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Bad Bevensen: Rückwärts bis zur letzten Mülltonne

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Müllabfuhr des AWB in Bad Bevensen
Während der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises (Foto) viele Sackgassen nicht mehr anfährt, um Rückwärtsfahrten zu vermeiden, holt die Firma Formata das Altpapier vor der Tür ab. © Sternitzke, Gerhard

Wer vergessen hat, die Mülltonne herauszustellen, kann das manchmal noch in letzter Minute nachholen. Der typische Sound der Müllwagen – anfahren, Halt machen, das Poltern der Mülltonnen beim Entleeren – ist schon mehrere Straßen weit zu hören. Für andere Bürger ist der Weg länger. Seit 2020 werden viele Sackgassen nicht mehr mehr angefahren.

Bad Bevensen – Der Grund ist eine neue Sicherheitsregel. Umso mehr wundert sich der Bevenser Hans Vetter, als er in der Innenstadt mit ansieht, wie ein Müllfahrzeug eine lange Strecke zurückstößt, um die Müllbehälter abzuholen.

„Der MAN fuhr von der Bergstraße circa 120 Meter rückwärts bis Ende Kirchstraße“, berichtet Vetter. „Der Begleitmann, der die Rückwärtsfahrt überwachen soll, ging im Stechschritt circa 50 Meter vor dem Fahrzeug. Blickrichtung vom Auto weg, zu den abzuholenden Behältern in der Brückenstraße.“

Die Kirchenstraße sei nicht breiter als das Kiebitzmoor, das vom Abfallwirtschaftsbetrieb nicht mehr angefahren wird, aber hier seien Radfahrer, Fußgänger und Mütter mit Kinderwagen unterwegs. „Bitte erklärten Sie mir doch, warum das so ist“, schreibt Vetter an den Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises.

Die Kreisverwaltung teilt auf AZ-Nachfrage mit, dass es sich nicht um ein Fahrzeug des AWB handele, sondern der Firma Formata. „Formata ist nicht vom Landkreis beauftragt. Die Altpapierabfuhr wird privatrechtlich organisiert“, betont Kreis-Sprecherin Swantje Hennings. Damit liegt auch die Beurteilung der Sicherheit von Rückwärtsfahrten bei dem Wierener Unternehmen.

„Wir versuchen die Bürger zu entlasten, indem wir die Tonnen vor der Tür abholen“, sagt Geschäftsführer Dieter Ramacher. „Da wohnen viele ältere Bürger, die gar nicht in der Lage sind, die Tonne bis zur nächsten Ecke zu ziehen“, gibt er zu bedenken.

Auf den Müllwagen fahre immer ein Einweiser mit. Die Fahrzeuge seien mit Rückfahrkameras und Sensoren ausgestattet. Die Fahrer seien zudem geschult, hätten Lehrgänge besucht. Sie träfen eigenständig die Entscheidung, welche Straßen rückwärts angefahren werden können. „Wir werden niemanden gefährden“, betont Ramacher.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb hatte anders entschieden. Unter Berufung auf eine neue Branchenregel sollten Rückwärtfahrten, vor allem über längere Strecken, weitgehend ausgeschlossen werden. 70 Stichstraßen ohne ausreichende Wendemöglichkeit in Bevensen-Ebstorf und der Gemeinde Bienenbüttel wurden ab Sommer 2020 nicht mehr angefahren. Die Bewohner müssen seither die Tonnen bis zu Sammelpunkten an der nächsten Straßenecke schaffen – für ältere und eingeschränkte Menschen eine Herausforderung. Insgesamt 250 Straßen wurden untersucht.

Wegen der öffentlichen Kritik hat der Landkreis ein Planungsbüro mit der Untersuchung der Stichstraßen in den übrigen Gebieten beauftragt. Das Ergebnis liegt noch nicht vor, teilt Kreis-Sprecherin Hennings mit.

Entschieden ist auch noch nicht über einen SPD-Antrag an den Uelzener Kreistag, eine Lösung im Sinn der betroffenen Bürger zu finden, etwa durch Einweiser, Assistenzsysteme oder durch Anschaffung eines kleineren Müllfahrzeugs.

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