Abenteuer in luftiger Höhe

Bauleiter und Architekt der Klosterkammer: Reinhard Benhöfer.

Ebstorf. Mit dem Architekten der Klosterkammer Hannover bin ich auf dem Kirchplatz in Ebstorf verabredet. Der Grund dafür: Der Dachreiter für die Glocken des Klosters Ebstorf auf dem Dach der Klosterkirche, wird neu montiert.

Schon von weitem sehe ich, das sich ein großer Kran unmittelbar vor der Klosterkirche aufgebaut hat. Wie kommt der nur in diese Enge rein?, frage ich mich. Auf dem Kirchplatz werde ich schon von Architekt Reinhard Benhöfer und Äbtissin Erika Krüger erwartet. Gespannt sehen sie dem Schauspiel zu. Material wird vom Kran hoch auf das Gerüst auf dem Dach der Klosterkirche gehievt. „Im Dachreiter sind seit Jahrhunderten die Glocken des Klosters Ebstorf montiert“, erklärt Benhöfer. Der Dachreiter ist geschätzte 150 Jahre alt und „abgängig“ wie es im Handwerkerjargon heißt. Beim Läuten der Glocken schwang der Dachreiter mit, auch bei Sturm konnte man Bewegungen sehen. Zwei Glocken sind unter dem Dach (siehe Infokasten). Genau lässt es sich nicht recherchieren, aus welchem Jahr das Dach stammt. „Anhand der Verarbeitung konnten wir nur das ungefähre Alter feststellen“, sagt Benhöfer.

Aber mit einem Blick von unten nach oben gebe ich mich nicht zufrieden. Ich möchte die Arbeiten aus nächster Nähe betrachten. Und so fahre ich nach oben. Mit jedem Meter, den ich weiter nach oben komme, bekomme ich das Dach der Klosterkirche, den Kirchturm und auch den Klosterflecken aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen. Und vor allem: Hier oben ist es ziemlich windig. Das hält mich aber nicht davon ab, weiter in Geschichte und Moderne des Klosters einzutauchen. Es klopft und hämmert und ich bin gespannt, was mich erwartet. Als erstes mache ich mit dem Gewölbe der Klosterkirche Bekanntschaft. Was von unten schön weiß und mit roten Klinkern zu sehen ist, sieht von oben unspektakulär grau aus. Allerdings lässt sich erahnen, wie perfekt die Baumeister der Kirche gearbeitet haben und welches unglaubliche Wissen sie zu damaligen Zeiten gehabt haben müssen. Ich steige weiter über zwei Leitern und stehe kurz unter dem Dachfirst. Kurz über mir die Handwerker – und es ist ziemich eng. Ich kann nur erahnen, wie kompliziert es war, den zwei Tonnen schweren Dachreiter millimetergenau zu platzieren. Reinhard Benhöfer erklärt mir, dass es eine besondere Herausforderung war, das Gerüst unterm Dach so zu bauen und zu konstruieren, dass es der Konstruktion des Glockenreiters nicht im Wege steht. Zwei jeweils sieben Meter lange Pfetten aus Nadelholz stabilisieren das Ganze. Der Glockenreiter selbst ist aus Eichenholz, erklärt mit Benhöfer.

Der Grundriss des Glockenreiters ist übrigens 4,25 mal 1,95 Meter, von der Traufe bis zum First misst er 1,08 Meter. Noch glänzt das Kupferdach.

Leider wurden die Glocken gestern noch nicht aufgehängt. Sie sind zur Reparatur und werden in einem extra Arbeitsgang aufgehängt. Dann werden sie übrigens nicht mehr von Hand geläutet.

„Es ist schon eine besondere Kunst, die Klosterglocken von Hand zu läuten. Das hat entweder unser Hausmeister Klaus Meierhoff oder ein anderer geschulter Mitarbeiter von uns gemacht“, erklärt Äbtissin Erika Krüger.

Kurz bevor ich nach unten gehe, genieße ich den Blick über Ebstorf. Rote Dächer und Wald, in der Ferne landet gerade der Rettungshubschrauber. Auch die Kirchturmuhr sieht von oben ganz anders aus als von unten. Es ist übrigens kurz vor halb elf...

Von Meike Bornemann

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