Starkes Stück: Handspiel übersehen

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Die Szene, die Tumulte auslöste: Simon Kjaer (l.) und Peter Pekarik reklamieren Klaas-Jan Huntelaars Handspiel vor Schalkes Ausgleichstreffer zum 2:2.

Wolfsburg - Von Arek Marud. Den Weg in die Kabine kann Schiedsrichter Wolfgang Stark nur unter Geleitschutz und Regenschirmen antreten. Nach dem übersehenen Handspiel des Schalkers Klaas-Jan Huntelaar zum 2:2-Endstand in Wolfsburg und der fragwürdigen Roten Karte für Ashkan Dejagah geht es in der VW-Arena drunter und drüber.

Am Mittelkreis muss Marcel Schäfer von Mitspieler Alexander Madlung zurückgehalten werden, um dem Unparteiischen nicht an den Kragen zu gehen. Trainer Steve McClaren klatscht am Spielfeldrand hämisch Beifall. Hinter ihm schimpft Manager Dieter Hoeneß mit ausgestrecktem Zeigefinger, als wollte er der aufgebrachten Volksseele auf den Rängen der ausverkauften VW-Arena sagen: Da, seht her, das ist der Mann, der uns um den verdienten Sieg gebracht hat. Dann fliegen Bierbecher von der Haupttribüne. „Eine Schande, dass so ein Mann Deutschland vertritt“, brüllt Hoeneß im Kabinengang. Auslöser der kleinen Tumulte ist das Handspiel-Tor des Schalkers Klaas-Jan Huntelaar zum 2:2-Endstand (75.). „Unglaublich, das war Handball. 30 000 Leute im Stadion und beide Trainerbänke haben das gesehen, nur das Schiedsrichtergespann nicht. So kamen die wütenden Reaktionen zustande“, rechtfertigt McClaren die verlorene Fassung. Ihm droht nun eine nachträgliche Strafe. In der Tat: Dem Holländer springt der Ball am Fünfmeterraum vom Fuß an die linke Hand, dann trifft der Stürmer und löst eine Reklamierorgie unter den VfL-Spielern aus. „Er spielt den Ball ganz klar mit der Hand“, sagt Schäfer. Huntelaar verleugnet gar nicht erst: „Ja, ich habe den Ball an die Hand bekommen. Es war keine Absicht.“ Schwere Geschütze fährt Hoeneß aus. „Mit Herrn Stark kann man nicht reden, er ist ziemlich selbstherrlich, das zeichnet ihn aus. Er gilt ja als einer unserer Besten. Heute fragt man sich, warum. Es ist eine Schande.“ Seine deftige Schelte zielt auch Richtung zweite umstrittene Szene. Ashkan Dejagah sieht nach rüdem Foul an Jefferson Farfan Rot (78.). „Er berührt ihn, keine Frage, das ist aber eine gelbe Karte“, so Hoeneß, der wenige Minuten später ausrastet, weil auf der Gegenseite Atsuto Uchida für ein ähnliches Foul an Mario Mandzukic nur Gelb kassiert. „Wenn er in der einen Situation Rot gibt, muss er es in der anderen auch machen.“ Am Sonntag in der DSF-Sendung Doppelpass aus der Autostadt legte der Manager nach und kritisierte auch den Assistenten. „Das muss er sehen. Der hat ja sonst Dinge gesehen, die 80 Meter weg waren.“ Zurück zu Sonnabend: Stark verpasst sich nach Spielschluss einen Maulkorb und verkriecht sich in die Kabine, die er am liebsten gar nicht verlassen möchte. Stattdessen lässt er über DFB-Spielbeobachter Lutz-Michael Fröhlich ausrichten, dass er sich nicht zu den umstrittenen Szenen äußern wolle. Und der stellt dem Unparteiischen kein gutes Zeugnis aus. „Es war unglücklich.“

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