Letzter Honig des Jahres geerntet 

Bad Bevensen: Bienen gehen jetzt in den Winter

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Um die Königin, gekennzeichnet durch einen roten Punkt mit Nummer, schart sich der Hofstaat. Sie legt jetzt die Eier für die Winterbienen, die bis zu einem halben Jahr leben, in die Waben.

Bad Bevensen – Am Bevenser Schau- und Lehrbienenstand wurde jetzt der letzte Honig des Jahres geerntet. Die Bienen bereiten sich nun auf den Winter vor.

Erhard Pollehn mit der Imkerpfeife bei der Ernte. Der Rauch bringt die Bienen dazu, sich zurückzuziehen.

„Hauptsache, es stinkt“, sagt Erhard Pollehn. In der Pfeife, die der Imker der Einfachheit halber mit dem Gasbrenner anzündet, beginnt die Mischung aus Stroh, Kirschblättern, Lein und Hanf zu kokeln. Den Rauch bläst er in den Bienenstock, den die Imker Beute nennen. Die Bienen beginnen unruhig zu schwirren, nachdem Pollehn den Deckel geöffnet hat, um die Waben mit dem Honig herauszunehmen. Mit dem Rauch hält er das Insektenvolk auf Distanz. Der Qualm bedeutet Waldbrand. Die Honigernte am Schau- und Lehrbienenstand des Imkervereins Bad Bevensen kann beginnen. Es ist die letzte in diesem Jahr.

Mit einem schmalen Handfeger kehrt Pollehn die Bienen von der Wabe, bevor die Deckel mit einem Spachtel abgehoben werden können. In der Schleuder folgt der Honig der Schwerkraft – und fließt durch einen Filter in den Eimer. Dann muss er nur noch mit einem Rührwerk gerührt werden, das an einer Bohrmaschine befestigt ist. „Er muss gerührt werden, damit er cremig wird, sonst lagern sich Kristalle ab“, erklärt Pollehn. „Das Rühren zerstört die Kristalle.“

Goldgelbe Ernte: Eckhard Alvermann, Vorsitzender des Imkervereins Bevensen, mit einem Glas Honig.

Dreimal haben die Bevenser Imker in diesem Jahr geerntet, und es war insgesamt eine gute Ernte. Goldgelb leuchtet der Honig im Glas. Er ist heller und flüssiger als in anderen Jahren. „So, wie die Natur ihn gibt“, kommentiert Pollehn, zweiter Vorsitzender des Vereins. Während die Bienen im Raps wenig Nahrung fanden, war die Blüte von Ahorn und Akazie besonders ergiebig. Und dann kam die Trockenheit. „Vier Wochen lang gab es nichts mehr für die Bienen. Es war zu trocken und zu heiß“, resümiert der Imker. Klagen gehört zum Handwerk, wie bei den Landwirten, die ebenfalls vom Wetter abhängig sind. Die spätere Baumblüte, der Waldhonig, fiel aus, weil die Bäume unter dem gesunkenen Grundwasserstand litten. Deswegen ist der Honig, obwohl er eher flüssig ist, mit 16 bis 18 Prozent Wasseranteil sehr trocken.

Zwei bis drei Kilometer fliegen die Bienen aus dem Lehrbienenstand, um Nektar und Pollen zu sammeln. In der Kurstadt finden sie gute Bedingungen vor, nicht nur, weil die Imker auf der Hagenwiese jede Menge Blumen hegen. Auch der Kurpark und der Friedhof bieten mehr Nahrung für die Honigsammlerinnen als in manchem Dorf vorhanden ist. Die Vielfalt des Pollens kommt der Bienengesundheit zugute.

Die Bienen bereiten sich nun, mitten im Sommer, auf den Winter vor. Pollehn hat ihnen pro Volk 15 bis 20 Kilo Zuckerteig in die Beuten gegeben. Das muss über den Winter reichen. Hinter der Glasscheibe des Schaustands legt die Königin jetzt, umringt von ihrem Hofstaat, die Eier für die Winterbienen. Sie leben bis zu einem halben Jahr. Für die Bienen eine halbe Ewigkeit.

VON GERHARD STERNITZKE

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