Unglaublich!

Die 2:3-Pleite gegen Leverkusen fühlte sich für den VfL Wolfsburg (l. Edin Dzeko im Zweikampf mit Manuel Friedrich) wie ein Griff unter die Gürtellinie an.

Wolfsburg - Von Arek Marud. Schockzustand mit Déjà-vu-Charakter. Die 2:3-Niederlage nach 2:0-Führung gegen Bayer Leverkusen hat den VfL Wolfsburg bis ins Mark getroffen. Wie schon gegen Mainz verplemperte der Fußball-Bundesligist einen sicher geglaubten Sieg.

Nicht schon wieder, dachten Fans, Spieler und Verantwortliche des VfL, der bis zur 72. Minute nach Toren von Diego (9.) und Grafite (68.) mit 2:0 führte. Mainz 05 (3:4 nach 3:0-Vorsprung) und Simon Rolfes ließen grüßen. Der kurz zuvor eingewechselte und acht Monate lang verletzte Leverkusener erzielte zwei Tore (72., 83.) und hatte einen von Arturo Vidal verwandelten Handelfmeter herausgeholt (74.). "Unglaublich, unglaublich", wiederholte Wolfsburgs fassungsloser Trainer Steve McClaren. Ihm und seinen Spielern war es ein Rätsel, wie sich innerhalb so kurzer Zeit ein zweites Mainz wiederholen konnte. Wobei McClaren keine Parallelen zog. Damals habe man nach mentalen Problemen vergeigt. Dieses Mal seien es "zwei verrückte Minuten" gewesen. "Zwei Tore aus dem Nichts", so der frustrierte Coach. Beim 1:2 patzte Ersatzkeeper Marvin Hitz. Der Ausgleich wurde durch Makoto Hasebes Handspiel begünstigt, hätte aber laut Manager Dieter Hoeneß nicht zählen dürfen. Er monierte ein vorheriges Foulspiel an Sascha Riether. Gäste-Coach Jupp Heynckes fühlte mit McClaren. "Aus der Warte meines Kollegen war es eine bittere Niederlage." Der Engländer stand vor einem "Rätsel, wie das Spiel so verlaufen konnte. Ich muss mir das erst im Fernsehen anschauen, um zu begreifen, wie das passiert ist." Zwei Drittel der Partie waren die Gastgeber trotz schlechterer Zweikampfwerte und weniger Ballbesitz die torgefährlichere, aktivere Mannschaft. Leverkusen traf zwar schon nach drei Minuten die Latte, dann häuften sich die VfL-Chancen. Diego hätte schon nach 21 Minuten zum Helden werden können, scheiterte aber an René Adler, der das 0:1 mit einem Querschläger verschuldete. Der VfL hatte zum 39. Mal in Folge zuhause ein Tor erzielt und stellte den Rekord des FC Bayern ein. Statt auf Platz vier zu klettern, dümpelt Wolfsburg auf Tabellenplatz elf herum und verteilt Punkte wie auf dem Basar. "Wir hatten das Ding im Sack. Dann hat Leverkusen mit uns gespielt", sagte Rechtsverteidiger Riether, der Kompaktheit vermisste, zu viele Einzelaktionen anprangerte und ein Kopfproblem als Grundübel des Einbruchs ausmachte. "Anders kann ich es mir nicht erklären."

Das Spiel im Stenogramm:

VfL Wolfsburg: Hitz (Note 5) – Riether (2), Kjær (4), Barzagli (3), Schäfer (4) – Josué (3/86. Dejagah) – Hasebe (5/79. Cicero), Kahlenberg (4/85. Mandzukic) – Diego (3) – Grafite (3), Dzeko (5)

Leverkusen: Adler – Schwaab, M. Friedrich, Hyypiä, Kadlec – Reinartz (69. Rolfes), Vidal - Sam, Barnetta (62. L. Bender) – Derdiyok, Helmes (62. Jörgensen)

Tore: 1:0 Diego (9.), 2:0 Grafite (68.), 2:1 Rolfes (72.), 2:2 Vidal (75., Handelfmeter), 2:3 Rolfes (82.)

Gelbe Karten: Dejagah / Barnetta, Reinartz, Friedrich, Kadlec, Sam

Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)

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