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Elternvertreter warnen vor Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen

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Von: Gerhard Sternitzke

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schematische Darstellung für eine Belüftungsanlage. Frische Luft (blau) quillt heraus, verbrauchte Luft (rot) wird angesogen.
Nicht das fliegende Klassenzimmer, sondern eine schematische Darstellung für eine Belüftungsanlage. Frische Luft (blau) quillt heraus, verbrauchte Luft (rot) wird angesogen. ©  ingenieurbüro Büsselberg/sternitzke

Erneut hat die Politik die geplanten Lüftungsanlagen für die Schulen vertagt. Eltern- und Schulvertreter haben Bedenken gegen den Einbau. Sie befürchten unter anderem Störgeräusche und dicke Rohre in Klassenzimmern. 

Bad Bevensen – 25 Kubikmeter Luft pro Stunde, so viel braucht jeder Schüler nach den Regeln der Technik, wenn Lüftungsanlagen in Klassenzimmern installiert werden. Zwei Corona-Winter sind vergangen, seitdem der frühere Grünen-Ratsherr Udo Wieczorek vorgeschlagen hat, solche Geräte in den Schulen der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf zu installieren, der nächste Winter steht vor der Tür. Die Zahl nannte am Montagabend Ingenieur Christian Achmus im Schulausschuss. Es gibt aber deutliche Bedenken von Eltern und Schulvertretern. Die Kommunalpolitiker vertagten ihre Meinungsbildung deshalb erneut.

Der Fachmann, der eine Planung am Beispiel der Wriedeler Schwalbenschule vorstellt, spricht von einer Quelllüftung, bei der die Luft unten am Gerät herausquillt und oben wieder angesaugt wird. „Dadurch arbeiten die Geräte mit ganz geringen Geschwindigkeiten – kaum spürbar“, verspricht Achmus.

Die schrankgroßen Apparate können an der Außenwand oder an der Rückseite der Klasse aufgestellt werden. Teils könnten sie direkt an die Außenluft angeschlossen werden, teils würden sie durch Rohrleitungen übers Dach geführt. Dabei würden 90 Prozent der Wärme in der Abluft über Wärmetauscher zurückgewonnen. Im Sommer sei es möglich, die Räume über Nacht abzukühlen. Der maximale Schallpegel von 35 Dezibel (A) werde auf jeden Fall eingehalten.

Mitglieder des Schulelternrats der Grundschule Himbergen warnen vor einer störenden, womöglich sogar krankmachenden Geräuschkulisse der Geräte sowie Zugluft. „Wie soll damit umgegangen werden, wenn durch die Geräte Kopfschmerzen verursacht werden? Wie soll damit umgegangen werden, wenn es zu Konzentrationsbeeinträchtigungen kommt?“, fragt Heiko Schulz.

Schulvertreter weisen auf den Platzbedarf und die Beeinträchtigung der Atmosphäre in den Klassenzimmern durch hässliche Lüftungsrohre hin. „Es herrscht nicht allgemeine Begeisterung. Wie schwer wiegt das, was wir bekommen an Luftqualität, und was muss man in Kauf nehmen?“, fragt Thomas Gudella, Leiter der Ebstorfer Mauritius-Schule.

Doch wie laut sind 35 Dezibel? Stefan Gust-von Loh (CDU) versucht es mit einer aufs Handy heruntergeladenen App und kommt im Bevenser Ratssaal, in dem der Beamer surrt, auf über 40 Dezibel. „Was passiert, wenn sich herausstellt, dass der Unterricht wirklich gestört wird?“, fragt sich Florian Schmidt (Grüne). „Die Erfahrungswerte von anderen Projekten sind durchweg positiv“, betont Ingenieur Achmus. „Jeder nimmt das unterschiedlich wahr.“

Die Bedenken beeindrucken die Kommunalpolitiker dennoch. „Es haben sich für mich einige Fragezeichen ergeben, die ich noch mal in der Fraktion beraten möchte“, sagt Gina Strampe (CDU). Der Ausschluss vertagt das Thema ein weiteres Mal.

Der Planer hat für Lüftungsanlagen in allen fünf Schulen der Samtgemeinde Kosten von 260 000 Euro ermittelt. Bauamtsleiter Oliver Willing geht davon aus, dass der Kostenrahmen von 200 000 Euro gehalten werden kann, weil wegen der geplanten Umbauten in der Mauritius-Schule und in der Waldschule Bad Bevensen die betroffenen Räume noch ausgespart werden. Die Maßnahme wird zu 80 Prozent gefördert, wenn die Anlagen bis Juni 2023 betriebsbereit sind.

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