Jeden Tag eine große Herausforderung

Ambulante Pflege in der Pandemie: Die Sorge fährt mit zum Klienten

Das Schild „Mobiler Pflegedienst im Einsatz“ liegt hinter der Windschutzscheibe eines Autos.
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Ambulante Pflegedienste leisten in der Corona-Zeit einen wertvollen Beitrag, die gefährdetsten Menschen der Gesellschaft zu versorgen und zu schützen.
  • Lars Becker
    vonLars Becker
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Wie das Personal in Kliniken, Alten- und Pflegeheimen leisten die Mitarbeiter in der ambulanten wie in der Tagespflege einen wertvollen, aber auch riskanten Beitrag zur Versorgung vieler Risikopatienten

Uelzen – Stefanie Niebuhr aus Uelzen arbeitet als Pflegefachkraft in der ambulanten Pflege. Sie betont mit Blick auf die Corona-Pandemie und die Entwicklung des Infektionsgeschehens im Landkreis Uelzen, aber eben auch mit Blick auf ihren Beruf: „Natürlich schwingt ein Stück weit die Angst bei der Arbeit mit. Wir alle, die wir diesen Job machen, hoffen, dass wir jeden Tag wieder gesund nach Hause kommen, uns nicht selbst und niemand anderen anstecken.“

Noch sind die Beschäftigten in der ambulanten Pflege nicht geimpft worden. „Aber der Landkreis ist dran und hat zumindest schon abgefragt, wer sich impfen lassen möchte. Ich hoffe, dass wir für den März Impftermine bekommen“, so Niebuhr, die großes Verständnis dafür hat, dass in einem ersten Schritt die Ärzte und das Pflegepersonal in den Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen geimpft werden. „Diese Leute arbeiten an der Basis, ja quasi an der Front und leisten dort den allergrößten Job. Sie zuerst zu impfen, ist absolut gerechtfertigt.“

Auf covid-19-positive Klienten eingestellt

Aber Stefanie Niebuhr weiß auch um die Gefahr, die in ihrer Branche mitschwingt. Zwar arbeitet sie schon seit Beginn der Pandemie immer mit FFP2-Maske und längst sind auch in ihrem Betrieb tägliche Schnelltests vor Arbeitsbeginn Standard. Seit Oktober galt schon eine gesetzliche Verpflichtung von zwei Tests wöchentlich. „Wir selbst haben Maßnahmen ergriffen und haben tatsächlich gut funktionierende Hygienekonzepte. Wir sind in Sachen Corona hochsensibilisiert und natürlich ein Stück weit auch darauf eingestellt, dass wir covid-19-positive Klienten zu betreuen haben. Dass symptomfreie Patienten beispielsweise aus dem Krankenhaus wieder nach Hause dürfen, ist absolut verständlich“, so die Pflegefachkraft.

Was aber notwendig sei, sei dann ein schneller wie lückenloser Informationsfluss zum ambulanten Dienst. „Wenn ein Klient ein positives Testergebnis mitgeteilt bekommt, dann waren wir vielleicht kurz vorher schon zur Pflege dort und fahren weiter in den nächsten Haushalt. Aber hatte der- oder diejenige dann bei der Arbeit einen Vollschutz an? Und es ist vorgekommen, dass Klienten von uns wieder zu Hause waren, uns darüber aber erst später selbst oder über Angehörige informiert haben. Nach meinem Kenntnisstand ist diesbezüglich leider nicht immer alles so transparent wie möglich kommuniziert worden“, so Stefanie Niebuhr.

Hinter vorgehaltener Hand oder in den sozialen Medien werde viel getuschelt, gemutmaßt oder unterstellt. „Das schafft kein Vertrauen der Bevölkerung in die Verantwortlichen.“ Insofern sei es ein wichtiger Schritt, dass im Rahmen einer Besprechung von Krankenhäusern sowie Pflegediensten beschlossen worden sei, einen Informationsbogen zu entwickeln, in dem es auch um die Frage gehen soll, ob und in welchem Umfang ein Patient von welchem ambulanten Pflegedienst oder aber auch in einer Tagespflegeeinrichtung betreut wird. „Wir brauchen einfach diese Informationen, damit niemand durchs Raster fällt. Es ist gut, dass man versucht, hier konstruktiv Möglichkeiten zur Verbesserung zu finden.“

Verantwortungsvoll und unverzichtbar

Allen Beschäftigten in den Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern müsse großer Dank dafür gelten, „dass wir uns in Stadt und Landkreis Uelzen bis Mitte Januar glücklich schätzen durften, eine der konstant niedrigsten Inzidenzen bundesweit vermelden zu können.“

Aber eben auch ambulante Dienste sowie Tagespflegeeinrichtungen, die ebenso einen großen Teil dazu beigetragen hätten und auch noch immer beitragen würden, die gefährdetsten Menschen der Gesellschaft zu schützen und gleichzeitig deren medizinische und pflegerische Versorgung zu gewährleisten, hätten jene Anerkennung verdient. „Die Alten- und Krankenpflege ist zwar aktuell fast in aller Munde – aber wer möchte diese Arbeit machen? Wir haben leider kein vernünftiges Ansehen. Dabei ist diese Aufgabe verantwortungsvoll und unverzichtbar“, so Stefanie Niebuhr.

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