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Ärger um den Bronzeschatz

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Von: Ines Bräutigam

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Dieses Stück aus der Bronzezeit, das die Denkmalpfleger jüngst präsentierten, fand der Emmendorfer.
Dieses Stück aus der Bronzezeit, das die Denkmalpfleger jüngst präsentierten, fand der Emmendorfer. © Bräutigam

Bad Bevensen/Emmendorf. Gerrit Remus ist sauer. „Hätte ich das nicht gefunden, dann wüssten die in 100 Jahren noch nichts davon“, mault er.

Was den 29-jährigen Emmendorfer so frustriert: Die Uelzener Kreisarchäologie hatte, wie berichtet, den größten Bronzefund der letzten Jahrzehnte aus dem Bereich Bad Bevensen präsentiert – Fragmente eines Hängebeckens, außerdem Spiralarmschmuck. Gerrit Remus hatte das Stück des Hängebeckens am Abend des 24. März 2016 auf einem Acker nahe der Kurstadt gefunden. „Dass die sich jetzt mit dem Fund rühmen“, das wurmt den 29-Jährigen.

Gerrit Remus demonstriert, wie er mit seinem Metalldetektor den Boden absucht. Der Sondengänger fand im vergangenen Jahr einen bedeutenden Bronzeschatz, um den es jetzt Zoff gibt.
Gerrit Remus demonstriert, wie er mit seinem Metalldetektor den Boden absucht. Der Sondengänger fand im vergangenen Jahr einen bedeutenden Bronzeschatz, um den es jetzt Zoff gibt. © Bräutigam

Das Dilemma: An jenem Abend im vergangenen Jahr war Gerrit Remus als illegaler Sondengänger unterwegs. Er habe seinen Fund aber gleich am nächsten Morgen freiwillig gemeldet, sagt er, zahlte eine Geldstrafe und hat inzwischen eine Genehmigung für das legale Suchen mit Metalldetektoren im Bereich Emmendorf. Doch noch etwas enttäuscht ihn: „Mir wurde damals gesagt, dass man noch einmal gemeinsam mit anderen Sondengängern auf dem Feld weitersuchen will“, so Remus. Aus der AZ erfuhr er nun, dass dies längst geschehen ist.

Uelzens Kreisarchäologe Dr. Fred Mahler stellt dazu klar: „Herr Remus hat nicht den geringsten Anspruch darauf, da mitzugehen.“ Er, Mahler, habe den ehrenamtlichen Sondengänger Hans-Joachim Wagner nach Remus’ Fund mit der weiteren Suche beauftragt, und Wagner war fündig geworden. Die Argumentation des 29-Jährigen kann der Archäologe auch nicht nachvollziehen: „Es wäre das Gleiche, als wenn ein Wilderer sich selbst anzeigt und sagt, er habe etwas ganz Seltenes geschossen und man müsse doch dankbar dafür sein“, findet Mahler einen plakativen Vergleich. „Herr Remus kann uns dankbar sein, dass wir ihn aus seiner Illegalität herausgeholt haben.“

Doch auch dass sein Bronze-Fund über ein Internetforum aufgeflogen sei, weist der 29-Jährige im AZ-Gespräch weit von sich. Aus einem Protokoll des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege geht derweil hervor, dass er seinen Fund sehr wohl in ein solches Forum eingestellt habe, weil er ihn nicht habe deuten können. Ein anderer Sondengänger, so wurde notiert, habe ihm dort auch dazu geraten, das Bronzestück abzugeben.

Den Emmendorfer unterdessen ärgert vor allem, dass die Sondengänger von der Archäologie „als böse Menschen“ hingestellt würden. Anders als in anderen Bundes- und Nachbarländern sei das Denkmalschutzgesetz in Niedersachsen aus seiner Sicht viel zu streng. Weil bei Gängen mit Metalldetektoren immer auch sogenannte bewegliche Bodendenkmäler gefunden werden könnten, ist hierzulande die gezielte Suche danach reglementiert. Nur wer eine Erlaubnis hat, darf mit seiner Sonde losziehen.

Für Gerrit Remus und die meisten anderen sei das Sondengehen ein Hobby, ja, eine Leidenschaft, sagt er. Was man dabei finde, wolle man gar nicht zu Geld machen. „Es geht um das Finden und ums Haben“, versucht der 29-Jährige die Faszination in Worte zu fassen. Doch viele sogenannte „Illegale“ stellten sich ihre Funde lieber zu Hause in die Vitrine als sie den Behörden zu melden, weiß er. Weil es dann sowieso nur Ärger gebe. Gerrit Remus jedenfalls glaubt: „Die Archäologie hätte viel mehr davon, wenn sie offener mit den Sondengängern umgehen würde.“

Von Ines Bräutigam

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