Autobahngegner bereiten Klagen vor

Von Holger BodenWittingen. Die Planer planen, Dorfbewohner protestieren gegen Tankstellen und Abfahrten und Politiker hoffen auf recht perspektivlose Umgehungsstraßen – in der A-39-Diskussion ist nach wie vor jede Menge Musik. Doch was machen eigentlich die Autobahngegner im Isenhagener Land?

Es ist ruhig geworden um die Bürgerinitiative (BI) vor Ort und ihren Sprecher, den Rader Uwe Bilau. Die BI hat jedoch keineswegs ihre Arbeit eingestellt. "Im Moment agieren wir mehr im Hintergrund", sagt Gabriele Vorhof-Bilau, die Ehefrau des Sprechers. "Wir sind dabei, die Klagen vorzubereiten." Die großen Argumente sind ja im Prinzip auch alle ausgetauscht. Warum sollte die BI also wöchentlich oder monatlich das Mantra von der "Nonsens-Autobahn" unters Volk bringen? An der Hauptmotivation der A 39-Gegner hat sich nichts geändert: Erhalt des "schönen ruhigen Nordkreises mit seiner Lebensqualität" (Bilau), Befürchtungen hinsichtlich Lärm und Kriminalität, Zweifel an der Notwendigkeit der neuen Verkehrsachse. Neue Arbeitsplätze? "Daran glauben wir nicht", sagt der BI-Sprecher.

Nun also die Bündelung der Kräfte für die juristische Auseinandersetzung. Wenn der Planfeststellungsbeschluss vorliegt, 2013 oder 2014, dann wollen (und müssen) die Bürgerinitiativen entlang der Strecke schnell reagieren. Im Isenhagener Land arbeitet nach Bilaus Angaben ein harter Kern von zehn Leuten aktiv mit, bei Veranstaltungen hat man schon mal 120 Zuhörer begrüßen können.

Nimmt man das Ehepaar Bilau zum Maßstab, dann herrscht bei den Autobahn-Gegnern im Nordkreis eine Mischung aus echter Zuversicht hinsichtlich des Klageverfahrens einerseits und diversen Hoffnungen auf politische Entwicklungen andererseits. Vorhof-Bilau sieht vor Gericht "gute Chancen", schließlich habe es schon "einige Verfahrensfehler" gegeben.

Der Rader verfolgt die aktuelle Diskussion über Tankstellen und Abfahrten mit einem gewissen Bedauern: "Viele erkennen erst jetzt, was das Projekt bedeutet." Dennoch befasst man sich auch bei der BI mit den aktuellen Details. Eine Tank- und Rastanlage (TuR) werde kaum 20 Vollzeitstellen bringen, glaubt Bilau: Gegenrechnen müsse man auch die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe, die seiner Einschätzung nach wegen zu kleiner Betriebsgrößen in die Pleite rutschen werden.

In Sachen Lärm stelle sich die Frage, ob "sich alle Menschen an die Grenzwerte halten und erst dann krank werden, wenn diese Werte überschritten werden". Das Anfahren an Auffahrten bewirke zudem "eine besondere Qualität, die weit über das normale Vorbeifahren hinausgeht".

In der Kriminalitätsfrage schließt sich der BI-Sprecher ebenfalls der Eutzener Kritik an – und verweist auf Erfahrungen mit Serieneinbrüchen im Bereich der Auffahrten zur A2 im Raum Gifhorn/Braunschweig.

Erschienen: 02.02.2010: AZ / 27 / Seite:8

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