Georg Gerstenkorns Haus in Eddelstorf liegt ganz dicht an viel befahrener Umleitungsstrecke

Bangen um die Dachrinne

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Nur Zentimeter trennen die Dachrinne vom vorbeifahrenden Lkw: Georg Gerstenkorn bangt zurzeit um sein Haus in Eddelstorf, das direkt an der Umleitungsstrecke wegen einer Vollsperrung bei Dahlenburg liegt. Vor allem das Tempo und die Lkw-Dichte sind in Eddelstorf aktuell ein Problem.

Eddelstorf/Himbergen. Zwei Mal haben ihm Lastwagen die Dachrinne schon abgefahren. Vergangenes Jahr und eine ganze Weile davor auch schon. Und auch jetzt bangt Georg Gerstenkorn täglich um den Zustand seines Hauses an der Alten Dorfstraße in Eddelstorf.

Denn sein Zuhause liegt direkt an der Umleitungsstrecke, die für den Ausbau der Dahlenburger Ortsumgehung eingerichtet wurde. Und das Dach seines Hauses endet direkt über dem Bordstein, sodass vor allem hohe Fahrzeuge so manches Mal nur haarscharf an der Dachrinne vorbei schrammen.

Ganz schön knapp: Zwei Lastwagen begegnen sich auf der Alten Dorfstraße in Eddelstorf, weichen teilweise auf den Rad- und Gehweg aus und rangieren vorsichtig aneinander vorbei. Szenen wie diese spielen sich in dem Ort derzeit fast täglich ab.

„Die Lkws fahren hier in Schüben durch“, berichtet Georg Gerstenkorn aus den vergangenen Wochen. „Manchmal ist es ganz ruhig, aber dann kommen sie wieder.“ Wenn sich zwei Brummis auf der Alten Dorfstraße begegnen, ist es besonders brenzlig. So wie gestern Morgen: Die Fahrer bremsen ab, rangieren vorsichtig aneinander vorbei, weichen ein kleines Stückchen auf den Gehweg aus und setzen dann ihren Weg auf der Umleitungsstrecke fort. „Ich habe meinen Jungs schon gesagt, dass sie nicht mit dem Fahrrad auf der Straße fahren dürfen“, sagt Georg Gerstenkorn, das sei nämlich zurzeit viel zu gefährlich. Auch der Gehweg sei ihm zu unsicher. „Wir fahren dann da hinten“, mischt sich der neunjährige Falko ein und zeigt mit dem Finger in die Seitenstraße.

In Himbergen wich der Schwerlastverkehr an der Göhrdestraße auf den Fußweg aus – Warnbaken sollen das jetzt verhindern.

Damit der umgeleitete Schwerlastverkehr dem Haus der Gerstenkorns nicht zu nahe kommt, hat der Landkreis Uelzen jetzt direkt unter der Dachrinne eine Warnbake aufgestellt. „Das bringt auch was“, hat Georg Gerstenkorn beobachtet, „die Lkws machen da einen kleinen Schlenker.“ Aber langsamer macht die weiß-rote Stele den Verkehr nicht unbedingt. „Hier wird ganz schön durchgebrettert“, findet Gerstenkorn. „Und wenn die Lkws nicht beladen sind, dann scheppert das Metall der Auflieger richtig laut. Die Straße ist ja auch gar nicht für diesen Verkehr ausgelegt.“ Seit 1986, wohnt der 54-Jährige in dem Haus, das einst die alte Schule von Eddelstorf war. Früher sei die Verkehrsdichte längst nicht so hoch gewesen, erinnert er sich. Im Laufe der Jahre habe sie dann immer mehr zugenommen. Und hinzu käme: „Die Fahrzeuge, auch die landwirtschaftlichen, werden ja immer größer, während die Straßen nicht mitwachsen“, so Gerstenkorn. Logisch, dass es da dann in Richtung seiner Dachrinne immer knapper werde.

An der Abzweigung in Altenmedingen, die nach Eddelstorf führt, hat schon die Straße unter dem ungewohnt schweren Verkehr gelitten – notdürftig wurde hier ein Loch im Asphalt mit Splitt verfüllt.

Werner Marquard, Bürgermeister der Gemeinde Altenmedingen, bestätigt die Situation in Eddelstorf. „Da ist schon was los“, sagt er. Auch seien die Seitenräume mittlerweile ziemlich ausgefahren und einige Asphaltkanten abgebrochen, weil sich Lkws im Begegnungsverkehr ausweichen müssten. Wenn die Umleitung aufgehoben sei, werde er sich darum kümmern, dass die Schäden behoben werden. Die Umleitungsstrecke führt von der Bundesstraße 216 zwischen Lüneburg und Dahlenburg über Bohndorf, Aljarn und Eddelstorf, weiter nach Altenmedingen und Vorwerk nach Römstedt und Himbergen, von wo aus es Richtung Göhrde wieder zur B 216 geht. Deshalb haben auch die Himberger zurzeit einiges auszustehen. „Hier sieht man schon deutliche Schäden, der Verkehr ist erheblich“, sagt Bürgermeister Jürgen Hinrichs. Anwohner wollen bis zu 500 Lkws täglich im Ort gezählt haben, berichtet er.

Georg Gerstenkorn und seine Söhne Falko (9) und Michael (7) zeigen ihre Dachrinne, die über dem Gehweg hängt.

Und auch in Himbergen müssten sich begegnende Lastwagen oft ausweichen und benutzten dann die Gehwege. Im Bereich der Kirche wurden entlang der Göhrdestraße (Landesstraße 253) ebenfalls Warnbaken aufgestellt, um zumindest den Fußgängern Sicherheit zu geben. Voraussichtlich Anfang September sollen die Ausbauarbeiten bei Dahlenburg abgeschlossen sein. Bis dahin hofft Georg Gerstenkorn, dass seine Regenrinne in Eddelstorf unbeschadet bleiben möge. Allerdings kann er sich dessen auch danach nicht sicher sein, denn: „Die aufgestellte Warnbake wird dann wieder abgebaut. Schade eigentlich.“

Von Ines Bräutigam

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