Das macht den Minister nachdenklich

A 39: Bernd Althusmann lässt sich die Sorgen vor Ort schildern

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Kurzer Stopp an der Engstelle zwischen Röbbel und Groß Hesebeck: Landtagsabgeordneter Jörg Hillmer (Mitte) erklärt Verkehrsminister Bernd Althusmann in Beisein des Bundestagsabgeordneten Henning Otte die Situation.

Röbbel – Bleierner Himmel über Röbbel. Es nieselt leicht. Die Visualisierungen der Planer zeigen die Autobahn im Sonnenschein, umgeben von saftigem Grün.

Drinnen schildern am Montagnachmittag Anwohner aus Röbbel und Umgebung Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Alt-husmann (CDU) ihre Sorgen, denn nirgends verläuft die Trasse der A 39 so eng zwischen zwei Dörfern wie hier.

Der Standort ist gut gewählt. Direkt an dem Lokal wird die Überführung ansetzen, die dann die einzige Verbindung zum Nachbardorf Groß Hesebeck bildet. Dort ist die Betroffenheit noch größer, schildert Bewohner Dirk Harms. Ein Wohnhaus wird zum Teil im Dammfuß stehen. Auf elf Metern Höhe plus Lärmschutz verläuft die Fahrbahn, damit das als Naturraum wertvolle Röbbelbachtal überbrückt werden kann – eine Wand vor einem Bauernhof. „Er wird nie Tageslicht sehen“, sagt Harms. „Menschenverachtend“ findet er das.

Das beeindruckt auch den Minister, der auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Henning Otte gekommen ist. „Ich will gerne zugeben, dass ich nachdenklich geworden bin. Ich will darüber mit meinen Fachleuten sprechen“, sichert er den Anwohnern zu. Mehr kann er nicht versprechen.

Die Planer der Landesstraßenbaubehörde nimmt er gegen Kritik in Schutz. Sie müssten eine absolut „rechtssichere“ Planung vorlegen, um Klagen vorzubeugen, die das Fernstraßenprojekt weiter verzögern würden. Und zu einer solchen rechtssicheren Planung gehöre die Berücksichtigung von Schutzgebieten für die Natur. Im Röbbelbachtal etwa ist das Revier des Kammmolchs. Bei einer Verschiebung der Autobahntrasse wären andere wertvolle Vorkommen wie das der Schlingnatter betroffen.

Genau das kritisiert Jörg Hillmer: „Die Frage, die sich immer wieder stellt: Kann den Anwohnern alles zugemutet werden, um Artenschutzanforderungen gerecht zu werden?“, kritisiert der Suderburger Landtagsabgeordnete (CDU).

Die Probleme von Bad Bevensen schildert Marion Baum, Vorsitzende des Arbeitskreises A 39. „Wenn die Autobahn in Römstedt endet, wird Bad Bevensen an der Lidl-Kreuzung im Verkehr ertrinken“, ist sie überzeugt. Althusmann zeigt Verständnis, sieht aber keine Alternative: Ein paar Jahre werde es zusätzliche Verkehrsbelastungen geben. „Das lässt sich nicht vermeiden bei solchen Großvorhaben. Aber es macht für mich wenig Sinn, einen fertiggestellten Abschnitt nicht freizugeben.“

Unzufrieden sind auch die Bauern. Sie sehen nicht ein, dass sie für guten Boden, der unter Asphalt verschwindet, schlechtes Land erhalten sollen, nur weil andere Flächen für Natur reserviert sind, schildert Kreistagsabgeordneter Hans-Heinrich Sackmann (CDU). „Enteignen lassen wir uns nicht so leicht. Wir können auch klagen, auch wenn wir für die Autobahn sind.“

Von Gerhard Sternitzke

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