Zum Tourismus in Zeiten von Corona

BBM-Geschäftsführer Gerhard Kreutz: „Jeder muss Kompromisse machen“

BBM-Geschäftsführer Gerhard Kreutz fährt das Veranstaltungsprogramm langsam wieder hoch. „Jeder, wir als Veranstalter wie auch die Künstler, muss Kompromisse machen.“
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BBM-Geschäftsführer Gerhard Kreutz fährt das Veranstaltungsprogramm langsam wieder hoch. „Jeder, wir als Veranstalter wie auch die Künstler, muss Kompromisse machen.“

Bad Bevensen – Manchmal kommt es im Leben anders als geplant. Im März freute sich Gerhard Kreutz, Geschäftsführer der Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM), über positive Zahlen.

16 Prozent mehr Übernachtungen im Januar und Februar gegenüber dem Vorjahr ließen eine gute Saison erwarten. Auch Kartenverkäufe sowie die Teilnehmerzahl bei Führungen und Gesundheitsangeboten zeigten nach oben. Dann kam Corona. Therme, Kurhaus und Hotels mussten schließen. Seitdem geht es um Schadensbegrenzung.

Bis Ende Juli verzeichnete die BBM 54 000 Übernachtungen, 55 Prozent weniger als im Vorjahr. Nur zwölf Prozent der Betten waren im vorigen Monat ausgelastet. „Dieses Jahr können wir das nicht mehr auffangen. Wir können nur unter eingeschränkten Bedingungen sehen, dass die Betriebe das überleben“, sagt Kreutz. Nach einer Studie des Heilbäderverbands wollen 70 Prozent der Generation 60 plus in diesem Jahr auf den Urlaub verzichten.

Dennoch konnte die BBM mit einer gezielten Werbekampagne in Großstädten neue Gäste anlocken, die Natur, Ruhe und Gesundheit suchen, darunter viele Radfahrer – langfristig eine Chance für die Kurstadt. Der Deutschland- und Naturtourismus profitiert von der Verunsicherung durch Corona. „Ich bin optimistisch, aber ich weiß, es wird ein harter Weg“, betont Kreutz.

Auch das Bevenser Veranstaltungsprogramm ist unter Vorsichtsmaßnahmen im Juni wieder angelaufen, obwohl das jetzt ein Zuschussgeschäft ist. 130 Stühle sind – jeweils zu zweit – in weiten Abständen zwischen Kurhaus und Konzertmuschel aufgestellt. Bei schlechtem Wetter finden maximal 98 Besucher im großen Saal des Kurhauses Platz. Statt der großen, saalfüllenden Namen kommen nun die nicht ganz so bekannten Künstler zum Zuge. Parodist Jörg Knör tritt wegen der begrenzten Zuschauerzahl am 21. August zweimal hintereinander auf. Langfristig planen kann die BBM nicht. „Jeder, wir als Veranstalter wie auch die Künstler, muss Kompromisse machen“, betont Kreutz. Dabei ist er von den Verordnungen des Landes abhängig.

Während des Lockdowns wurden von der BBM über 1000 Eintrittstickets rückabgewickelt. Die Auftritte bis Ende des Jahres wurden verschoben. Mit den Künstlern sei aber abgesprochen, dass die Termine nachgeholt werden sollen.

Gute Nachricht für die Stadt: Trotz des Einbruchs kommt die BBM mit ihrem Jahreszuschuss von 1,09 Millionen Euro voraussichtlich aus. Durch Kurzarbeit, die Entlassung der Saisonkräfte und die Verschiebung von Investitionen werden die Einnahmeeinbußen voraussichtlich ausgeglichen, teilt Kreutz mit. VON GERHARD STERNITZKE

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