Fußball – Bundesliga: HSV-Mentalbiester drängen völlig verunsicherten VfL durch 3:1-Sieg nah an Abgrund

Wolfsburg wankt! Hamburg hofft!

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Langsam wird es düster in der Volkswagen Arena. Mit gesenkten Häuptern schlichen Josuha Guilavogui (links) und Koen Casteels vom Platz...

dpa/ib Wolfsburg. Die emotionale Gemengelage nach dem Schlusspfiff hatte etwas Skurriles. Während drüben die weiterhin auf einem Abstiegsplatz stehenden Spieler vom Hamburger SV Freudentänze vor ihrer euphorischen Kurve aufführten, schlichen derweil nur drei Wölfe zur wutentbrannten Nordkurve.

Obwohl der VfL Wolfsburg zwei Spieltage vor Ultimo in der Fußball-Bundesliga noch immer zwei Zähler vor dem HSV steht, fühlte sich der 1:3 (0:2)-Tiefschlag wie der bereits feststehende Abstieg an. Wolfsburg wankt! Hamburg hofft!.

...während der HSV nach dem 3:1-Sieg plötzlich wieder den Klassenerhalt im Visier hat. Zwei Punkte trennen die Hamburger nur noch vom VfL...

Mit drei Siegen aus den vergangenen vier Spielen hat der HSV den letzten Funken Hoffnung auf die Last minute-Rettung am Leben gehalten. Im Idealfall kann der Bundesliga-Dino den zerknirschten Rivalen Wolfsburg schon am Samstag überholen. Das HSV-Trauma, die Zweite: Nachdem Joker Luca Waldschmidt den VfL gut ein Jahr zuvor am letzten Spieltag noch in die Relegation befördert hatte, besiegelte er dieses Mal mit dem entscheidenden Treffer die Wolfsburger Ohnmacht im Angesicht des – man muss es pointieren! – direkten Abstiegs.

Maximilian Arnold (Mitte) stellte sich nach Schlusspfiff den aufgebrachten VfL-Anhängern.

„Meiner Mannschaft möchte ich ein Kompliment aussprechen, denn es ging für beide um viel“, sagte Hamburgs-Trainer Christian Titz, der dem totgeglaubten Team neues Leben einhauchte. Allerdings hätte es seine Riege „unnötig spannend“ gemacht. Nachdem Bobby Wood per Foulelfmeter (43.) und Lewis Holtby (45.+1) die Gäste mit einem Doppelschlag auf Kurs gebracht hatten, ließ der Anschlusstreffer durch Josip Brekalos per Freistoß (78.) noch einmal Spannung aufkommen. Weil der HSV prima Kontergelegenheiten liegen ließ. Das rächte sich nicht.

Denn der VfL agierte zu ideen- und führungslos, um noch einmal zurückzukommen und wenigstens einen Punkt zu retten, der die Situation weitaus erträglicher statt bedrohlich gestaltet hätte. Labbadias Spieler bemühten sich zwar in chaotischen Wochen um Normalität und versuchten, das Spiel zu machen. Viel Ertrag und viele Torraumszenen kamen dabei nicht heraus, unter dem Strich blieb ein enttäuschender Auftritt. „Jetzt muss man die Nerven behalten und als Mannschaft funktionieren“, schlussfolgerte Labbadia. In der Tabelle liegt sein Team zwar noch vor dem HSV, mental befindet sich der VfL aber Welten hinter dem auch am Samstag zu starken Gegner.

Wie so oft in der Vergangenheit wurden die Wolfsburger Fans in ihrer Hoffnung auf ein Aufbäumen bitter enttäuscht. Vom VfL kam im zweiten Durchgang erst ganz spät eine Reaktion. Die Fans brüllten verärgert: „Wir wollen euch kämpfen sehen“ und „Wir haben die Schnauze voll!“ Nach dem Spiel drohte die Situation zu eskalieren. Das Gleiche trifft auch sportlich auf die Wölfe zu. Sie stehen seit Samstag ganz nah am Abgrund!

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