Sparen bei Schwimmbädern: Politik in Bevensen-Ebstorf rudert in verschiedene Richtungen

„25 000 Euro sind ein Witz“

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In unsicheren Bahnen: Wie geht es weiter mit den Schwimmbädern der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf? Angesichts mehr als 700 000 Euro Defizit müssen einschneidende Entscheidungen getroffen werden – Öffnungszeiten werden nicht reichen.

Bad Bevensen/Ebstorf. Die Fraktionen im Samtgemeinderat Bevensen-Ebstorf schwimmen in unterschiedliche Richtungen – und das ausgerechnet beim Thema Bäder.

Denn während Heiko Senking, Fraktionsvorsitzender der unabhängigen Wählergruppen UWE und FBE, die beschlossenen Änderungen der Öffnungszeiten nicht weit genug gehen, rudern CDU und FPD zurück. Gestern hat deren Fraktionsvorsitzender einen Antrag bei der Verwaltung eingereicht, der die zum 1. Januar 2013 in Kraft getretenen Regelungen für das Bad Bevenser Rosenbad und das Ebstorfer Waldemar wieder kippen soll.

„Und war das einfach zu unübersichtlich“, begründet CDU/FDP-Fraktionsvorsitzender Werner Marquard den neuen Anlauf der Politiker gerade einmal acht Wochen, nachdem die neuen Öffnungszeiten am Ebstorfer Waldemar praktiziert werden. Seit Anfang des Jahres können Besucher der Bäder der Samtgemeinde erst ab 10 Uhr in das kühle Nass springen – ganz zum Leid der Frühschwimmer, denn sie waren es bisher gewöhnt, wochentags zum Teil von sechs Uhr an ihre Bahnen zu ziehen (die AZ berichtete). Der CDU/FDP-Antrag, der am Mittwoch im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen zur Sprache kommen wird, sieht vor die Bäder morgens von 6 bis 8 Uhr zu öffnen und dann wieder von 13 bis 19 Uhr. „Das sind die Kernzeiten der Schwimmer“, sagt Marquard und macht damit zugleich deutlich, warum ihm die gerade eingeführten Zeiten, die durch Fachausschuss und Rat abgesegnet worden waren, doch nicht passen. Sparen wollen FDP und CDU durch die Schließung über die Mittagszeit, „wenn eh kaum jemand kommt“.

Rund 25 000 Euro Personalkosten möchte die Samtgemeinde nach zähen und monatelangen Diskussionen durch die eingeführten, verkürzten Öffnungszeiten einsparen – angesichts eines jährlichen Defizits von mehr als 700 000 Euro Defizit ein Tropfen auf den heißen Stein. Heiko Senking (UWE) sträuben sich beim Blick auf diese Zahlen die Nackenhaare: „Für den nächsten Haushalt müssen wir da gravierende Änderungen geben“, drängt er im AZ-Gespräch. Vergangenes Jahr hatte seine Fraktion beantragt, ein Bäderkonzept für die Schwimmstätten der Samtgemeinde zu erstellen, indem beide Einrichtungen grundlegend auf den Prüfstand kommen – Rückbau nicht ausgeschlossen. „25 000 Euro sind ein Witz. Und wenn man dann noch bedenkt, wie lange wir gebraucht haben, um uns auf die Öffnungszeiten zu einigen. Wie lange sollen wir denn für 300 000 Euro Einsparungen reden?“

Helfen könnte beim Sparauftrag, der übrigens laut Fusionsvertrag ausgeglichene Haushalte aller Mitgliedsgemeinden und der Samtgemeinde bis zum Jahr 2016 zum Ziel hat, laut CDU, FDP, UWE und FBE ein externer Berater. Auch Grüne, SPD und WBB zeigten sich bereits von dem Modell externer Hilfe angetan Ein entsprechendes Angebot wird derzeit eingeholt (die AZ berichtete). Hinsichtlich eines umfassenden Bäderkonzeptes besteht bei der Gruppe aus SPD, Grünen, WBB und Keine-A39 noch Beratungsbedarf: „Eine Langzeitentscheidung müssen wir noch diskutieren. Das ist ein sensibles Thema“, sagt der zweite Mann an der Fraktionsspitze Johann-Henrich Vietor (WBB) auf AZ-Nachfrage. Dass die Frühschwimmer nun beabsichtigen, sich einem Verein anzuschließen, um so trotz verkürzter Öffnungszeiten morgens schwimmen zu können, hält die Gruppe für einen „gangbaren Weg“.

Fest steht indes: Schließen kann die fusionierte Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf – obgleich sie freiwillige Leistungen sind – für die nächsten 15 Jahre keines der beiden defizitären Bäder – dazu hat sie sich im Gebietsänderungsvertrag verpflichtet.

Von Wiebke Brütt

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