Altenmedingens Bürgermeister Werner Marquard verzichtet auf Kandidatur

Ein politisches Urgestein tritt ab

Altenmedingens Bürgermeister Werner Marquard tritt nicht mehr zur Kommunalwahl an.
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„Wenn der Zug mal abgefahren ist, nützt Hinterherrennen auch nichts mehr“, sagt Werner Marquard über politische Entscheidungen.
  • Lars Lohmann
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Seit 15 Jahren ist Werner Marquard Bürgermeister von Altenmedingen. Insgesamt 35 Jahre saß er im Rat der Gemeinde und zudem noch zehn Jahre im Samtgemeinderat von Bevensen-Ebstorf, wo er als Ratsvorsitzender fungiert. Doch jetzt nach insgesamt 45 Jahren als aktiver Kommunalpolitiker tritt das CDU-Urgestein ab.

Altenmedingen – „Es wird Zeit, alles in jüngere Hände zu geben. Wir haben genug, die das machen können“, meint der 72-Jährige, der von sich selbst sagt, schon immer politisch sehr interessiert gewesen zu sein. Die Gebietsreform 1972 habe ihn dann zur Kommunalpolitik gebracht. „Zunächst als Beobachter und ab 1977 wollte ich dann mitgestalten“, erinnert sich der Secklendorfer. Ihm sei es damals auch darum gegangen, dass sein 1972 nach Altenmedingen eingemeindeter Heimatort in der Politik nicht vergessen wird.

Ein weiterer Auslöser für Marquards politisches Engagement liegt sogar noch etwas weiter zurück. 1968/69 war er bei der Wachhundertschaft des Bundesgrenzschutzes in Bonn. „Da habe ich mich, wenn ich frei hatte, in den Bundestag gesetzt. Und wenn man dann Strauß, Wehner oder Helmut Schmidt reden hörte, konnte man gar nicht anders, als sich zu interessieren“, sagt Marquard. Vor allem Helmut Schmidt habe er über die Jahre immer bewundert, sagt das CDU-Mitglied.

Positiv sieht er vor allem, dass es gelungen ist, die Grundschule Altenmedingen zu erhalten und als erste in den Ganztagsbetrieb auf Samtgemeinde-Ebene zu überführen. „Ohne die Kooperation der Kirche und Pastor Heyden, die uns Räume zur Verfügung stellten und der Schulleitung, wäre das nicht möglich gewesen“, sagt er. Überhaupt zeichne sich Altenmedingen dadurch aus, dass man sich gegenseitig unterstütze, um Probleme zu lösen. Vieles könne man eben nur gemeinsam anstoßen. So wie etwa die Baugebiete, die in den vergangenen Jahren ausgewiesen wurden oder eben die weitere Entwicklung des gemeindeeigenen Kindergartens Sonnenblume. „Ich bin in den 15 Jahren als Bürgermeister immer einstimmig gewählt worden“, betont er.

Auch aus seiner Ablehnung der A 39 hat der Landwirt nie ein Geheimnis gemacht. „Die ursprüngliche Trassenplanung hätte das Aus für den Betrieb bedeutet“, sagt er.

Außerdem müsse man auch mal eine unbequeme Entscheidung treffen, wie die ein Jahr nach seinem Amtsantritt erfolgte Erhöhung der Grundsteuerhebesätze. „Dadurch waren wir finanziell abgesichert und haben bis heute keine Straßenausbaubeiträge erheben müssen“, sagt Marquard. Vertanen Chancen sollte man hingegen nicht hinterher weinen. „Wenn der Zug mal abgefahren ist, nützt ein Hinterherrennen auch nichts mehr“, sagt er.

Die Fusion der Samtgemeinden Bevensen und Altes Amt Ebstorf sieht Marquard als erfolgreich an. „In Altenmedingen waren wir zwar nicht auf die Fusion angewiesen, aber es war auch unsere Pflicht, der Stadt zu helfen“, sagt Marquard. Eine Einheitsgemeinde mit Bad Bevensen dürfe es aber nie geben. „Dann fallen die kleinen Orte hinten runter und werden vergessen“, meint er.

Im Ruhestand will er weiterhin seinem Sohn auf dem Hof in Secklendorf helfen, sich um die Enkelkinder kümmern und seinem Hobby, der Jagd, nachgehen. „Ich werde sicherlich nicht bei jeder Ratssitzung dabei sein. Nur wenn es mich wirklich interessiert.“

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