Bad Bevensen prüft Möglichkeit für eine Nahversorgung auf den Dörfern

Ein Automat als Tante-Emma-Laden

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Mancher Bauer verkauft über einen Automaten Eier und andere Lebensmittel. In der Stadt Bad Bevensen könnte über die Geräte eine Nahversorgung für die Ortsteile oder abgelegene Siedlungen geschaffen werden.

Bad Bevensen – Mit Wehmut erinnern sich ältere Bewohner an Zeiten, als noch Leben im Dorf war. Zuerst verschwand der Kaufmannsladen, dann der Bäcker und irgendwann schloss das Gasthaus die Türen. Seitdem müssen die Dorfbewohner das Auto nehmen, wenn die Milch alle ist.

Jetzt gibt es eine neue Idee, wie die Versorgung auf den Dörfern mit Hilfe von Selbstbedienungs-Automaten verbessert werden könnte. Darum ging es im nichtöffentlichen Verwaltungsausschuss der Stadt Bad Bevensen, in dem ein Vertreter eines Unternehmens den Kommunalpolitikern sein Konzept vorstellte.

Die Idee ist nicht ganz neu. Auch in Bevensen nutzt eine Schlachterei die sogenannte „Regio-Box“, um ihre Produkte außerhalb der Ladenöffnungszeiten anzubieten. Bauern vermarkten damit bequem Eier, Wurst oder Milch, ohne dass dafür Arbeitskräfte in einem Hofladen nötig wären.

„Die Ortsteile verlieren immer mehr von ihrer Infrastruktur“, sagt Bevensens Bürgermeister Martin Feller (Grüne). „In solch einem Automaten kann man auch frische Produkte verkaufen. So könnte man die Lebensmittelversorgung sicherstellen.“ Besonders profitieren können dabei alle, die alt und ohne Führerschein sind, und neben Dorfbewohnern etwa auch Siedlungen am Rand der Kurstadt. „Wir wollen dafür ein Grundstück zur Verfügung stellen“, teilt Feller mit.

Das Konzept ist beliebig erweiterbar. So kann ein kleiner Lebensmittelladen mit Geldeinwurf entstehen, aber auch Non-Food-Artikel könnten aufgenommen werden – bis hin zu einer Paketstation der Post. Und ganz neue Möglichkeiten bietet das Internet. „Wir bekommen jetzt Glasfaser“, erklärt Feller. „Das Ganze würde digital laufen.“ Die Menschen könnten dann im Internet bestellen und den Einkauf mit einem zugesandten Codewort aus dem Automaten ziehen. Selbst Arzneimittel könnten so den Weg aufs Dorf finden.

Die Sache hat allerdings einen „Haken“, denn die Händler, die den Automaten bestücken und bezahlen, müsste die Kurstadt suchen. „Die Regio-Box erweitert den Kundenkreis und sorgt für Kundenbindung“, betont der Bürgermeister. „Wir wollen die Wertschöpfung bei den lokalen Händlern lassen.“ Möglicherweise könnte sogar die Stadt selbst den Automaten kaufen. Dafür gibt es auch Fördermittel.

In Gesprächen mit den Ortsvertrauensleuten in den Bevenser Dörfern, vielleicht auch in Dorfversammlungen, will Feller nun klären, wie groß das Interesse der Bewohner ist.

VON GERHARD STERNITZKE

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