Neues Wohnen auf alten Ruinen

Bad Bevensen: Ideen für Gelände des ehemaligen Hamburgischen Krankenhauses gesucht

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Die Satellitenaufnahme von Google zeigt noch die Überreste der 31 abgerissenen Pavillons. Hier könnte eine gemischte Siedlung mit viel Natur entstehen.

Bad Bevensen – Google vergisst nicht. „Hamburgisches Krankenhaus“ steht da südlich von Bad Bevensen auf der Karte. Und tatsächlich zeigt die Satellitenaufnahme neben dem Wegesystem auch die Umrisse der vor zehn Jahren abgerissenen Pavillons.

Längst sprießen zwischen Fundamenten und Fliesen junge Bäumchen. Die Natur erobert die Anlage zurück. Alle Pläne für neue Nutzungen – zuletzt für ein Demenzdorf – haben sich zerschlagen. Nun startet die Bevenser Politik einen neuen Versuch (AZ berichtete). Der Bauausschuss hat jetzt dem Vorschlag der Bürger für Bad Bevensen (BfB) für ein Baugebiet besonderer Art einstimmig zugestimmt.

Die BfB hat vorgeschlagen, auf dem 14 Hektar großen Gelände verschiedene Wohnformen zu mischen: Einfamilienhäuser, betreutes Wohnen, Sozialwohnungen und sogenannte Tiny Houses, Kleinsthäuser auf Rädern, sollen nebeneinander stehen. „Es ist ein besonderes Grundstück. Da könnte man innovative Projekte verwirklichen“, sagt Bürgermeisterin Gabriele Meyer (Grüne). „Was wir nicht wollen, ist eine einfache Einfamilienhaus-Bebauung.“ Dabei soll viel Natur erhalten bleiben.

Fliesenboden mit jungen Bäumchen.

Wenn der Stadtrat zustimmt, sollen ein Architekt und ein Landschaftsplaner verschiedene Ideen für das ehemalige Krankenhaus-Gelände entwickeln. Ein Architekten-Wettbewerb, wie von der BfB vorgeschlagen, wurde aus Kostengründen verworfen. Bauamtsleiter Roland Klewwe geht davon aus, dass ein Konzept Mitte nächsten Jahres vorliegt. Frühestens Ende 2021 könnte mit dem Bau begonnen werden. Große Teile des Geländes sind allerdings für eine Bebauung tabu. Sie gehören zur Kernzone des geplanten Landschaftsschutzgebiets Ilmenau. Ein Umweltgutachten muss erstellt werden.

Die Überreste müssten abgerissen werden.

Und dann sind da noch die Überreste der 31 verschwundenen Pavillons. Fundamente, Bodenplatten und die Schächte der alten Fernheizung müssen abgerissen werden, betont der Bauamtsleiter – ein Kostenfaktor im sechsstelligen Bereich, der das Projekt verteuern würde. „Ob das funktioniert, hängt auch davon ab, zu welchem Preis der Landkreis bereit ist zu verkaufen“, sagt Klewwe. Parallel zu den Planungen der Architekten soll deshalb mit dem Landkreis verhandelt werden.

Bei den Abrissarbeiten würde auch ein Großteil der in den vergangenen zehn Jahren aufgewachsenen Natur verschwinden, erklärt Klewwe. „Bautechnisch ist es aber möglich, dass man viel Grün lässt.“ Für die Kleinsthäuser auf Rädern, die sogenannten Tiny Houses, sieht der Bauamtsleiter durchaus Bedarf. „Es gab bereits Anfragen.“

Hans-Bernd Kaufmann, BfB-Ratsherr

„Das muss etwas Fantasie haben“, findet Hans-Bernd Kaufmann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der BfB. „Es sollen Konzepte entwickelt werden, die auf der einen Seite einen hohen ökologischen Standard beinhalten, jedoch Baukosten und Mieten tragbar gestalten.“ Ausschließlich regenerative Wärmequellen sollen zum Einsatz kommen. Die Siedlung könnte auch autofrei sein. Für die Umsetzung schlägt Kaufmann die Bildung einer städtischen Entwicklungsgesellschaft vor.

VON GERHARD STERNITZKE

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