Deutsche Wiedervereinigung als Vorbild für Korea

Koreanisches Filmteam besucht den Grenzfotografen Jürgen Ritter in Barum

Filmaufnahmen im Büro des Grenzfotografen Jürgen Ritter.
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Grenzflüchtlinge Kim Gumhyok und Mario Goldstein zu Gast beim Barumer Grenzfotografen Jürgen Ritter (von links). Ein koreanisches Filmteam dreht eine Dokumentation zur Grenze in Korea und Deutschland.
  • Gerhard Sternitzke
    VonGerhard Sternitzke
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Ein koreanisches Filmteam hat den Barumer Grenzfotografen Jürgen Ritter besucht. Die Koreaner interessieren sich für die deutsche Wiedervereinigung und die Umwandlung der Grenzanlagen in ein grünes Band.

Barum – Bei Jürgen Ritter ist die innerdeutsche Grenze noch lebendig. In seinem Büro im Obergeschoss des Einfamilienhauses in Barum lagern unzählige Bilder von DDR-Grenzern, Grenztürmen und Zäunen mit Selbstschussanlagen, die einen einzigen Zweck hatten: Die Bürger des östlichen Deutschlands an der Flucht in den Westen zu hindern. Während die innerdeutsche Grenze nach der Wiedervereinigung bis zur Unkenntlichkeit aus dem Landschaftsbild und häufig auch aus dem Bewusstsein verschwand, trennt Korea immer noch eine unüberwindbare Demarkationslinie. Kann man von Deutschland lernen, wie man sie überwindet? Darum geht es einem koreanischen Filmteam, das jetzt den Grenzfotografen besuchte.

„Die deutsche Wiedervereinigung ist ein Beispiel für das, was wir anstreben. Und gleichzeitig möchten wir nicht die gleichen Fehler machen“, erklärt Kim Song-ju (37), ein in Deutschland lebender Koreaner, der die Dreharbeiten koordinierte. Seit Ende des Koreakriegs 1953 teilt die Grenze seine Heimat. „Wenn man südkoreanische Musik hört, wird man dafür gefoltert“. berichtet Kim. Während in der kommunistischen Diktatur Nordkorea Menschen hungern, ist Südkorea ein Industrieland. Und ähnlich wie früher in Westdeutschland interessieren sich viele, vor allem die Jüngeren im wohlhabenden Südkorea nicht mehr für das Schicksal ihrer Landsleute auf der anderen Seite der Demarkationslinie.

Zwei Grenzflüchtlinge begegnen sich

Die 90-minütige Dokumentation der Produktionsfirma BOM-Entertainment erzählt im ersten Teil die Geschichte des nordkoreanischen Flüchtlings Kim Gumhyok, der als Student in China Hals über Kopf fliehen muss, als sein Onkel in Ungnade fällt. Nicht einmal die Bilder seiner Eltern kann er mitnehmen. Kontaktmöglichkeiten gibt es nicht. Bei Jürgen Ritter trifft er mit Mario Goldstein zusammen, der mit 18 aus der DDR geflüchtet ist.

Im zweiten Teil geht es um das deutsche Beispiel einer Grenzüberwindung und Wiedervereinigung. Gemeinsam wandern die Flüchtlinge mit dem Filmteam an Abschnitten der ehemaligen Grenze entlang. Mit Jürgen Ritter geht es zu ehemaligen Aufnahmeorten seiner Fotos, etwa im damals getrennten Doppel-Dorf Böckwitz-Zicherie. Staatsratsvorsitzender Erich Honecker soll mit seinem Kollegen Kim Il-sung eine Wette abgeschlossen haben, wessen Grenze länger besteht. Er hat sie verloren.

Das Filmteam interessierte sich besonders auch für die Entwicklung von der gesicherten Grenzlinie zum grünen Band durch Deutschland, auf dem der Naturschutz Vorrang hat. „Die große Frage ist, wenn die Wiedervereinigung in Korea kommt: Was machen wir mit der Demarkationslinie, die fünf Kilometer breit ist?“, fragt sich Kim, der im Vertrieb bei einem koreanischen Hersteller in Düsseldorf arbeitet. Süd- und Nordkorea sind dicht besiedelt, freie Natur gibt es kaum. Auch in dieser Hinsicht könnte Deutschland Vorbild sein.

Ritter hat sich vorbildlich für die Wiedervereinigung eingesetzt

Vorbild für die Südkoreaner ist auch „Ritter, der sich als Grenzfotograf jahrzehntelang für die Wiedervereinigung eingesetzt hat“, wie Kim hervorhebt.

Zwölf Tage dauerten die Dreharbeiten entlang der ehemaligen Grenze. Am 28. Juli soll die Dokumentation im südkoreanischen Fernsehen gezeigt werden. Möglicherweise gibt es auch eine deutsche Kurzfassung, kündigt Kim an. „Es war eine Gelegenheit, noch mal über die Freiheit nachzudenken.“

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