A-39-Gutachten sieht für Landkreis Effekte bei Bevölkerungszahlen / IHK investierte 50 000 Euro

Nicht durchsichtig: Das A-39-Gutachten

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Nicht wirklich durchsichtig: Das A-39-Gutachten für den Landkreis Uelzen.

Uelzen/Lüneburg. Der Titel des Gutachtens sagt es bereits: Das 105 Seiten starke Werk, das die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg in Auftrag gegeben hat und das nun vorgestellt wurde, will Potenziale der Region im Zusammenhang mit dem Bau der umstrittenen Trasse benennen.

Speziell für den Landkreis Uelzen seien, so ist dem Gutachten zu entnehmen, positive Effekte bei den Einwohnerzahlen zu erwarten.

Noch gebe es im Vergleich zu umliegenden Landkreisen mit 32,9 Prozent einen geringeren Anteil von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die im Landkreis Uelzen leben würden und zur Arbeit pendelten. „Es ist anzunehmen, dass sich dieser Anteil der Auspendler in Uelzen mit dem Lückenschluss erhöht, da weiter entfernt liegende Arbeitsplätze besser bzw. schneller erreicht werden können, womit auch die Attraktivität des Landkreises als Wohnort zunimmt.“ Folglich dürfe der Lückenschluss den Rückgang der Wohnbevölkerung im Landkreis Uelzen dämpfen.

Die Formulierungen sind mit Vorsicht gewählt. Es wird etwas „angenommen“, „erwartet“, mit etwas „gerechnet“. Ein Beweis, dass sich diese Entwicklung einstellen wird, bleibt das Gutachten schuldig. Die Schweizer Verfasser räumen dies – in Bezug auf all ihre Ergebnisse – auch ein: „Aus Gründen der sehr vielfältigen und bisher wissenschaftlichen mehr oder minder indifferenten multikausalen Wirkungszusammenhänge zwischen (über-)regionalen Straßenbauprojekten und ihrer ökonomischen Effekte werden in diesem Gutachten keine tiefgreifenden quantitativen Wirkungsanalysen durchgeführt“, heißt es gleich auf den ersten Seiten des Gutachtens.

Was das Gutachten nicht hergibt, sieht der Auftraggeber indes als Argumentationsgrundlage für den Bau der Autobahn – denn, wie Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der IHK, auf Nachfrage erklärt, ließen sich mit dem Gutachten „jetzt die wirtschaftlichen Vorteile eindeutig belegen“. Die IHK hat sich diesen „Beleg“ auch etwas kosten lassen. Wie Zeinert mitteilt, seien für das Gutachten 50 000 Euro gezahlt worden. Die Mittel dafür seien aus der sogenannten Infrastrukturrücklage der IHK entnommen worden, mit der seit 2013 im Auftrag der IHK-Vollversammlung wichtige Projekte der Region angestoßen und begleitet würden.

Aus Sicht der Autobahngegner war das Gutachten eine Geldverschwendung. Der Dachverband der Bürgerinitiativen gegen die Autobahn, „Keine A39“, findet das Werk „lächerlich“ und „ärgerlich“ zugleich, weil sich in ihm Halbwahrheiten und unseriöse Behauptungen mit einander mischen würden, heißt es in einer Pressemitteilung. Letztlich sei das von der IHK in Auftrag gegebene Gutachten damit nicht geeignet, eine sachbezogene Diskussion zur Autobahn zu führen.

Von Norman Reuter

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