Bad Bevensen auf dem Weg zur Barrierefreiheit / Arbeitsgruppe formuliert erste Ziele

Belange finden Gehör

+
Für Behinderte ist der Weg ins Kino, ins Theater oder zur Behörde in vielen Städten und Gemeinden nach wie vor unpassierbar. Die sogenannte Barrierefreiheit gibt es in etlichen öffentlichen Einrichtungen oft nicht.

Bad Bevensen. „Endlich fühle ich mich ernst genommen. In den vergangenen sieben Jahren habe ich es oft erlebt, dass ich als Mensch zweiter Klasse behandelt werde“, sagt Tina Constantin und aus ihrem Blick spricht ehrliche Erleichterung.

Vor sieben Jahren hat sich das Leben der Bad Bevenserin grundlegend verändert, seit sieben Jahren sitzt sie im Rollstuhl. Mehrfach hat sie Bürgermeister Martin Feller bereits in dessen Sprechstunde auf kleinere und größere Barrieren in der Kurstadt hingewiesen. Zusammen mit rund 20 weiteren Einwohnern der Stadt sowie Vertretern von Politik, Verwaltung, Vereinen und Verbänden stellt sie sich nun der Aufgabe, Ideen zu bündeln und die Teilhabe aller in Bad Bevensen voranzutreiben – mit der Entwicklung eines „Aktionsplans Inklusion“.

Nachdem bei der Auftaktveranstaltung zur Inklusion im November noch der Begriff an sich im Fokus stand, krempelten die Teilnehmer beim zweiten Teil in Workshop-Manier bereits die Ärmel hoch. Unter der Leitung von Wiebke Dedow vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW), das Kommunen für diese kostenlos auf dem Weg zur Inklusion begleitet, diskutierten sie in den Arbeitsgruppen „Inklusionsbeirat für politische Handlungsfähigkeit“, „Freizeit und Erholung“, „Öffentlichkeit und Begegnung“ sowie „Mobilität und Bauliches“. Erste Ziele wurden formuliert, die Umsetzung angedacht.

Im baulichen Bereich sollen die Toiletten, die bisher nicht barrierefrei sind, angepackt werden. Zudem wurde die Idee formuliert, für Hotels eine Art TÜV zu installieren, in dessen Rahmen für Menschen mit Handicap per Ampelsystem markiert wird, wo beispielsweise ein behindertengerechter Zugang zu Toiletten besteht. Diese Informationen könnten auch mobil als App per Smartphone abgerufen werden. „Das würde sehr helfen und so manche unangenehme Frage ersparen“, berichtete Tina Constantin aus der Praxis.

Von Wiebke Brütt

Weitere Infos im E-Paper und in der Printausgabe der AZ.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare