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Apotheker im Uelzener Kreisgebiet streiken nicht: Ärger über Abschlag bei Kassenrezepten

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Ratsapotheke Bad Bevensen, im Vordergrund Apotheker Ingo Apel.
Kein Streik in der Bevenser Ratsapotheke. Apotheker Ingo Apel warnt, dass der höhere Abschlag beim Honorar das Apotheken-Sterben beschleunigen wird. © Sternitzke, Gerhard

Alltag in der Bevenser Ratsapotheke: Rezepte, Kopfschmerztabletten, Corona-Masken. Während Apotheken in Hamburg, Schleswig-Holstein, Brandenburg und dem Saarland am Nachmittag des 19. Oktober streiken, herrscht hier Normalbetrieb. Aber die geplanten Kürzungen beschäftigen auch die Kollegen im Uelzener Kreisgebiet.

Bad Bevensen – „Wir streiken nicht. Ich habe da auch jegliche Hoffnung verloren, dass wir bei der Politik Gehör finden“, sagt Ingo Apel, der neben der Ratsapotheke drei Filialen in Bad Bevensen, Rosche und Lüchow betreibt. Anlass des Ärgers ist eine Gesetzesänderung, die am Donnerstag im Bundestag beschlossen werden soll. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) plant für zwei Jahre einen höheren Abschlag bei den Apotheker-Honoraren, um das Milliardendefizit bei den gesetzlichen Krankenkassen abzubauen.

Pro verschriebener Arzneimittelpackung vom Antibiotikum bis zum Krebsmittel erhalten Apel und seine Kollegen drei Prozent vom Einkaufspreis sowie einen Fixbetrag von 8,10 Euro – von dem bei Kassenrezepten 1,77 Euro abgezogen werden. Dieser Abschlag soll nach dem Willen des Gesundheitsministers ab Januar 2023 für zwei Jahre auf zwei Euro steigen.

80 bis 90 Prozent seines Umsatzes machen die Kassenrezepte aus, rechnet Apel vor. „Das tut sehr deutlich weh.“

Bis zu 5000 Apotheken könnten nach seinen Angaben der Kürzung zum Opfer fallen. 33 Prozent seien schon jetzt angeschlagen, sagt Apel. Allein im ersten Halbjahr 2022 wurden 32 Apotheken in Niedersachsen geschlossen, während keine einzige neu eröffnet wurde. Innerhalb von zehn Jahren betrug der Rückgang 14 Prozent.

Wie steht es also wirklich um die sprichwörtlichen „Apothekerpreise“? Ingo Apel macht einen Vergleich mit den Versandapotheken auf. „Wir müssen ja viele Dienstleistungen anbieten, für die es keine oder wenig Vergütung gibt.“ In den stationären Apotheken gebe es eine Beratung, die auch Wechselwirkungen von Rezepten mehrerer Ärzte im Blick habe. Und die Mitarbeiter hätten ein offenes Ohr für die Nöte ihrer Kunden. Dazu komme der Notdienst, für den die Apotheker 21 Cent pro Packung erhalten. Der Patient zahlt 2,50 Euro. „Suchen Sie mal einen Handwerker oder Schlüsseldienst, der dafür nachts um drei aufmacht“, sagt Apel.

Hoffnung auf ein Einsehen der Politik hat er nicht. „Der Politik ist das egal. Die Apotheken haben keine Lobby.“ Dabei sei der Effekt der Sparmaßnahmen zu vernachlässigen. Die Apotheken seien nur für drei Prozent der Ausgaben bei den gesetzlichen Krankenversicherungen verantwortlich. Ein Streik würde den Internetapotheken nur weitere Kunden bescheren.

Auch Eva Heitmann-Leong von der Ratsapotheke und Tobias Winter von der Ebstorfer Apotheke haben sich gegen einen Streik entschieden, der auch von der Apothekerkammer genehmigt werden muss. Winter findet: „Wir sollten uns auf anderen Ebenen zur Wehr setzen. Ein Streik geht zulasten der Apotheken.“

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