A 39-Ausgleich in großer Ferne?

Am Jönsbeck: Dr. Joachim Rutschke (3.v.l.) und Friederike Franke studieren mit Behörden- und Verbandsvertretern die Detailkarte im Autobahn-Erwartungsland.

Isenhagener Land. Diverse Mücken und Bremsen fielen gestern der Planung für die A39 zum Opfer. Die Insekten machten sich beim Ortstermin an Biotopen nahe Eutzen und Knesebeck äußerst unbeliebt bei den Teilnehmern. Vertreter von Naturschutzverbänden, Planungsbüros und Behörden erörterten nach einer Diskussionsrunde im Hankensbütteler Otter-Zentrum am Jönsbeck und am Isebeck darüber, welche Ausgleichsmaßnahmen es für den Eingriff in die Natur, den der Autobahnbau darstellt, geben kann.

Eingeladen hatte die Naturschutz-Koordinierungsstelle KONU. Im Mittelpunkt stand ein Konzept, das Dr. Stephan Löb von der Regierungsvertretung Lüneburg vorstellte: "Großräumige Kompensation für die A39". Dies bedeutet, dass nicht jedes von der Autobahn vernichtete Naturgut in unmittelbarer Nähe kompensiert werden muss. Denkbar sind vielmehr auch Ausgleichsmaßnahmen in weit entfernten Bereichen des betroffenen Landkreises.

Heftige Kritik an diesem Konzept übten Vertreter des NABU, die das Gespräch am Bach zu einer Meinungsbekundung mit Plakaten gegen die A39 nutzten. "Wir wollen Ausgleichsmaßnahmen vor Ort und keine Großkompensation", sagte Jan-Hinnerk Schwarz vom NABU-Landesverband.

Schwarz kritisierte ferner, dass für viele Arten im bisherigen Verfahren noch kein Kompensationsmodell präsentiert worden sei, und dass man den NABU bisher unzureichend beteiligt habe. "Ich bin heute als Vertreter des NABU-Landesverbandes ausgeladen worden", monierte Schwarz. "Nein, Du bist gar nicht eingeladen gewesen", entgegnete KONU-Geschäftsführerin Friedrike Franke. Dicke Luft an einem schwülen Nachmittag.

Das Treffen offenbarte denn auch überraschend gegensätzliche Positionen unter den Naturschützern. Während man seitens des NABU - unter dessen Vertretern gestern auch der ehemalige BI-Pressesprecher Eckehard Niemann war - auf komplette Ablehnung der A39 setzt, formulierte die KONU-Geschäftsführerin es so: "Natürlich ist der Autobahnbau aus Sicht des Naturschutzes als GAU für den recht naturnah belassenen Landkreis Gifhorn zu bewerten. Wenn der Straßenbau aber nicht mehr zu verhindern ist, müssen wir die Chance nutzen, um das Beste für den Naturschutz herauszuholen."

In die gleiche Kerbe schlug Dr. Joachim Rutschke von der Aktion Fischotterschutz, der sich autobahnkritisch zeigte, aber gleichzeitig betonte, dass es beim Ortstermin nicht um eine Grundsatzdiskussion gehe, sondern darum, beispielhaft Probleme aufzuzeigen.

So ging es am Isebeck/Scharfenbrücker Bach zwischen Glüsingen und Eutzen um einen von der A39 gefährdeten Pestwurzbestand und die Frage, ob das begradigte Gewässer als Ausgleichsmaßnahme vielleicht renaturiert werden könnte. Im Bornbruchsmoor zwischen Knesebeck und der Teststrecke, das von der geplanten Autobahn tangiert wird, verwies Rutschke auf die "interessante Flora" mit den Schmetterlingsarten Kaisermantel, Trauermantel und Blutströpfchen.

Weiter Richtung Süden liegt an der Trasse einer der drei möglichen Standorte einer Tank- und Rastanlage. Doch der stellvertretende Leiter der Wolfenbütteler Straßenbaubehörde hatte für die Naturschützer noch keine neuen Informationen zum endgültigen Standort. Voraussichtlich soll nun nach den Ferien entschieden werden, wo man sich künftig Mücken und Bremsen von der Windschutzscheibe kratzen kann.

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