Ein Trupp von 15 Junggesellen / Revierinhaber wartete in Bode vergeblich auf seine Liebste

Dramatische Szenen am Storchenhorst

Storch beim Abflug vom Horst
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Ein neues Paar hat sich auf dem Storchenmast am Hof Lichte in Bode zusammengefunden. Für eine Brut ist es jetzt aber wohl schon zu spät.
  • Gerhard Sternitzke
    vonGerhard Sternitzke
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Andere freuen sich, wenn überhaupt ein Storch vorbeikommt. In Bode macht sich gerade ein Trupp von 15 Störchen breit. Am Horst spielen sich dramatische Szenen ab.

Bode – Landeanflug in Bode: Zwei Störche, Männchen und Weibchen, begrüßen sich auf dem Horst mit Schnabelklappern, stehen dann einträchtig beieinander. Er hat bereits alte Zweige von der Plattform geworfen. Eine Naturidylle im 78-Seelen-Dorf. Letzteres werde sich bald ändern, frohlockt Landwirt Carsten Lichte, der 180 Hektar Ackerland bewirtschaftet, doch immer wieder spielen sich dramatische Szenen ab. Ein weiterer Storch fliegt auf das Liebesnest zu, wird mit einem giftigen Zischen der beiden vertrieben. Die Konkurrenz ist Legion. Insgesamt 15 Störche halten sich derzeit in den Wiesen am Dorf auf.

Weitere Interessenten werden von dem Storchenpaar auf der Plattform fauchend vertrieben.

Für eine Brut ist es zu spät

„Für eine Brut ist es jetzt zu spät“, winkt Nabu-Vogelexperte Waldemar Golnik ab. Das Pärchen ist bereits der zweite Mieter bei Bauer Lichte in diesem Jahr. Dahinter steht eine traurige Liebesgeschichte. Adebar war bereits zeitig Anfang April angereist, hatte Zweige auf den vor zwei Jahren errichteten Mast gebracht, um seiner Liebsten einen schönen Empfang zu bereiten. Doch er wartete eine Woche, zwei Wochen, verteidigte den Horst und einen weiteren Mast, den Lichte in aller Eile errichtete, erbittert gegen Konkurrenten – doch das Storchenweibchen, das im vorigen Jahr sogar Eier gelegt hatte, blieb verschollen. Immer wieder kommen Tiere auf dem viele hundert Kilometer weiten Heimweg von den Winterquartieren in Afrika oder Spanien ums Leben.

Irgendwann verließ er Bode. Stattdessen fiel ein ganzer Trupp Gefiederter ein. Eine Dorfbewohnerin spricht von Storchen-Kino. „Das sind Junggesellen“, erklärt Golnik, „aber nicht nur Männchen, sondern auch Weibchen, die noch nicht voll geschlechtsreif sind oder bereits eine Brut abgebrochen haben.“ Störche werden erst mit zwei bis drei Jahren geschlechtsreif, das erste Jahr verbringen sie meist im Winterquartier. Diese Junggesellen, unter denen sich jetzt offenbar das neue Paar gefunden hat, ist nicht ortsgebunden. Irgendwann wird der Trupp weiterziehen, mal hierhin, mal dorthin – vielleicht weiter im Uelzener Kreisgebiet.

Störche finden auf Grünland reichlich Nahrung

In der Gemarkung Bode fühlt sich diese Truppe Halbstarker jedoch derzeit wohl. Abends sitzen sie einträchtig in einer alten Eiche. „Es gibt einiges Grünland da, und es hat geregnet“, erklärt Storchen-Fachmann Golnik. Mitten hindurch fließt die Schwienau. Beste Voraussetzungen also für den einen oder anderen hüpfenden Leckerbissen. Auch die Regenwürmer halten sich an der Erdoberfläche auf. Wo Störche erfolgreich brüten wie derzeit in Westerweyhe und Lüder, sind sie die erste Nahrung für den Nachwuchs.

Landwirt Carsten Lichte hofft auf Nachwuchs bei den Störchen.

Golnik hofft, dass es diesen nächstes Jahr auch in Bode gibt, wenn Adebar eine neue Partnerin findet. Vielleicht findet er sie in der munteren Truppe, die derzeit Bode in Atem hält. Carsten Lichte tut alles dafür. So hat der 50-jährige Landwirt alte Rohre am Storchenmast angebracht. Im vorigen Jahr könnte der Waschbär die Brut geholt haben. Die Eierschalen lagen am Boden. Auf der glatten Oberfläche dürfte der geschickte Kletterer keine Chance haben.

Erstaunlich genug, dass der Kreis Uelzen so attraktiv für die Störche ist. Viele Wiesen sind durch den Rückgang der Viehhaltung verschwunden. Über die Gründe kann der

Landwirte gehen sensibler mit Pflanzenschutzmitteln um

Nabu-Experte nur spekulieren. In Polen gehen die Bestände zurück. Teilweise sichert die Pferdehaltung Weidestandorte. Und die Landwirte seien sensibler beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geworden, lobt Golnik. Carsten Lichte behält derweil „seine“ Störche im Blick. Irgendwann werden sie hier am Hof Nachwuchs haben. „Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.“

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