Unfassbarer Last-Minute-Schock

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Überraschung im Wolfsburger Tor: André Lenz erhielt gestern in Stuttgart nach über einem Jahr ohne Spiel den Vorzug vor Marwin Hitz. Magath stellte ihn wegen seiner Erfahrung auf. Das späte 1:1 konnte aber auch er nicht vereiteln.

dpa Wolfsburg. Bis kurz vor Schluss sah es in Stuttgart nach einem Traumstart für den nach Wolfsburg zurückgekehrten Felix Magath aus – doch dann gab sein VfL im Kellerderby der Bundesliga noch zwei Punkte her.

Felix Magath war bedient: Nach einem Gegentreffer in letzter Minute begann die Mission Rettung für den Rückkehrer beim VfL Wolfsburg mit einem verschenkten Sieg. 664 Tage nach seinem Abschied als deutscher Meister kamen die Wölfe im Abstiegsduell beim VfB Stuttgart nicht über ein höchst ärgerliches 1:1 (1:0) hinaus.

Georg Niedermeier traf in der vierten Minute der Nachspielzeit am Sonntag noch zum glücklichen VfB-Ausgleich. Torjäger Grafite hatte in der 40. Minute für die VfL-Führung nach viermonatiger Torflaute gesorgt. Wolfsburg verpasste den ersten Sieg in Stuttgart seit dem 8. April 2000 und bleibt damit auf Abstiegsplatz 17. Der zuvor dreimal erfolgreiche VfB belegt den rettenden 15. Rang.

„Ich bin froh, dass wir einen Punkt mitgenommen haben“, sagte Magath, befand jedoch: „Der Zustand der Mannschaft ist tatsächlich schlecht. Körperlich ist da nichts drin. Wir hatten in der zweiten Halbzeit zwar die Konterchancen, aber wir sind bestraft worden, weil wir nicht mehr getan haben.“ Magath räumte ein: „Natürlich mache ich mir ernsthafte Sorgen. Die Spieler haben scheinbar noch nicht registriert, dass sie auf dem Abstiegsplatz stehen.“ VfB-Trainer Bruno Labbadia hatte schon vor dem Anpfiff geahnt: „Felix wird nicht all die Probleme, die die Mannschaft hat, durch Handauflegen lösen können.“

Nach nur einer Trainingseinheit schenkte der erst am vorigen Mittwoch in Schalke geschasste Magath sieben Akteuren aus der Meistermannschaft von 2009 das Vertrauen. Anstelle des verletzten Diego Benaglio stand erstmals seit mehr als einem Jahr André Lenz im Tor, Magath begründete dies mit der Erfahrung des 37-Jährigen.

In den ersten 20 Minuten war beiden Mannschaften die Nervosität anzumerken. Dann erhöhte der VfB vor allem durch Timo Gebhart das Tempo, der Mittelfeldspieler scheiterte nach dem ersten guten Angriff aber an Lenz (24.). Den Schwaben fehlte in der Offensive unter anderen der gesperrte Torjäger Martin Harnik, die Defensive musste ohne Kapitän Mathieu Delpierre auskommen.

Vor allem Grafite und Diego brachten die VfB-Abwehr oft in Verlegenheit. Zunächst setzte sich Grafite robust gegen Serdar Tasci durch und bediente Diego, doch der Regisseur scheiterte aus Nahdistanz am glänzend reagierenden Torhüter Sven Ulreich (28.), der auch einen Distanzschuss von Diego parierte (35.). Dabei rutschte der Brasilianer weg und verletzte Stuttgarts Zdravko Kuzmanovic so schwer, dass der Antreiber ausgewechselt werden musste.

Der nächste Schock für die 38 500 Fans folgte: Nachdem Stefano Celozzis abgeblockter Befreiungsschlag im eigenen Strafraum landete, behauptete sich Grafite gegen Niedermeier und drückte den Ball unter die Latte. Es war das achte Saisontor für den einstigen Bundesliga-Torschützenkönig, aber sein erstes seit dem 13. November 2010.

Der VfB stemmte sich zwar nach dem Wechsel gegen den Rückstand, konnte sich aber zunächst bei Schlussmann Ulreich bedanken, der einen Schuss von Jan Polak aus kurzer Entfernung an den Pfosten lenkte (65.). Grafite vergab bei einem der vielen Konter in der Schlussphase zweimal den beruhigenden zweiten Treffer. Das bestrafte Niedermeier, auf der anderen Seite hatte Grafite in der 95. Spielminute sogar noch das 2:1 auf dem Fuß und scheiterte knapp.

Das Spiel im Stenogramm:

VfB Stuttgart: Ulreich – Celozzi (67. Schipplock), Tasci (46. Boulahrouz), Niedermeier, Molinaro – Träsch, Kuzmanovic (39. Elson) – Gebhart, Gentner, Okazaki - Pogrebnyak.

VfL Wolfsburg: Lenz – Pekarik, Kjaer, Friedrich, Schäfer – Josué (74. Madlung), Hasebe (46. Polak) – Riether, Cicero (60. Koo) – Diego – Grafite.

Tore: 0:1 Grafite (40.), 1:1 Niedermeier (90.+4).

Gelbe Karten: Schipplock / Pekarik (5./gesperrt), Kjaer, Lenz.

Zuschauer: 39.000 (ausverkauft).

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin).

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