Fußball – Bundesliga: Wolfsburg spielt beim 1:4 in Leipzig wieder wie ein Absteiger

Positiv: Noch ist alles drin...

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Mittlerweile ein zerrüttetes Verhältnis: Die Spieler des VfL Wolfsburg stehen nach dem neuerlichen Nackenschlag in Leipzig konsterniert vor ihrer Fankurve.

dpa/ib Leipzig. Es standen sich die deutschen Vizemeister von 2017 und 2015 gegenüber. Beide belastet durch eine sportliche Krise.

Doch während RB Leipzig die Nackenschläge der Vorwochen kaum anzumerken waren, fiel der VfL Wolfsburg am Samstag am vorletzten Spieltag der Fußball-Bundesliga einmal mehr wie ein Kartenhaus zusammen. Das Positivste an der 1:4 (0:2)-Schlappe war noch die Schützenhilfe von Borussia Mönchengladbach (3:1 gegen Freiburg) und Eintracht Frankfurt (3:0 gegen den Hamburger SV): So ist für die wankenden Wölfe beim Saisonfinale von Klassenerhalt über Relegation bis hin zum Abstieg noch alles drin.

Die zuvor schwächelnden Bullen schossen sich munter den ganzen Frust der letzten Wochen von der Seele und die Wölfe noch tiefer in die Depression. Lediglich in der Anfangsphase hätte seine Mannschaft „sehr unsicher gewirkt“, sagte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl. Doch die zunächst mutigen Wolfsburger schlugen wieder einmal aus ihren Chancen durch Divock Origi und Josip Brekalo kein Kapital und fingen sich mit dem ersten wirklich gefährlichen Leipziger Vorstoß direkt das 0:1 durch Ademola Lookman (24.). Ein Wirkungs-Treffer. Beim VfL war der Stecker sofort gezogen, die Gäste konnten von Glück sagen, dass sie nur mit einem 0:2-Rückstand in die Kabine taumelten. Nationalstürmer Timo Werner (33.) hatte nach 459 Minuten Torflaute wieder einen Bundesliga-Treffer erzielt, nachdem Abwehr-Youngster Felix Uduokhai gleich zweimal ein kapitaler Bock unterlaufen war. „Leipzig hat einfach die Qualität, aus einer einzigen Möglichkeit das 1:0 zu machen. Das 2:0 war dann symptomatisch für uns“, so das ernüchternde Zwischenfazit von Bruno Labbadia. Er gab einen offenen Einblick in das zerstörte Seelenleben seiner Schützlinge: „In der Kabine haben die Spieler mit hängenden Köpfen gesessen.“

Doch für einen kurzen Moment schien es so, als könnte sich alles zum Guten wenden für die Grün-Weißen. Daniel Didavi gelang direkt nach Wiederbeginn (47.) der Anschlusstreffer, der eingewechselte Landry Dimata vergab mit einem Kopfball sogar den Ausgleich. Nur ein Strohfeuer, da Uduokhai den Hoffnungsfunken durch den nächsten Schnitzer mit einem zu kurzen Rückpass auf VfL-Keeper Koen Casteels schnell ausblies. „Wir bekommen zwei Gegentore, die uns in der momentanen Situation einfach die Lichter ausschießen“, haderte Wolfsburgs Aushilfs-Kapitän Maximilian Arnold. Erneut war es Everton-Leihgabe Lookman (52.), der RB auf Kurs hielt, ehe Jean-Kevin Augustin (63.) auf 4:1 erhöhte. „Bei Leipzig besteht immer die Gefahr, in den Konter zu laufen“, bilanzierte Labbadia.

Abermals Wunden lecken also bei den Wölfen, Frohlocken hingegen bei den Leipzigern, die noch von der erneuten Champions League-Quali träumen können. Kevin Kampl, der am Samstagmorgen Vater von Sohn Jordi Noel wurde und nach schlafloser Nacht nach knapp 500 Kilometern von Solingen dank eines vom Verein gecharterten Fliegers gerade so rechtzeitig zum Anpfiff da war, war überglücklich: „Mama und Kind geht es prima. Heute ist einfach ein perfekter Tag. Wir sind als Team aufgetreten und haben es zusammen durchgezogen. Es war ein sehr emotionales Spiel. Für die Fans, für Domme Kaiser und auch für mich.“ Ein emotional deprimierendes Spiel gleichwohl für die Wolfsburger, die womöglich jetzt auch einige schlaflose Nächte vor sich haben...

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