung zusammengearbeitet. Wir haben schwierige Projekte miteinander realisiert wie das Kurhaus, die Barrierefreiheit im Kurpark. Ich war am Entschuldungs- und Fusionsprozess der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf, am Brandschutzbedarfsplan, der Einführung der Ganztagsschule beteiligt. Ich bin sicherlich kein Verwaltungsfachangestellter, aber was ich sehr gut kann, ist politische Prozesse zu managen, und das werde ich auch weiterhin tun.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Ich möchte gern, dass wir möglichst teamorientiert arbeiten – immer mit der Maßgabe, dass es am Ende auch eine Entscheidung geben muss. Und da muss man sich auch mal unbeliebt machen.

Welche Maßnahmen haben Sie sich als erste im Rathaus vorgenommen?

Die erste Maßnahme ist: Ich kenne zwar sehr viele der Verwaltungsmitarbeiter, aber ich möchte jeden einzelnen einmal sprechen. Das werden wir in den ersten Wochen organisieren. Wenn ich richtig informiert bin, dann haben wir zirka 150 Projekte in der Samtgemeinde laufen. Da möchte ich feststellen: Was ist die ungefähre Dauer, was sind die Kosten? Und mir wäre es wichtig, dass man eine Priorisierung der Projekte macht, weil wir werden sie nicht alle gleichzeitig durchführen können. Dann hat die Politik einen Zeitrahmen. Und jedes neue Projekt wird mit Kosten hinterlegt.

Hört sich selbstverständlich an...

Es gibt ja immer wieder Kritik, dass Projekte nicht schnell genug bearbeitet werden. Daher ist es mir wichtig, dass wir Transparenz herstellen. Dann kann man relativ genau feststellen, wie effektiv eine Verwaltung arbeitet.

Arbeitet sie bisher effektiv?

Aus meiner Sicht haben wir eine hochkompetente Verwaltung und wir haben unsere Projekte bisher gut und auch im Kostenrahmen abgewickelt. Das einzige Projekt, das in meiner Zeit aus dem Kostenrahmen gefallen ist, war das Kurhaus. Aber das ist nur ein Prozent über dem Kostenrahmen gewesen.

Sie kommen nicht als der Sanierer.

Natürlich ist der Wunsch, Prozesse zu beschleunigen. Wir sind durch das Onlinezugangsgesetz sowieso gehalten, alle Dienstleistungen digital anzubieten. Das wird in meiner Amtszeit eingeführt. Das andere, was ich mir noch wünsche: Projekte werden schon fachbereichsübergreifend bearbeitet. Ich würde gerne einen Projektverantwortlichen benennen, der auf alle Ressourcen in den Fachbereichen zugreifen kann. Davon verspreche ich mir eine noch höhere Geschwindigkeit in der Bearbeitung.

Welchen Rat hat Ihnen Ihr Amtsvorgänger mitgegeben?

Sein Rat und wo ich in seine Fußstapfen treten möchte: Er ist wirklich immer präsent gewesen, von morgens um sieben bis abends um zehn. Er hat mir gesagt: Es wird ein hoher Zeitaufwand werden. Insofern muss man das Ganze mit Spaß angehen.

Viele haben Ihnen während des Wahlkampfs vorgeworfen, dass Sie sich zuvor als Stadt-Bürgermeister haben wählen lassen. Was sagen Sie ihnen?

Ich bin auch 13 Jahre stellvertretender Samtgemeindebürgermeister. Ich verlagere im Moment meine Tätigkeit zwar in die Verwaltung, aber ich bin für die Projekte genauso präsent wie vorher. Und als Stadtdirektor habe ich in Zusammenarbeit mit der Verwaltung sogar eine höhere Durchschlagskraft als vorher als ehrenamtlicher Bürgermeister. Wo ich tatsächlich fehlen werde, und was mich auch schmerzt, ist die Kreispolitik.

Was ist mit Ihrem Bauernhof und mit den Jugendlichen, um die Sie sich mit Ihrer Frau gekümmert haben?

Der Hof ist verpachtet an einen Biokollegen, mit dem ich lange zusammenarbeite. Für die Jugendlichen werden wir eine neue Kollegin haben. Sie haben mir schon gesagt: Du darfst mir nichts mehr sagen.

Was wollen Sie als Samtgemeindebürgermeister erreichen, und was können Sie ohne eigene Mehrheit bewegen?

Das eine ist die Transparenz bei den Projekten. Das andere ist: Ich würde gerne Ergebnisse möglichst schnell und umfassend kommunizieren. Ich kann mir vorstellen, dass wir Bürgerinformationen zu den wichtigen Projekten machen.

Wie schon in Bad Bevensen.

Genau. Mir wurde von beiden großen Parteien signalisiert, dass sie das Klimaschutzkonzept mittragen werden. Das Ziel wäre für mich, eine Klimaschutzmanagerin oder einen -manager herzubekommen. Ich denke, jede Kommune muss unter dem Klimaschutz-Aspekt handeln. Und das habe ich im Wahlkampf schon gesagt: Einen Gefahrenabwehrstab werden wir aufbauen müssen. Wenn hier ein Zug strandet, können wir Fahrgäste auf Hotels umbuchen. Ein ganz wichtiges Projekt sind die Ganztagsschulen.

Sie haben den Eindruck, dass Sie sich absprechen können mit den anderen Parteien?

Ich gehe auch beim Gefahrenstab davon aus. Es ist natürlich eine andere Arbeit, als wenn man eigene Mehrheiten hat. Ich würde sagen, es ist ein höherer Zeitaufwand. Ich werde mit den Kollegen aus der Politik Lösungen erarbeiten.

Was werden Sie tun, um den Ebstorfern das Gefühl zu nehmen, dass sie in der Samtgemeinde benachteiligt werden?

Bei den Ebstorfern stehen einige Projekte an. Ganz vorne steht das Waldemar, das wir zügig umsetzen wollen. Und ich glaube, auch die Ebstorfer werden von den Strukturveränderungen in der Verwaltung profitieren. Auch für die Ebstorfer Politik wird es eine Priorisierung der Projekte geben und damit vielleicht manchmal schneller gehen.

Samtgemeinde ist ja etwas Abstraktes. Was wollen Sie tun, um sie den Menschen näherzubringen?

Wir haben 13 Gliedgemeinden. Mir schwebt vor, Bürgersprechstunden mit den Bürgermeistern anzubieten. Ich werde ansonsten auf Veranstaltungen präsent sein und versuchen, möglichst viele Termine wahrzunehmen, um von den Bürgern wahrgenommen zu werden. Und ich könnte mir vorzustellen, Rechenschaftsberichte zu halten als Bürgerinformation.

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