Wolfsburgs Wiederauferstehung

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Lange Zeit abgetaucht, nun aus den Tiefen wieder emporgestiegen: Der VfL Wolfsburg (r. Grafite) landete in einer spektakulären Partie gegen die Bayern (Luiz Gustavo) eine Punktlandung.

Wolfsburg - Von Arek Marud. Wer auch immer das Drehbuch geschrieben hatte, bewies ein feines Gespür für ein leidenschaftliches Bundesliga-Spiel. Das rasante 1:1 des VfL Wolfsburg gegen FC Bayern München war pickepackevoll mit Höhepunkten und Wendungen und sah ein Happyend für die Wölfe vor.

Wer hätte das gedacht?! Ausgerechnet gegen den zur Aufholjagd im Titelrennen blasenden Rekordmeister feierte der VfL seine Wiederauferstehung. Das siebte Remis in Folge (das schaffte zuvor nur der FC Saarbrücken) war das bisher beste und wertvollste. Wolfsburg wendete den befürchteten Fehlstart 2011 ab und zeigte endlich Kämpferqualitäten. Abgesehen von der Anfangsphase, in der die Wolfsburger von einer Verlegenheit zur nächsten stolperten und passend zum bisherigen Saisonverlauf ein kurioses Gegentor kassierten. Diego Benaglio schoss bei seinem Klärungsversuch Thomas Müller an, der Ball kullerte ins verwaiste VfL-Tor (7.). „Geht das denn schon wieder los“, fragte sich Marcel Schäfer für „zwei, drei Sekunden“, nachdem er den langen Ball auf Müller unterschätzt hatte. Es ging Schlag auf Schlag: Franck Ribéry humpelte nach hartem Einsteigen Josués verletzt vom Platz (20.). Nach 21 Minuten setzte Philipp Lahm einen Elfmeter an den Innenpfosten. Auf der Gegenseite lenkte Bayerns neue Nummer eins, Thomas Kraft, Grafites Elfmeter sensationell an die Latte. (45. + 2). Selbige traf auch der endlich überzeugende VfL-Rechtsaußen Ashkan Dejagah (37.). Doch zu diesem Zeitpunkt hätten die Münchener 2:0 oder 3:0 führen können. „Es ist verrückt, dass es zur Halbzeit nur 0:1 stand“, haderte FC-Coach Louis van Gaal. Sowohl dem VfL als auch den Bayern wurde zudem je ein Tor wegen vermeintlicher Abseitsstellungen aberkannt (42./90.) Anders als in der Hinrunde wehrte sich der VfL. Auch dank des eingewechselten Tolga Cigerci, der nach der Pause das Mittelfeld belebte. Im Gegensatz zu Diego, der hinter der einzigen Sturmspitze Grafite ein Schatten seiner selbst war. „Wir haben uns zurückgekämpft“, beschwörte Neu-Kapitän Marcel Schäfer, der das 1:1 durch Sascha Riether vorbereite (86.), den neuen Teamgeist. „Das Team hat Charakter gezeigt und nicht aufgehört zu kämpfen“, lobte Trainer Steve McClaren, der nach dieser aufopferungsvollen Darbietung die Schusslinie (zunächst) verlassen hat. Seine unermüdlich rackernde Elf wurde nach Spielschluss zurecht vom eigenen Anhang gefeiert („Der VfL ist wieder da“). Bei aller Euphorie: Es war nur ein erster Schritt aus der Krise.

Spiel-Stenogramm:

VfL Wolfsburg: Benaglio (Note 4) – Riether (2), Kjaer (3), Friedrich (2), Schäfer (2) – Josué (3/69. Josué), Cicero (5/46. Cigerci - 2) - Dejagah (3), Mandzukic (4) – Diego (5/88. Kahlenberg), Grafite (4)

FC Bayern: Kraft – Lahm, Breno, Badstuber, Pranjic (82. Ottl) – van Bommel, Tymoshchuk (69. L. Gustavo) – Müller, Schweinsteiger, Ribery (25. Robben) - Gomez Tore: 0:1 Müller (7.), 1:1 Riether (86.) Gelbe Karten: Mandzukic, Josue / Schweinsteiger, Badstuber Besondere Vorkommnisse: Lahm schießt Foulelfmeter (Dejagah an Pranjic) an den Pfosten (21.), Kraft hält Foulelfmeter (Badstuber an Dejagah) von Grafite (45.)

Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)

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