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23-Jähriger aus Kreis Uelzen wegen Drogenhandels vor Gericht

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Angeklagter und Verteidiger im Gerichtssaal.
Der 23-jährige Angeklagte W. mit seinem Verteidiger Rüdiger Proest beim Prozessauftakt im Landgericht Lüneburg. W. soll in Bad Bevensen, Uelzen und Lüneburg Drogen im Wert von 40 000 Euro umgesetzt haben. © Sternitzke, Gerhard

Nachts nach elf kommt die Polizei. Die Beamten finden in der Wohnung in einem Winsener Ortsteil Marihuana, Haschisch und Amphetamine. Auch einen Teleskopschläger, einen Schlagschutzhandschuh sowie Munition beschlagnahmen die Beamten. Der Besitzer W. soll die Drogen nicht nur konsumiert, sondern auch verkauft haben. Seit gestern muss sich der 23-Jährige aus einem Dorf in Bevensen-Ebstorf deshalb vor dem Landgericht Lüneburg verantworten.

Lüneburg – Staatsanwalt Andreas Hans zählt 30 Taten auf, bei denen W. Marihuana, Haschisch und Amphetamine in Bad Bevensen, Uelzen und Lüneburg gewinnbringend verkauft haben soll, in einem Fall auch an einen Minderjährigen. Insgesamt über 40 000 Euro soll er auf diese Weise eingenommen haben.

Der Zeuge aus Bad Bevensen, heute 19 Jahre alt, kann sich vor Gericht jedoch an keine Details erinnern. Man sei befreundet, habe zusammen Marihuana geraucht. Auf Nachfrage von Staatsanwalt Hans, ob N. ihm Drogen verkauft habe, verneint der Zeuge, der ebenfalls im Visier der Ermittler war, aber wegen Minderjährigkeit zum Tatzeitpunkt freigesprochen wurde.

Auch Zeuge zwei, ebenfalls nach eigenen Angaben ein Freund des Angeklagten, kann sich an vieles nicht erinnern. Verteidiger Rüdiger Proest zieht seine Aussagen im Vorwege in Frage, denn er sei wegen einer Falschaussage bereits verurteilt. Auf Nachfrage von Richterin Silja Precht nach gemeinsamen wöchentlichen Fahrten mit einem Mietwagen nach Hamburg korrigiert er seine Aussage aus der polizeilichen Vernehmung. „Die anderen waren essen, ich war den Stoff holen“, erklärt er.

Zwei Zeugen werden vergeblich zur Aussage aufgerufen. Sie werden mit einem Bußgeld belegt. Ingesamt sind für den ersten Verhandlungstag sechs Zeugen geladen, für einen Fortsetzungstermin am 19. Januar ein weiterer. Ein dritter Termin ist für den 11. Februar angesetzt.

Der Angeklagte macht zunächst keine Aussage zu den Vorwürfen. Er berichtet jedoch, dass er mit 16 oder 17 Jahren Bekanntschaft mit Drogen macht. Die Elektriker-Lehre nach der Realschule bricht er wohl aufgrund seines Konsums ab. Zeitweise braucht er zwei bis zehn Gramm Marihuana am Tag. Die vorläufige Festnahme wegen der Drogengeschäfte ist offenbar ein heilsamer Schock. W. beendet den Konsum, übersteht auch die Entzugserscheinungen der ersten zwei Wochen.

„Seitdem merke ich, dass es vom Kopf viel besser geht – logisches Denken“, berichtet der Angeklagte, der nicht vorbestraft ist. In seiner Aussage vermittelt er einen gefestigten Eindruck. Er lebt zu Hause bei seinem Vater, arbeitet regelmäßig in dessen Betrieb. „Er hat mich aufgenommen und aufgepasst“, sagt der 23-Jährige. „Ich hatte da viel Unterstützung.“

Er war im Oktober 2020 nicht das einzige Ziel der Polizei. Im Durchsuchungsbericht ist von einer großangelegten Aktion der Polizei die Rede. Der zweite Zeuge berichtet auf Nachfrage, dass er den Stoff per Encrochat bestellte. „Ich hab’ bestellt und habe die Zeit bekommen und wo ich es bekomme“, erklärt er. Der verschlüsselte Messengerdienst mit eigenen Krypto-Handys wurde überwiegend im kriminellen Milieu genutzt.

2020 knackten französische Behörden das Netzwerk. Laut Wikipedia wurden aufgrund der Erkenntnisse 1000 Personen festgenommen. Allein das Bundeskriminalamt prüfte mehrere hunderttausend Chatverläufe und leitete Ermittlungen gegen 3000 Nutzer in Deutschland ein.

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