Uelzener Kinderschutzbund distanziert sich energisch von Arbeit des Bad Bevenser Ortsverbandes

„Bei uns gibt es kein Gemauschel“

Mit großem Bahnhof wurde das Kreativzentrum des Bevenser Kinderschutzbundes im April 2009 eingeweiht – wegen der derzeitigen Krise ruhen hier zurzeit die Aktivitäten. Archivfoto: Kaiser

Bad Bevensen/Uelzen. „Für den Kinderschutzbund gebe ich keine müde Mark mehr!“ Christina Deuer musste sich solche Aussagen in den vergangenen Wochen schon öfter anhören.

Die Vorsitzende des Uelzener Kinderschutzbundes und ihre Mitstreiter leiden darunter, dass der Kinderschutzbund in Bad Bevensen durch den wohl eigenmächtigen Umgang der Vorsitzenden Edda Beneke mit Geld in Misskredit geraten ist (die AZ berichtete). „Dabei haben wir überhaupt nichts miteinander zu tun“, stellt Christina Deuter klar.

Christina Deuter

Beide Ortsverbände arbeiten völlig autark. „Wir machen keine Veranstaltungen zusammen und gar nichts“, betont Christina Deuter. Das Einzige, was die Bevenser und Uelzener Kinderschützer verbinde: Sie gehören beide dem Landesverband an. Das war es aber auch schon. Mehr noch: „Wir arbeiten völlig unterschiedlich“, sagt die Vorsitzende des Uelzener Kinderschutzbundes. Denn für sie sei es „ein Rätsel“, wie es im Bevenser Kinderschutzbund überhaupt zu einem solchen Eklat kommen konnte, in dessen Folge die Mitgliederversammlung die Vorsitzende von ihrem Amt abberuft. Wie berichtet, soll die Vorsitzende ohne Beleg Gelder bar ausgezahlt haben, unter anderem an eine Familienhelferin.

„Ich verstehe überhaupt nicht, wie so etwas passieren kann“, sagt Christina Deuter, die seit 18 Jahren Vorsitzende des Uelzener Kinderschutzbundes ist. „Ich darf über Summen bis zu 100 Euro allein verfügen“, sagt sie, „alles andere muss durch den Vorstand beschlossen werden.“

Barauszahlungen seien in Uelzen ein Tabu. „Wir geben keinerlei Geld raus“, betont Deuter. Sollen Kinder beispielsweise an Ferienfreizeiten teilnehmen, wird direkt an den Veranstalter – Kirche, Schule oder andere – überwiesen. In der Kleiderkammer könnten sich Familien ebenfalls mit verschiedenen Dingen eindecken, es gibt Bekleidungs- und andere Gutscheine. Finanzielles wird nur per Überweisung geregelt. Barauszahlungen an Familien oder Familienhelfer? „Das kann man nicht machen“, so Deuter, „unvorstellbar.“ Die Kassenführerin habe im Uelzener Kinderschutzbund die Hand auf der Kasse – und das sei auch gut so. Jährlich verwaltet sie einen Etat zwischen 48 000 und 50 000 Euro. Zum Vergleich: In Bad Bevensen sind es laut Haushaltsplan für dieses Jahr 28 300 Euro (siehe Kasten).

Alle drei Wochen tagt in Uelzen der Vorstand, Mitarbeiterbesprechungen finden ungefähr alle vier Wochen statt. Alles Besprochene wird protokolliert, damit jeder über alles informiert ist. „Bei uns gibt es kein Gemauschel“, fasst Christina Deuter zusammen. Denn die Kinderschutz-Arbeit könne man nur gemeinsam bewältigen. „Einsame Entscheidungen – völlig unmöglich“, sagt Deuter, „da hätten mich meine Leute längst abgewählt.“

Auch der Umgang miteinander sei wichtig, betont die Uelzenerin. Einige Mitglieder des Bevenser Kinderschutzbundes hatten ihrer Vorsitzenden, wie berichtet, Handeln „nach Gutsherrenart“ und „Alleinherrschaft“ vorgeworfen. „Ich könnte nicht mehr geraden Hauptes durch die Stadt gehen“, sagt Christina Deuter. „Es hat doch keinen Zweck, den Frauen etwas aufzuoktroyieren.“

Nächstes Jahr will Christina Deuter ihr Amt in jüngere Hände legen. Seit 1994 hat sie dann den Uelzener Kinderschutzbund geleitet und wird ein „bestelltes Feld“ hinterlassen, freut sie sich, weil man zur rechten Zeit damit begonnen habe, neue Ehrenamtliche für die Arbeit zu finden. Vor diesem Hintergrund treffen sie die Unterstellungen mancher Unwissender besonders. „Die fragen mich: Was ist denn da bei euch los? Sie meinen aber die Bevenser.“ Und Deuter muss dann klar stellen, dass man rein gar nichts miteinander zu tun hat. „Aber ganz Unbedarfte unterscheiden da nicht“, bedauert Christina Deuter – und hofft, dass sich das nun ändert.

Von Ines Bräutigam

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