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Ärzte-Kritik am Landkreis: Impftermine zu wenig kommuniziert?

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Von: Lars Becker

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Corona-Impfung
Die Zahl der Corona-Impfungen ist im Landkreis stark rückläufig. Die Impfärzte sehen einen Grund in mangelnder Kommunikation, was der Kreis zurückweist. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Die an der Corona-Impfkampagne im Landkreis Uelzen beteilgten Ärzte bemängeln angesichts des Rückgangs der Zahl der Impfungen die Kommunikation der entsprechenden Angebote seitens der Kreisverwaltung. Die weist die Kritik zurück und erklärt, es handele sich ohnehin um ein ergänzendes Impfangebot zu dem in Arztpraxen.

Uelzen/Landkreis – „Wir sind mit der Impfpolitik des Landkreises unzufrieden. Wir fühlen uns nicht gehört.“ Das sagt Dr. Johann Henrich Vietor. Der Allgemeinmediziner im Ruhestand aus Bad Bevensen gehört zum Kreis der Corona-Impfärzte, die mit den Mobilen Impfteams des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Landkreis unterwegs sowie in der Zentralen Impfstation in der Celler Straße 3 in Uelzen im Einsatz sind. Für sie spricht er nach eigenen Angaben stellvertretend. Die Impfärzte störe es, dass der Landkreis die Impftermine ausschließlich auf seiner Internetseite veröffentliche.

„Wir versuchen ja, die letzten Reserven der Ungeimpften zu erwischen, erleben aber einen deutlichen Rückgang. Mal führt ein Team nur 15 bis 20 Impfungen durch, teilweise aber auch keine einzige. Was das auch kostet, wenn etwa in der Impfstation insgesamt bis zu drei Ärzte und zwölf Sanitäter sind“, so Dr. Vietor. Von der AZ wünschten sich die Ärzte die Rückkehr zur Veröffentlichung der täglichen Impfangebote auf der Titelseite der Printausgabe in der Rubrik „Corona aktuell“ – sie erfolgt ab heute wieder.

Schwerer erreichbare Zielgruppen im Blick

Auf die Frage, ob der Landkreis Verständnis für die Kritik der Impfärzte um Dr. Vietor habe, hieß es am Donnerstag aus dem Kreishaus: „Der Landkreis Uelzen nutzt alle ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und Informationskanäle, um die Impfbereitschaft zu fördern. Der Landkreis hat zudem auch schwieriger erreichbare Zielgruppen wie Flüchtlinge oder Obdachlose im Blick, die diese Informationskanäle erfahrungsgemäß weniger nutzen können. Diese Menschen werden direkt angesprochen – zum Beispiel durch Aushang der Impfangebote in den Unterkünften oder durch direkte Ansprache an bekannten Treffpunkten.“

Die Kommunikation der Impfangebote, die ohnehin nur ein ergänzendes Angebot zur Unterstützung des niedergelassenen Bereiches darstellten, habe sich bewährt. „Geringe Quoten liegen nicht an der Sichtbarkeit der Termine. Zusätzlich zur Homepage des Landkreises veröffentlicht auch das DRK die Termine mit hoher Reichweite. Grundsätzlich lassen sich die Angebote zudem über das Terminvergabeportal des Landes sowohl im Internet als auch telefonisch vorab buchen.

Daneben wird das Impfangebot mit einer mehrsprachigen Plakat-Aktion in Supermärkten etc. beworben und Sonderaktionen pointiert zusätzlich mittels Pressemitteilungen und Social Media öffentlich kommuniziert. Insofern steht ein breites Spektrum der Informationsversorgung und -beschaffung zur Verfügung.“

Haltbarkeit abgelaufen: Weitere Impfdosen vernichtet

Die nachlassende Impfbereitschaft sei kein spezifisches Problem im Landkreis, sondern landes- und bundesweit zu beobachten, und hänge mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Corona-Thematik zusammen. „Neben dem regelmäßigen Terminangebot in der Zentralen Impfstation gibt es fortlaufend niedrigschwellige Impfangebote“, so der Kreis in einer Stellungnahme.

Zur Einordnung: Im Monat Mai wurden laut Landkreis durch die mobilen Impfteams und in der Zentralen Impfstation 1043 Impfungen gegen das Coronavirus vorgenommen. Im März waren noch 2967 Injektionen gesetzt worden, im April 1548.

Seit dem AZ-Bericht über vernichtete Impfstoff-Dosen im Februar, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen war, hätten weitere 530 Impfdosen für Erwachsene und 354 für Kinder vernichtet werden müssen. Das Mietverhältnis für die Impfstation in der Celler Straße bestehe noch bis Ende September, so der Kreis. Das dortige Angebot werde „zu gegebener Zeit einer erneuten Bedarfsprüfung unterzogen“.

Teststellen lassen Vertrag auslaufen

Neben der Zahl der Impfungen geht auch die der Corona-Testungen zurück. Dazu passt, dass laut Landkreis vier Teststellen „die vertragliche Vereinbarung nicht über den 31. Mai hinaus verlängert“ haben. Drei Stationen hätten geschlossen.

„Aktuell besteht für 26 Teststellen eine fortgesetzte Akkreditierung. 21 zusätzliche Teststellen sind als Arztpraxis, Zahnarztpraxis oder Apotheke berechtigt, Testungen durchzuführen.“ Damit stünden insgesamt 47 Teststellen für Bürgertestungen zur Verfügung. Die maximale Anzahl an Teststationen habe im April 2022 bei 49 Teststationen gelegen.

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