Bad Bevensen: Stadtrat wehrt sich gegen Trassenverlauf bei Groß Hesebeck und Röbbel

Abgesang auf die A 39?

Die Groß Hesebecker und Röbbeler wehren sich gegen die aktuelle Autobahntrasse. Foto: ute

Bad Bevensen. Draußen, in der Musikmuschel des Kurparks, stimmten die „12 Tenöre“ zur Probe für ihren Auftritt an, machten den Soundcheck. Und ihr Einsingen mutete an wie eine Art Abgesang. Ein Abgesang nämlich auf die A 39.

Denn gleich nebenan im Kurhaus beschloss der Rat der Stadt Bad Bevensen am Donnerstagabend eine Resolution gegen die derzeit geplante Autobahntrasse. Bei einer Gegenstimme.

Der Stadtrat positioniert sich damit erstmals eindeutig gegen das Vorhaben, das in Bad Bevensen bislang mehrheitlich befürwortet wurde. Doch die Pläne, die Autobahntrasse zwischen den beiden Ortsteilen Groß Hesebeck und Röbbel hindurch zu führen und dafür auch noch einen Hausbesitzer zu enteignen (die AZ berichtete), haben die Kurstadt-Politiker zur Kehrtwende bewegt.

„Es war nicht nur eine Überraschung, sondern ein Schock“, fasste Jürgen Schliekau den Eindruck der CDU/FDP-Gruppe zusammen, als im April dieses Jahres die Straßenbaubehörde in Lüneburg für die aktuelle Planung die Karten auf den Tisch legte. Dass man die jetzige Trassenführung ablehne, betonte Schliekau, habe nichts mit der grundsätzlichen Haltung zum Bau der A 39 zu tun. „Aber wir wissen, was wir den Menschen schuldig sind.“ Das viel zitierte Schutzgut Mensche werde, so Schliekau, mit den jetzigen Plänen „mit Füßen getreten“.

SPD-Fraktionsvorsitzende Witta Alberternst sah das genauso: Wenn man die Autobahn baue, müsse der Schutz der Menschen Vorrang haben, konstatierte sie und redete energisch gegen die lauthals probenden Tenöre an: Die jetzige Situation in Groß Hesebeck und Röbbel bringe „unzumutbare Beeinträchtigungen“ mit sich.

Die Resolution war indes Wasser auf die Mühlen der Bündnisgrünen und der Wählergemeinschaft WBB, die in der Vergangenheit stets die A 39 abgelehnt hatten. Johann-Henrich Vietor (WBB) schlug vor, eine Gruppe aus Vertretern von Politik, Bürgern, Umweltverband und dem Anwalt der Stadt Bad Bevensen zu gründen, um das weitere Vorgehen miteinander abzustimmen.

Der Grüne Martin Feller begrüßte indes, dass es endlich mit der Resolution einen Beschluss gebe, mit dem man in die Lage versetzt werde, „rechtlich gegen die A 39 vorzugehen“. Welche Möglichkeiten jeder Einzelne hat – Bürger, Verbände oder Stadt – das hatte eingangs der Anwalt der Stadt, Alexander Blume, erklärt.

Für Eckhard Warnecke und Dirk Harms (beide CDU) kam die klare Positionierung der Stadt derweil viel zu spät. Die Bedenken der Bürger, so stellte der Groß Hesebecker Harms fest, seien von der Mehrheit der Politik nicht ernst genommen worden. Warnecke unterstellte seinen Ratskollegen gar, dass der Beschluss der Resolution nichts als Wahlkampf sei und verursachte damit teils tumultartige Szenen.

Auch Fragen der zahlreich erschienenen Bürger kamen in der Sitzung nicht zu kurz. Allerdings konnte der stellvertretende Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer weder zu einem Kosten-Nutzen-Faktor noch zu irgedwelchen Folgekosten, die die Autobahn verursachen könnte, etwas sagen. Man könne die Auswirkungen auf die Infrastruktur derzeit nicht definieren, sagte er.

Von Ines Bräutigam

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