Fußball – Bundesliga: Wolfsburgs Trainer tritt unverhofft zurück / Rebbe enttäuscht

Schmidt zieht selbst Reißleine

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Wirft beim VfL Wolfsburg das Handtuch: Martin Schmidt ist nicht mehr länger Trainer der Wölfe.

Wolfsburg. Martin Schmidt ist nicht mehr Trainer des VfL Wolfsburg. Keine überraschende Nachricht, möchte man meinen. Erwies sich doch auch das Krisenmanagement des Schweizers beim chronisch schwächelnden Fußball-Bundesligisten als Fehlschlag.

Allerdings: Nicht etwa der erneut existenzgefährdete Erstligist setzte den Übungsleiter vor der Tür. Nein, er wählte die Selbstaufgabe. Bevor er womöglich alsbald seiner Aufgaben entbunden worden wäre.

Alle Schlichtungs-Gespräche schlugen fehl: Am Montagvormittag offenbarte Schmidt den Verantwortlichen seinen unumstößlichen Entschluss, mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurückzutreten. Die Begründung: Er wolle dem VfL damit ermöglichen, die sportliche Schieflage durch neue Impulse von der Trainerbank zu verbessern „und den immer weiter ansteigenden öffentlichen Druck – auch gerade gegenüber seiner Person – vom Verein zu nehmen“, heißt es auf der Homepage. Dem Rücktritts-Gesuch kamen VfL-Geschäftsführer Dr. Tim Schumacher, Sportdirektor Olaf Rebbe und der Aufsichtsrat nach. Wohl gemerkt erst „nach einer intensiven und kontrovers geführten Diskussion“.

Der Club bedauere Schmidts Reißaus ausdrücklich. Bereits am Sonntag soll es erste Signale seitens des 50-Jährigen gegeben haben. Laut Medienberichten flog daraufhin extra der Aufsichtsratsvorsitzende Francisco Javier Garcia Sanz ein, um die fußballerische Fahnenflucht noch abzuwenden. Doch alle Umstimmungs-Versuche schlugen fehl.

„Intern waren wir alle fest davon überzeugt, dass wir gemeinsam das Blatt wenden werden, entsprechend überraschend und unvorhersehbar kam nun dieser Vorstoß von Martin Schmidt, zumal wir seine Beweggründe nicht in allen Teilen nachvollziehen können“, erklärte Schumacher am frühen Abend.

Derweil sagte der ebenfalls umstrittene Rebbe: „Er will mit seinem Rücktritt den Weg freimachen, damit der VfL mit einem neuen Cheftrainer schnellstmöglich den Klassenerhalt sichern kann.“ Ein Ziel, das die Grün-Weißen gerne mit Schmidt erreicht hätten. „Aber er ließ sich nicht von seiner Entscheidung abbringen. Diese entschlossene Haltung gilt es jetzt zu respektieren, wenngleich ich zugeben muss, dass mich dieser Schritt enttäuscht – auch gerade weil er unser Wunschtrainer für den VfL war.“

Vielleicht wollte sich Schmidt aber auch nur einem persönlichen Endspiel am Freitag, ausgerechnet bei Ex-Club Mainz 05, entziehen. Bei einer Niederlage gegen den Tabellen-16. droht den Wölfen abermals der Absturz auf einen Relegationsplatz. Dabei sollte unter Schmidt alles besser werden als bei seinem Vorgänger Andries Jonker, den er Mitte September abgelöst hatte. Doch die Bilanz des vermeintlichen Heilsbringers in den 19 Bundesliga-Partien unter seiner Regie ließ zu wünschen übrig (drei Siege, zwölf Remis, fünf Niederlagen).

Das heutige VfL-Training wurde auf 16 Uhr verlegt. Womöglich wird Ton Lokhoff aus der Nachwuchsabteilung die Einheit leiten. Als Schmidts Nachfolger werden Jens Keller, Markus Weinzierl, Bruno Labbadia, Andre Schubert und Lucien Favre gehandelt.

Von Ingo Barrenscheen

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