B71 vs. B190n?

Von Holger Boden Isenhagener Land. Wird der Zubringer zur A39 durch den nördlichsten Zipfel des Landkreises Gifhorn führen – oder kommt doch noch eine andere Planung auf den Tisch? In der Altmark wird eine intensive Diskussion darüber geführt, ob nicht ein Ausbau der B71 zwischen Salzwedel und Uelzen den Neubau der B190n überflüssig machen könnte.

Die A39-Gegner und andere Bürgerinitiativen fordern das längst, und inzwischen gibt es dafür auch Unterstützung von der Salzwedeler CDU. Selbst der Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt, Karl-Heinz Daehre, hat die Variante Berichten zufolge als "diskutabel" bezeichnet.

Bisher ist geplant, dass die so genannte Querspange B 190n, die die A14 mit der A39 verbinden soll, in Niedersachsen in westlicher Richtung über die A39 hinaus von Bad Bodenteich nach Breitenhees führt, wo der Anschluss an die B191 nach Celle hergestellt werden soll. Ein Neubau, der auch durch Wälder der Gemeinde Sprakensehl führen würde.

Dort ist man nicht unglücklich über die neue Debatte aus der Altmark: Sprakensehls Bürgermeisterin Christiane Fromhagen geht davon aus, dass Bürger, die mit der B190n nicht einverstanden sind, noch den Klageweg beschreiten werden. Bei den Planern in Lüneburg habe die Gemeinde wiederholt darauf hingewiesen, "dass wir dagegen sind". Sorgen machten vor Ort die Landschaftszerschneidung und die Folgen für das Wild. Fromhagen: "Ich finde es auf jeden Fall sinnvoller, eine vorhandene Strecke auszubauen."

Die Samtgemeinde Hankensbüttel allerdings trägt nach Angaben von Samtgemeindebürgermeister Andreas Taebel die bisherige Querspangen-Variante mit. Aufgabe der Samtgemeinde sei es nun, bei der Detailplanung dafür zu sorgen, dass diese für den betroffenen Raum verträglich gestaltet wird.

Wittingens Stadtbürgermeister Karl Ridder sieht die Diskussion nach eigenem Bekunden "leidenschaftslos". Es ist wohl so: Strukturelle Impulse verspricht man sich in Wittingen in erster Linie von der A39 selbst – der Zubringer, ob nun in zehn oder 40 Kilometern Entfernung, spielt da so gut wie keine Rolle.

Das sieht die Landtagsabgeordnete Ingrid Klopp (CDU) allerdings anders: Für sie ist die Querspange auch Teil einer schnellen Anbindung der Region an Hannover. "Das bringt auch für Wittingen Vorteile", ist die Wiswedelerin überzeugt. Ein besonderes Interesse an der B190 n gebe es zudem in Celle – denn die Anbindung der Herzogstadt an die A39 könne nur über Breitenhees erfolgen.

Gleichwohl, räumt Klopp ein, hätten sich bei ihr schon Jäger aus dem Landkreis Gifhorn gemeldet, die die B190n nicht wollen. Denen sagt sie zu, sich für "genügend Durchlässe für das Wild" einsetzen zu wollen. Das sich an der Planung noch etwas ändern könnte, hält die Landespolitikerin nicht für realistisch.

Das glaubt auch die Lüneburger Chefplanerin Anette Padberg nicht: "Ich kenne dafür keine Anzeichen. Wir haben einen Planungsauftrag für die B190n West, nichts anderes." Die Realisierung des Vorhabens hänge freilich von der Finanzierung ab und werde wohl erst nach Fertigstellung der A39 erfolgen.

Der Parlamentarier Klaus Schneck (SPD), Mitglied im Verkehrsausschuss des Landes, kennt ebenfalls "keine anderen Überlegungen". Er gehe auch davon aus, dass die nun gefundene Variante einem ordentlichen Planungsverfahren entspringe, bei dem "die beste Trassenführung herauskommt".

Gegen die Vorschläge aus Salzwedel macht auch die IHK Lüneburg-Wolfsburg mobil. Diese Idee verkenne die "überragende Bedeutung" der B190n. "Solche Überlegungen lassen völlig außer Acht, dass die Querspange insbesondere im südlichen Landkreis Uelzen und im nördlichen Landkreis Gifhorn sowie für Bad Bodenteich, Wittingen und Hankensbüttel positive Effekte bewirkt", glaubt man in Lüneburg.

Beobachter in Salzwedel können sich derweil auch vorstellen, dass die B71-Diskussion spätestens im Sommer wieder verpufft – am 7. Juni ist in der Altmark Kommunalwahl.

Erschienen: 25.03.2009: IK / TZ / Seite:3

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