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„Diese Bürokratie ist Wahnsinn“

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Von: Lars Lohmann

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Corona-Schutzimpfung
Apotheker können in Niedersachsen bisher nur den Corona-Impfstoff als Angehörige eines mobilen Impfteams verabreichen.  © Felix Kästle / DPA

Ende November beschlossen Bund und Länder, dass auch Apotheker die Corona-Impfung verabreichen können. Doch kurz vor Jahresende ist es Apothekern in Niedersachsen bisher nur erlaubt als Angehörige eines mobilen Impfteams die Spritze zu setzen, wenn die Zusatzqualifikation zur Grippeimpfung vorhanden ist.

Bad Bevensen - So hat es die niedersächsische Apothekenkammer beschlossen. Ein Zustand, der den Bad Bevenser Apotheker Ingo Apel den Kopf schütteln lässt.

„Wir laufen auf die Omikron-Wand zu und statt dass wir endlich impfen können, werden bürokratische Hürden aufgebaut“, sagt der Inhaber der Rats-Apotheke. Sechs seiner Mitarbeiter haben die Zusatzqualifikation, um die Grippeimpfung zu verabreichen. Doch statt in den eigenen Räumen impfen zu können, müssten sie sich einem mobilen Impfteam anschließen. „Wenn wir impfen könnten, würden wir die Arztpraxen vor Ort entlasten. Die neben dem Impfen auch noch die alltäglichen Fälle bewältigen müssen“, sagt Apel.

Laut der niedersächsischen Apothekenkammer liegt dies daran, dass zunächst die Coronavirus-Impfverordnung des Bundes angepasst werden muss (AZ berichtete). Sei dies erfolgt, könnten sich interessierte Apotheker, die die räumlichen Voraussetzungen erfüllten, entsprechend schulen lassen. Die Bundesapothekerkammer werde gemeinsam mit der Bundesärztekammer bis zum 31. Dezember ein Curriculum zu den Schulungsmodalitäten erarbeiten.

„Ich verstehe aber nicht, warum dann in anderen Bundesländern bereits Apotheker in ihren Räumen impfen“, sagt Apel. Hier hätte er sich etwas mehr Mut von der Kammer gewünscht. Nachvollziehen kann er auch nicht, warum die Räumlichkeiten nochmals geprüft werden müssen. Das sei schon im Rahmen des Pilotprojekts zur Grippeimpfung erfolgt. „Wir könnten schon viel weiter sein“, sagt Apel.

Ein weiteres Hindernis ist nach der derzeitigen Gesetzeslage die Beschaffung des Impfstoffs für die Apotheker. „Für uns selbst dürfen wir nichts bestellen. Ich muss erst einen Arzt finden, der den Impfstoff anfordert und mir dann überlässt“, erklärt Apel.

Vor allem aber könne es nicht sein, dass mehr als ein Monat ins Land gezogen sind und es noch immer nicht die nötigen Erlasse gebe, damit die Apotheken auch impfen können. „Diese Bürokratie ist Wahnsinn. Die Kammern wirken zurzeit wie Dinosaurier“, sagt Apel. In Zeiten einer Pandemie, wo schnelles Handeln angesagt sei, dürfte es nicht so lange dauern. „Die Kammern haben ja seit Monaten gefordert, dass die Apotheken auch impfen. Da hätte ich erwartet, dass die entsprechenden Pläne in der Schublade liegen und nicht erst gemacht werden.“

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