BVB spielt im XXL-Format – VfL nur in XS

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Mats Hummels dreht nach seinem Tor zum 3:0 jubelnd ab: Der BVB beherrschte die Wölfe nach allen Regeln der Kunst.

Wolfsburg - Von Ingo Barrenscheen. Wer weiß: Vielleicht hätte der VfL Wolfsburg den alten Rumpel-Rasen noch behalten sollen. Auf dem neuen Grün in der VW-Arena jedenfalls waren die Wölfe der imposanten Spielkultur von Borussia Dortmund nicht in Ansätzen gewachsen. Um es in Kleidergrößen auszudrücken: Spitzenreiter BVB trug am Sonnabend bei der 3:0 (2:0)-Demonstration XXL – der VfL füllte nur XS aus.

Die erste Schlappe nach acht ungeschlagenen Partien am Stück löste Ernüchterung aus in den Wolfsburger Reihen. Die Schlussminuten gegen die schwarz-gelbe Übermacht (auf dem Feld und den Rängen) hatte Trainer Steve McClaren kauernd auf der Bank verbracht. Hinterher musste er neidlos anerkennen, dass der VfL derzeit nicht die Kragenweite der Borussia besitzt. „Das war das beste Team, gegen das wir gespielt haben. Wir haben heute den deutschen Meister gesehen.“ Freilich hatte der VfL verletzte und lädierte Akteure zu beklagen. McClaren stellte lieber das angeschlagene Wackel-Trio Grafite, Mario Mandzukic und Sascha Riether auf als seine grünen Amateure. Ein Stück weit Mutlosigkeit, die sich dann auch im Kräftemessen mit Dortmund widerspiegelte. „Die Mannschaft war nicht so griffig und so wach im Kopf wie zuletzt“, sagte Manager Dieter Hoeneß, der entgegen seiner Gepflogenheiten nicht vor die Presse trat. „Für unsere Situation war es einfach der falsche Gegner.“ Der BVB zeigte sich völlig unbeeindruckt vom Ausfall seines Shootingstars Shinji Kagawa und dem Sieg von Verfolger Leverkusen, spielte munter drauf los – und lag schon nach zwei Minuten in Front. „Da waren alle unsere Pläne über den Haufen geworfen“, haderte VfL-Spielmacher Diego. Er vertrat die nahezu exklusive Meinung, dass die Wölfe in der Folgezeit keineswegs chancenlos gewesen seien. Sie waren es, auch wenn der BVB Mitte der ersten Hälfte kurzweilen einen Gang zurückschaltete und Wolfsburg gefühlt die Oberhand gewann. Dennoch inszenierte der entflohene Spitzenreiter ein nahezu undurchdringliches Netzwerk, stempelte die Gastgeber mit hoher Laufbereitschaft und perfektem Positionsspiel zur Bedeutungslosigkeit ab. Wolfsburg blieben nur einfallslose lange Hafer, die die BVB-Türme Hummels und Subotic nicht erschreckten. Auch in punkto Entschlossenheit hatte der BVB den Hausherren einiges voraus: Das demonstrierten die Tore zwei und drei (40., 71.). „Wir waren heute richtig, richtig gut, hochkonzentriert und zielstrebig“, strahlte Borussen-Former Jürgen Klopp. Das dürfte auch Bundestrainer Jogi Löw so gesehen haben, der im Stadion weilte. Von den Wölfen dürfte bei ihm indes niemand im Kopf hängen geblieben sein.

Das Spiel im Stenogramm:

VfL Wolfsburg: Benaglio – Pekarik, Madlung, Friedrich, Schäfer – Riether (21. Kahlenberg), Josué – Dejagah, Mandzukic (46. Johnson) – Diego – Grafite (67. Mbokani).
Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels (75. Santana) , Schmelzer – S. Bender, Sahin – Blaszczykowski (71. Lewandowski), Götze (88. Zidan), Großkreutz – Barrios.
Tore: 0:1 Barrios (2.), 0:2 Sahin (40.), 0:3 Hummels (72.).
Gelbe Karten: Friedrich, Pekarik / Piszczek, Subotic (5).
Zuschauer: 30.000 (ausverkauft).
Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg).

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