Deutschlands Lieblingsfranzose kann viel mehr als Fragenstellen

Alfons als Entertainer

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Emmanuel Peterfalvi präsentierte sein neues Bühnenprogramm „Alfons – jetzt noch deutscherer“ im Bevenser Kurhaus. 

Bad Bevensen – Alfons, der rasende Reporter mit dem Puschelmikrofon ist ins Kurhaus nach Bad Bevensen gekommen. Er hat seine orangefarbene Trainingsjacke an. Er macht mit seinem trainierten Akzent Witze über Deutsche und Franzosen.

Und doch ist er in diesem Programm („Alfons – jetzt noch deutscherer“) weit entfernt davon, wie im Fernsehen, entlarvende Fragen zu stellen.

Denn eine Entscheidende hat er sich selbst aufgegeben: Deutscher werden – oder nicht? Und der Wahl-Hamburger, seit 27 Jahren lebt er in Deutschland, erzählt seine Geschichte: Von dem Brief an viele, den Olaf Scholz noch als Erster Bürgermeister der Hansestadt unterzeichnete, und darin fragte, ob er nicht deutscher Staatsbürger werden wolle. Von seinem Kühlschrank, an den er den Brief gepinnt hatte, der bei einem Kurzschluss abbrannte – „Meine Küche sah aus, als hätte ich darin einen G-20-Gipfel organisiert.“ Und von seinem Einbürgerungstest, den er bestand.

Und er erzählt von den erst widersprechenden Reaktionen seiner besten Freunde, die dann bei seiner feierlichen Einbürgerung im November 2017 nach Hamburg kamen. „Sie müssen wissen, Franzose und Deutscher, das ist ein Widerspruch an sich: „Deutsche sind diszipliniert, pünktlich und effizient – Franzosen sind … normal!“

Alfons hat all das in seinem Programm verarbeitet. Und Emmanuel Peterfalvi, wie Alfons eigentlich heißt, ist dabei über sein komisches Talent hinausgewachsen. Er wird im Kurhaus zum Geschichtenerzähler, mehr als zwei Stunden lang. Das ist kurzweilig, das ist brillant, das ist ironisch und anrührend. Als er Europa gegen Gurken- und Kondom-Verordnungen verteidigt und das 70-jährige Friedenswerk lobt, spendet das Publikum großen Beifall.

Auch erzählt Alfons von seiner Großmutter Erica, die nach Auschwitz deportiert wurde und überlebte. Die lebenskluge Großmutter, die „grand-mère“, prägt ihn bis heute.

Es ist ein anspruchsvolles Programm, das Alfons gekonnt präsentiert. Mal ist es muckmäuschenstill im Saal, mal ausgelassen heiter. „Wir haben im Team gesagt: Ja, wir können so ein Programm machen. In diesen verrückten Zeiten müssen wir so ein Programm machen“, sagt Alfons.

So erzählt der 51-Jährige vor ausverkauftem Haus, was „wahr ist“ - und nimmt gemeinsam mit seiner Begleitung am Klavier und beim Gesang, Julia Schilinski, das Publikum mit auf eine Zeitreise durch Kindheit und Jugend in Frankreich.

Am Ende ist es diese Mischung aus Theater, Kabarett und Comedy, die den Abend im Kurhaus nachhallen lässt. Große Kunst und großes Kino. Danke, Alfons.

VON CHRISTIAN HOLZGREVE

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