Verfügung des Gewerbeaufsichtsamts

Bad Bevensen: Asbest-Fund stoppt Abriss der Diabetes-Klinik

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Seit einem Abriss-Stopp durch das Gewerbeaufsichtsamt herrscht Stillstand auf dem Gelände der ehemaligen Diabetes-Klinik in Bad Bevensen.

Bad Bevensen – Ein Trümmerfeld dehnt sich an einem der schönsten Punkte Bad Bevensens aus. Am Klaubusch, auf dem hohen Ufer der Ilmenau, ruht der zur Jahreswende begonnene Abriss der ehemaligen Diabetes-Klinik, und das bereits seit Monaten.

Ein Nebengebäude und das ehemalige Kurmittelhaus sind bereits Geschichte. Das ganze Gelände ist mit offenbar unsortierten Schutthaufen übersät: große Betonbrocken, Stahlarmierungen, Fetzen gelber Glaswolle. Der Grund ist ein Abriss-Stopp. Die Bedingungen für die Fortsetzung der Arbeiten sind offenbar immer noch nicht gegeben.

Bereits Ende Dezember hatte ein Kontrolleur des Gewerbeaufsichtsamts (GAA) Lüneburg aufgrund eines Hinweises aus der Bevölkerung Unregelmäßigkeiten festgestellt. „Im Rahmen mehrerer Kontrollen hat das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg festgestellt, dass besonders das Hauptgebäude as-besthaltige Baustoffe enthält.

Da bereits mit den Abbrucharbeiten an allen Gebäuden auf dem Grundstück begonnen worden war, lag somit ein Verstoß gegen die Vorschriften zum ordnungsgemäßen Umgang mit Asbest und künstlichen Mineralfasern beim Abriss der Gebäude vor“, teilt die stellvertretende Leiterin Christina Freifrau von Mirbach auf AZ-Nachfrage mit. „Daraufhin hat das GAA Anfang Januar 2019 dem Bauherrn schriftlich mitgeteilt, dass zunächst die Gefahrstoffe ordnungsgemäß zu entfernen sind.“

Die Verfügung bezog sich jedoch lediglich auf das Hauptgebäude und einen Teil der Garagen. „Erst nach der Gefahrstoffsanierung kann der weitere Abbruch der Gebäude erfolgen“, heißt es in der Verfügung. Die Asbestarbeiten müssen von der beauftragten Firma dem Amt angezeigt werden. Das ist laut Amtsleiterin von Mirbach bislang nicht geschehen.

Das Gewerbeaufsichtsamt kontrolliert bei Baustellenkontrollen den Umwelt- und Verbraucherschutz, vor allem aber den Arbeitsschutz für die Mitarbeiter der beteiligten Firmen. Dabei geht es besonders um den Umgang mit Asbest und künstlichen Mineralfasern aus Dämmungen.

„Solche Stoffe sind gefährlich, wenn sie beim Abriss von Gebäuden freigesetzt werden“, erläutert von Mirbach. „Der Abriss von Gebäuden, in denen Asbest beziehungsweise künstliche Mineralfaser enthalten ist, erfordert daher eine besondere Fachkunde und sollte nur von spezialisierten Betrieben durchgeführt werden.“ Wird dagegen verstoßen, verhängt das Gewerbeaufsichtsamt Bußgelder zwischen 300 und 5000 Euro.

Hält sich der Bauherr daran? Ganz still ist es nicht am Klaubusch. Im Hauptgebäude, das bereits ohne Fenster und Balkonbrüstungen ist, wird gearbeitet. Hammerschläge sind zu hören. Ein Mann trägt auf dem Dach Material aus dem Gebäude und stopft es in einen großen weißen Sack. Auch auf einem Balkon erscheint ein Arbeiter, der ebenfalls einen solchen großen Sack befüllt. Solche Bigbags werden unter anderem genutzt, um Gefahrstoffe für den Transport sicher einzuschließen. Was sie hier auf der Abriss-Baustelle enthalten, ist unbekannt.

Die Behörde kann nicht auf jeder Baustelle sein. Aber wenn es, wie im Fall der Diabetes-Klinik, Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gibt wie im Dezember, kommt ein Kontrolleur. „Wir sind dankbar, wenn wir Beschwerden kriegen“, sagt die stellvertretende Behördenchefin. In diesem Fall schickt sie den Kontrolleur noch einmal nach Bad Bevensen.

Die Stadt Bad Bevensen wünscht sich, dass auf dem Abrissgrundstück in herausgehobener Lage am Stadtrand wieder eine Klinik oder eine besondere Wohnbebauung entsteht. Der Eigentümer, ein Investor aserbaidschanischer Abstammung, der auch mehrere Hotels in der Kurstadt aufgekauft hat, kündigte zunächst eine neue Klinik an, die Kuren mit Mineralöl-Produkten anbieten sollte. Nun soll das Grundstück offenbar verkauft werden.

VON GERHARD STERNITZKE

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