Fußball – Bundesliga: Wolfsburgs Feuerwehrmann Labbadia löst die Probleme in der Führungsebene nicht / Schmadtke dementiert Kontakt

Das Sportkompetenz-Vakuum bleibt bestehen...

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Könnte sich einen neuen Job vorstellen: Jörg Schmadtke.

ib/dpa Wolfsburg. Sie wurden bloß gestellt. Und haben doch im Handumdrehen einen Nachfolger vorgestellt.

Die Verantwortlichen beim aktuellen Chaos-Club VfL Wolfsburg wurden vom Rückzieher des Martin Schmidt zwar auf dem falschen Fuß erwischt, handelten aber in Windeseile und präsentierten gestern Bruno Labbadia. Mehr ein Feuerwehrmann als ein Konzept-Trainer für einen dringend benötigten Neuaufbau. Eine Kurzschluss-Reaktion, die die tiefer liegenden Probleme in der Tochtergesellschaft von Volkswagen nicht kaschieren kann.

„Natürlich kann es so nicht weitergehen“, hatte der mächtigste Mann des VW-Fußball-Unternehmens nach der Dusel-Rettung in der Relegation gegen Eintracht Braunschweig gesagt. Aufsichtsrats-Boss Francisco Javier Garcia Sanz fragte an jenem Mai-Abend: „Oder meinen Sie, ich will jedes Jahr Relegation spielen!?“ Allerdings: Die „nötigen Schritte“, die der VW-Manager damals angekündigt hatte, blieben indes aus. Olaf Rebbe durfte als Sportdirektor weitermachen, über 100 Millionen für neue Spieler ausgeben – und verpflichtete nun bereits den dritten Trainer für die laufende Saison nach dem Rauswurf von Andries Jonker und dem Schmidt-Intermezzo. Zuvor hatte der 39-Jährige bereits Valérien Ismaël vor die Tür gesetzt. Das Verfallsdatum für Coaches in Wolfsburg hat mittlerweile bedenklich kurze Zeitspannen angenommen.

Fachliche Unterstützung oder Kontrolle gibt es für den Wolfsburger Manager nicht. Seit dem Rausschmiss von Klaus Allofs Ende 2016 hat es VW versäumt, die Leitung der Fußball GmbH wieder mit Sportkompetenz auszustatten. In der Geschäftsführung sitzen seit dem Ausscheiden von Thomas Röttgermann im Mai 2017 ohnehin nur noch zwei Mann: Wolfgang Hotze und Tim Schumacher. Sie kommen ebenso wenig aus dem Profi-Fußball wie die neun Mitglieder des Aufsichtsrates oder Rebbe selbst. Garcia Sanz, im Hauptberuf Vorstand für Beschaffung bei der Volkswagen AG, hat eigentlich andere Probleme zu bewältigen. Der Automobil-Konzern kämpft mit den Auswirkungen der Diesel-Affäre.

Das kurzfristig aufgerissene Loch ist mit Labbadia geflickt. Die eigentliche Großbaustelle aber bleibt bestehen. Der in Wolfsburg wie in Hamburg gehandelte Manager Jörg Schmadtke dementierte am Dienstag gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger Gespräche mit den Bundesligisten. „Ich stehe aktuell mit keinem Verein in irgendeinem Kontakt. Ich finde das auch nicht in Ordnung, da Wolfsburg und Hamburg schwierige Aufgaben vor der Brust haben. Ich will da nichts befeuern und nicht noch zusätzliche Unruhe reinbringen.“ Der im Oktober in Köln entlassene 53-Jährige könne sich ein neues Engagement aber „grundsätzlich“ vorstellen. „Ich fühle mich nicht ausgepumpt oder leer.“

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