Liebeserklärung

Bad Bevensen: Gert Fröhling beleuchtet Momente aus 90 Jahren Stadtgeschichte

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Gert Fröhling ist Festredner beim Empfang 90 Jahre nach Verleihung der Bevenser Stadtrechte. Bürgermeisterin Gabriele Meyer: „Das war die Initialzündung für die Stadtentwicklung der nächsten Jahrzehnte.“

Bad Bevensen – Die Ratsherren waren sich der Bedeutung des Moments bewusst. Bevensen war festlich geschmückt, als der damalige Landrat Siegfried von Campe am 12. November 1929 dem Fleckenkollegium die Genehmigung des preußischen Innenministeriums überbrachte.

Nach mehreren erfolglosen Anträgen erhielt der Marktflecken die heiß ersehnten Stadtrechte – zusammen mit Orten wie Soltau, Salzgitter oder Bad Lauterberg. „Das war die Initialzündung für die Stadtentwicklung der nächsten Jahrzehnte“, sagte Bürgermeisterin Gabriele Meyer am Dienstagabend beim Empfang 90 Jahre nach der Verleihung der Stadtrechte.

Festredner Gert Fröhling, Mitglied des Vereins Historisches Bevensen, lenkte die Aufmerksamkeit der Bürger, Ehrenamtlichen, Ratsleute und Unternehmer im Kurhaus auf einzelne Momente der jungen Stadtgeschichte. Einer war eben jene Stadtrechtsverleihung. Voraussetzung dafür war ein bereits vorhandener städtischer Charakter, eine Verwaltung und Schulen. „Alles das war in Bevensen vorhanden“, erklärte Fröhling. Treibende Kraft war Bürgermeister Gustav Möller, im Amt von 1919 bis 1946.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ in zweierlei Hinsicht Spuren in der jungen Stadt. Nach Kriegsende strömten Flüchtlinge aus dem deutschen Osten an die Ilmenau. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich auf knapp 6000. Die Neubürger siedelten sich in Bevensen-Ost an. Bereits ab 1943 wurde das Hamburgische Krankenhaus – zunächst in Barackenbauweise – als Ausweichkrankenhaus errichtet. 2003 wurde es geschlossen, bedauerte Fröhling. „Dieses Krankenhaus hatte weit über die Kreisgrenzen einen guten Ruf.“

Den Weg zum Kurbad zeichnete der Festredner in wenigen Jahreszahlen nach: dem Bau des Kneippsanatoriums (1963), der Diabetes-Klinik (1965), der Diana-Klinik (1974) und der Herz-Kreislauf-Klinik (1976). 1968 wurde die Solequelle entdeckt. Stadtdirektor war von 1957 bis 1969 Wilhelm Wagenknecht. „In diesen zwölf Jahren seiner Amtszeit wurden Dinge angeschoben, von denen die Stadt noch heute profitiert“, betonte Fröhling. Die beiden großen Kliniken bieten heute 1500 Arbeitsplätze.

Fröhling thematisierte aber auch die Veränderungen in der Wirtschaft, etwa das Verschwinden der einst bedeutenden Landhandelsunternehmen, während andere Betriebe wie der Baustoffhandel Mölders, Popp-Dichtungen, der Weinhandel Eggert oder die Straßenbaufirma Kalinowsky bis heute erfolgreich sind. „Diese Betriebe sind ein Wirtschaftsmotor unserer Stadt“, stellte Fröhling klar. „Wenn diese Betriebe nicht wären und die Gewerbesteuer, dann könnten wir uns kein Kurbad leisten und keine Fußgängerzone.“

Seinen Vortrag schloss der 81-Jährige mit einer Liebeserklärung an Bad Bevensen: „Wir haben eine wunderschöne Stadt. Was mich ärgert, sind diese Nörgler.“

VON GERHARD STERNITZKE

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