B4-Ausbau kein Thema mehr

Wildwest auf der Uelzener Ortsumgehung: Ein Lkw überholt auf regennasser Fahrbahn. Foto: Ph. Schulze

Uelzen/Landkreis - Von Thomas Mitzlaff . Der Ausbau der Bundesstraße 4 zu einer dreispurigen Trasse scheint endgültig vom Tisch: In der Lüneburger Landesbehörde für Straßenbau spielen entsprechende Planungen keine Rolle mehr, machte deren Leiter Dirk Möller jetzt bei einer Sitzung des Kreis-Planungsausschusses in Uelzen deutlich: "Dafür setzen wir keine personellen Ressourcen mehr ein".

Rund 14 Millionen Euro würde es nach Berechnungen der Behörde kosten, die 14 Kilometer zwischen Kirchweyhe und Bienenbüttel in eine so genannten 2+1-Straßenführung umzubauen, auf der es wechselseitig Überholspuren gibt – eine entsprechende Regelung ist auf der Uelzener Umgehungsstraße bereits vorhanden. Annette Niemann (WG Keine A39) zog die Berechnungen der Behörde in Zweifel, doch Möller betonte, dass nur Ummarkierungen der Fahrbahn nicht ausreichten und ohne die umfangreichen Umbaumaßnahmen "die Straße nicht verkehrssicher ist".

Die Planungen der Straßenbaubehörde konzentrieren sich jetzt auf den Bau der Autobahn 39, die parallel zur B4 verlaufen soll.

Wohl auf keiner Straße im Landkreis Uelzen klaffen das gefühlte Sicherheitsempfinden und die Statistik so weit auseinander wie auf der Bundesstraße4 zwischen Kirchweyhe und Lüneburg. Während Polizei und Behörden darauf verweisen, dass die Fernstraße bezüglich des Unfallgeschehens absolut "unauffällig" sei, erleben Kraftfahrer tagtäglich haarsträubende Situationen auf der mit Seitenstreifen ausgestatteten, elf Meter breiten Fernstraße. Überholmanöver trotz Gegenverkehrs sind Alltag, "und ich warte immer noch darauf, dass in eine Richtung in zweiter und in der Gegenrichtung sogar in dritter Spur überholt wird", malte Wilfried Nickel (UWG) auf der jüngsten Sitzung des Kreis-Planungsausschusses ein "Horrorszenario".

Durchschnittlich 14500 Fahrzeuge nutzen täglich Uelzens meistbefahrene Fernstraße und seit Monaten diskutiert die Politik, wie die Situation auf der überlasteten B4 entschärft werden könnte. Der Planungsausschuss vertagte sich nach rund einstündiger Diskussion einmal mehr, eine Resolution, in der das Land aufgefordert wird, sich für einen dreispurigen Ausbau mit so genannter 2+1-Verkehrsregelung einzusetzen, wurde nicht verabschiedet.

Denn ein entsprechender Umbau wäre zwar wünschenswert, ist aber angesichts des geplanten Baus der dann parallel verlaufenden Autobahn39 unrealistisch – diese mehrheitliche Meinung zeichnete sich in der Diskussion ab. "Wenn es schnell gehen und nichts kosten würde, wäre ich dafür, so aber ist das nicht bezahlbar", sagte etwa Claus-Dieter Reese (CDU). Und Hans-Jürgen Drögemüller forderte ein "Zurückrudern": Ein Ausbau der B4 "nur für ein paar Bekloppte, die wie die Irren überholen" sei nicht einzusehen, zumal vom Verkehr geplagte Ortschaften wie Jelmstorf und Tätendorf-Eppensen nichts davon hätten. "Wir sollten lieber versuchen, das Problem mit Kontrollmaßnahmen wie Blitzgeräten in den Griff zu bekommen", forderte Drögemüller und verwies auf die "desolate Haushaltslage" auch des Landkreises.

Bleibt die Frage, was eigentlich erlaubt ist und was nicht auf der Bundesstraße 4. So dürften Lastwagen eigentlich nicht auf die Seitenstreifen ausweichen, um Autos das Überholen zu erleichtern. "Da trifft die Straßenverkehrsordnung eine klare Aussage", weiß auch Bernd Hayduk, Leiter des Straßenverkehrsamtes. Dennoch hat die Verkehrswacht in Abstimmung mit Verkehrsbehörde und Polizei Schilder mit der Aufschrift "Nette Brummis machen Platz" aufgestellt. Lkw-Fahrer sollen sich also anders verhalten, als in der Fahrschule gelernt. "Die örtliche Polizei hat mir versichert, dass kein Lkw-Fahrer, der den weißen Streifen überfährt, ein Knöllchen bekommt", sagt Hayduk dazu.

Wilfried Nickel hält das für einen "rechtlich unhaltbaren Zustand, das ist keine saubere Verkehrsführung".

Erschienen: 12.11.2009: AZ / 265 / Seite:1

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare