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Aktuell 129 Ukrainer im Transfercamp - KGS-Halle doch noch länger nutzbar

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Von: Lars Becker, Lars Lohmann

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Die ehemalige BGS-Kaserne in Bad Bodenteich: Aufs eingezäunte und bewachte Gelände darf beispielsweise nur, wer sich eine Corona-Schutzimpfung abholt. Schon bald sollen hier vor allem Ukrainer unterkommen - bis zu 600, so das Land.
Die ehemalige BGS-Kaserne in Bad Bodenteich: Hier sind aktuell 129 Vertriebene aus der Ukraine untergebracht. © Lars Becker

Während die Nutzung der Kaserne in Bad Bodenteich durch das Land als Tranfercamp für Flüchtlinge aus der Ukraine gut angelaufen ist, haben auch die Kommunen im Landkreis Uelzen etwas Luft: Die alte KGS-Halle kann einen Monat länger als Notunterkunft dienen.

Seit eineinhalb Wochen wird nun die ehemalige Kaserne des Bundesgrenzschutzes in Bad Bodenteich von der Landesaufnahmebehörde (LAB) Niedersachsen als Transfercamp für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine genutzt. „Der Betrieb läuft planmäßig. An Stellen, an denen Handlungsbedarf bestand, konnte kurzfristig nachgebessert werden. So wurde beispielsweise das Küchenpersonal weiter aufgestockt“, sagt Hannah Hintze, Stabsstellenleiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der LAB, im AZ-Gespräch.

Derzeit seien 129 Personen in der Unterkunft an der Stadenser Straße untergebracht. „Dabei handelt es sich überwiegend um Familien beziehungsweise Frauen mit Kindern“, so Hintze. Am Donnerstag hätten die ersten 150 Personen die Unterkunft bereits wieder verlassen können. Und am gestrigen Freitag seien 75 weitere Personen in andere niedersächsische Kommunen abgereist.

Belegung pendelt sich bei 275 Personen ein

„In den nächsten Tagen werden Vertriebene aus dem Drehkreuz Laatzen in Bad Bodenteich aufgenommen, sodass wieder eine Belegung von circa 275 Personen erreicht wird“, erläutert sie. Bei dieser Zahl soll sich die Belegung auch in der kommenden Woche weiterhin einpendeln.

Derweil haben die Hansestadt Uelzen, die Gemeinde Bienenbüttel sowie die Samtgemeinden Aue, Bevensen-Ebstorf, Rosche und Suderburg einen Monat länger Zeit, eine Ersatz-Notunterkunft zu finden. Denn die alte KGS-Sporthalle in Bevensen, die abgerissen werden soll, steht jetzt bis zum 31. Oktober zur Unterbringung von Vertriebenen aus der Ukraine zur Verfügung. Darauf haben sich die Kommunen mit dem Landkreis Uelzen verständigt.

Suche auf Bevensen und Uelzen eingeengt

„Wir sind froh, dass der Landkreis das möglich macht. Es ist eine Entlastung für uns“, sagt Bevensen-Ebstorfs Samtgemeindebürgermeister Martin Feller. Denn die Suche nach einer geeigneten Unterkunft sei zwar inzwischen auf Bad Bevensen und Uelzen eingeengt und man habe dort einige Immobilien im Blick, aber es gebe eben noch keine endgültige Lösung.

Zurzeit befinden sich laut dem Verwaltungschef 56 Geflüchtete in der Notunterkunft. Für die nächsten Wochen sind jeweils 25 Flüchtlinge angekündigt, die untergebracht werden müssen. Hauptproblem bleibt dabei die Suche nach geeigneten Mietwohnungen. „Privater Wohnraum ist immer besser als eine zentrale Unterbringung, weil es die Integration leichter möglich macht“, sagt Feller.

71 der 72 Plätze in Bevenser Pension belegt

Bei einer maximalen Kapazität der KGS-Halle von 125 Personen reicht diese noch für knapp drei Wochen. Spätestens dann müssten 25 Flüchtlinge eine neue Bleibe gefunden haben, ansonsten gibt es dort keinen Platz mehr. Durch die lange Verweildauer entstünden auch schwierige Situationen. „Eine Notunterkunft ist eigentlich nur für ein paar Tage gedacht“, sagt Feller.

Um Abhilfe zu schaffen, hatten die Kommunen die Pension Sabine in Bad Bevensen angemietet. Dort können seit dem 1. September bis zu 72 Personen untergebracht werden. In dem Gebäude sind laut Feller zurzeit 71 aus der Ukraine Geflüchtete untergebracht. Die Kapazität ist auch hier fast komplett ausgereizt.

Ehemalige Altenheime, Hotels oder Pensionen denkbar

„Wir werden wohl nicht darum herum kommen, weitere Großimmobilien anzumieten“, erklärt Feller. Bei solchen Immobilien könne es sich um ehemalige Altenheime, Hotels oder Pensionen handeln. „Wir schauen uns jede Immobilie an, die als Wohnraum geeignet ist“, sagt er.

Hauptproblem ist, wie auch bei der Suche nach der neuen Notunterkunft auch hier der Brandschutz. Und das, obwohl die Anforderungen bereits vom Gesetzgeber heruntergeschraubt worden sind. „Die Prüfungen ziehen sich trotz der Vereinfachungen länger hin als erwartet. Beim Brandschutz haben wir eine Verantwortung, der wir auch gerecht werden müssen“, sagt Feller.

Bessere Infrastruktur als in Laatzen

Wichtig für die Anrechnung von Kapazitäten auf die Aufnahmeverpflichtung der Kommunen nach dem niedersächsischen Aufnahmegesetz: Laut Hannah Hintze wird der Standort Bad Bodenteich „selbstverständlich bei der kommenden Neufestsetzung des Verteilkontingents berücksichtigt. Eine Anrechnung auf die Aufnahmeverpflichtung des Landkreises Uelzen erfolgt“, so die Sprecherin.

Was die Vertreter von Landesaufnahmebehörde (LAB) Niedersachsen und Innenministerium bei der Bürger-Informationsveranstaltung in der Grundschule Bad Bodenteich angedeutet hatten, hat sich bereits in den ersten eineinhalb Wochen der Nutzung der alten BGS-Kaserne im Kurort bestätigt: Die Vertriebenen aus der Ukraine fühlen sich dort sehr viel wohler als etwa in den notdürftig hergerichteten Hallen des Drehkreuzes in Laatzen.

Erdgeschosse von fünf Gebäuden genutzt

„Die Menschen nehmen die Unterkunft in Bad Bodenteich gut an und schätzen besonders die Versorgung vor Ort. Die Abreisenden am Donnerstag haben sich insbesondere auch noch einmal beim Küchenpersonal bedankt“, berichtet LAB-Sprecherin Hannah Hintze gestern im Gespräch mit der AZ.

Die intakte Infrastruktur der ehemaligen Kaserne war schon im Vorfeld der Belegung mit zunächst nicht mehr als 300 Personen als Standortvorteil beschrieben worden. „Die Unterbringung der Menschen aus der Ukraine erfolgt in den Erdgeschossen von fünf Gebäuden. Die Küche und die Krankenstation werden für die Versorgung der Bewohnerinnen genutzt“, gewährt Hannah Hintze einen Einblick.

AZ blickt bald hinter die Kulissen

Mit der AZ-Redaktion haben LAB und der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) übrigens einen Besuch der Örtlichkeit verabredet. Dieser findet statt, sobald sich die Abläufe im Transfercamp eingespielt haben. Zur Erinnerung: Fast täglich kommen weitere Vertriebene an, während andere auf ihre Zielkommunen im Land verteilt werden und Bad Bodenteich wieder verlassen. „Derzeit werden auch keine Spenden benötigt, da sich die Personen nur sehr kurz in der Einrichtung aufhalten. Das Thema behalten wir aber im Blick“, so Hintze.

Sie berichtet, dass das Wachgebäude durch den Sicherheitsdienst besetzt sei. „Derzeit werden neben den regulären Sanitärbereichen und den -containern auch die Sanitärbereiche in der Sporthalle zur Verfügung gestellt, um ein größtmögliches Angebot für die Körperhygiene machen zu können“, erläutert die LAB-Sprecherin.

Zusammenarbeit mit DRK „gut und vertrauensvoll“

Sie bezeichnet die Zusammenarbeit mit dem DRK-Kreisverband Uelzen als „gut und vertrauensvoll“. Landesaufnahmebehörde und DRK pflegten einen engen Austausch, sodass sich die Prozesse in der ersten Phase der Reaktivierung bereits „gut eingespielt“ hätten.

Bei der Informationsveranstaltung für die Bürger in Bad Bodenteich hatte Landrat Dr. Heiko Blume erklärt, dass er auch mit den Polizeibehörden im Austausch darüber stehe, inwieweit eine Präsenz vor Ort erforderlich sei.

Polizei (noch) nicht ständig präsent

Auf dieses Thema angesprochen sagt Hannah Hintze: „Die Polizei ist derzeit noch nicht in Büroräumlichkeiten auf dem Gelände eingezogen. Sowohl die Landesaufnahmebehörde als auch die Camp-Leitung des DRK stehen im engen Austausch mit der Polizei. Es wird gemeinsam entschieden, ob und wann mögliche Räumlichkeiten bezogen werden. Falls die Polizei die für eine Vernehmung oder Gefährderansprachen benötigen sollte, stehen diese zur Verfügung. Es gab bisher allerdings noch keinen Anlass, dass die Räumlichkeiten hätten genutzt werden müssen.“

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