Thoelke: Ovationen bei Ouvertüre

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Gut gemacht, Junge! Routinier Hasan Salihamidzic beglückwünscht Bjarne Thoelke zu seinem geglückten Bundesliga-Einstand.

Wolfsburg - Von Ingo Barrenscheen. Arm in Arm schlendern Hasan Salihamidzic und Bjarne Thoelke übers Gewinner-Gras. Der grüne Debütant und der routinierte Champions-League-Sieger wirken wie beste Kumpels. Während Brazzo freudig hüpft, wirkt der Betzhorner Bub fast ein wenig reserviert, strahlt aber dennoch. Plötzlich Bundesliga! Diese turbulente Woche muss der 19-Jährige erst einmal verdauen.

Spätestens seit Sonnabend ist Thoelke das Gesprächsthema im Isenhagener Land! Und weit darüber hinaus. Journalisten fragen nach dem 2:1-Sieg gegen Nürnberg in den Katakomben: Wer ist dieser Betzhorner Bub, der plötzlich im Rampenlicht steht? Der ist zunächst einmal „einfach nur froh“ über seine Ouvertüre.

Die Tage bis zu seinem ersten Auftritt auf der großen deutschen Fußball-Bühne sind Thoelke vorgekommen wie im Schnelldurchlauf. Erst am Dienstag der Kindheitstraum Profi-Vertrag, vier Tage später tatsächlich sein erstes Spiel in der Bel-Etage. Gleich über 90 Minuten. Wirklich realisiert hat das Talent vom Taterbusch diese rasante Entwicklung wenig später noch nicht. Deshalb drückt er die Stop-Taste. Am Rest des Wochenendes wird gechillt, nicht gefeiert. „Ich muss erst einmal runterfahren, werde mich auf die Coach legen“, verrät Thoelke seine Abend-Planung. „Morgen ist es ein bisschen ruhiger. Dann werde ich das Ganze erst einmal sacken lassen.“

Zwar hatte er insgeheim schon mit seiner großen Chance spekuliert. Grünes Licht erhält er aber erst kurz vor dem Anpfiff. „Ich habe es erst heute in der Teambesprechung erfahren“, erklärt Thoelke. Viele Worte gab Trainer Felix Magath dem Innenverteidiger nicht mit auf den Weg. Nur den Hornbach-Werbeslogan „Mach’ dein Ding!“ Dafür hätten ihm die Teamkollegen gut zugeredet. Das brauchte Thoelke auch. „Ich war sehr nervös am Anfang. Aber als das Spiel angepfiffen wurde, war die Nervosität so gut wie weg.“ Jetzt ist Thoelke im Tunnel, bekam auch vorher nicht mit, dass besonders lauter Jubel aufbrandete, als bei der Mannschaftsaufstellung sein Name fiel. Wolfsburg huldigt dem Jugendstil.

Unter den Augen unzähliger Wahrenholzer, verstreut im ganzen Stadion, liefert ihr Junge eine gelungene Feuertaufe ab. Kopfballstark, mit überzeugenden Werten (siehe Info-Kasten). Gegenspieler Pekhart ist abgemeldet. Das Niveau sei kein völliges Neuland gewesen, schließlich hätte er in der Vorbereitung schon gegen Hamburg gespielt, meint Thoelke. Auch das Aus für seinen stützenden Nebenmann Alexander Madlung zur Pause wirft Thoelke nicht aus der Bahn. Wobei das Konstrukt mit Notnagel Jan Polak wackliger wird. In der 77. Minute sackt allen Daumendrückern dann doch das Herz ganz tief in die Hose. Thoelke säbelt über den Ball, ermöglicht Esswein die Riesenchance zum 1:2. Zum Glück ist Diego Benaglio da, mimt den Retter in der Not. „Der Ball springt blöd auf, ich trete daneben – das darf nicht passieren“, schildert er die Szene. Und schiebt erleichtert hinterher: „Ich habe mich gleich bei Diego bedankt.“

Ganz klar: Das erfolgreiche Debüt hat Appetit auf mehr gemacht. Thoelke hat Blut geleckt. „Ich will versuchen, so viele Spiele wie möglich zu machen.“ Gegen den HSV sind Marco Russ und Sotirios Kyrgiakos wieder spielberechtigt. Doch der 19-Jährige hat eine Duftmarke hinterlassen. Ob Magath die Fährte aufnimmt?

 

Reaktionen zum Thoelke-Debüt:

Felix Magath: „Er hat seine Sache sehr gut gemacht. Bjarne hat in der Abwehr Sicherheit ausgestrahlt. Nach der Auswechslung von Madlung hat sich aber das Fehlen bemerkbar gemacht.“

Diego Benaglio: „Für das erste Bundesliga-Spiel hat er sich sehr gut geschlagen. Man hat schon im Training gesehen, dass er großes Potenzial hat – und genauso hat er auch gespielt. Ich war absolut nicht beunruhigt.“

Mario Mandzukic: „Das war gut fürs erste Bundesliga-Spiel.“

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