Mitfiebern bei minus zehn Grad

''Flagge zeigen'': Die Grundschule Wesendorf feiert morgen den Anstoß VfL-Geburtstag.

Wesendorf - Von Arek Marud. Dortmund, Hamburg, München oder Wolfsburg: Die Vorlieben für Bundesliga-Klubs an der Grundschule in Wesendorf hielten sich bis vor drei Jahren die Waage.

Bis "Anstoß VfL" kam. "Mittlerweile haben die VfL-Fans die Oberhand bei uns", erzählt Lehrer Martin Gaus Die Vorderseite ihres Wolfsburger T-Shirts ist voll gekritzelt mit Autogrammen. Es haben sich so viele Wolfsburger Spieler auf dem Trikot mit dem schwarzen Filzstift verewigt, dass Joline Gödecke mit dem Zählen nicht mehr nachkommt. "Ich weiß nicht, wie viele das sind. Aber es fehlen noch einige", sagt die Zehnjährige mit Blick auf die schwarzen Signaturen auf dem grün-weiß schimmernden Stoff. Ihrer Mama habe sie sogar verboten, das kurzärmlige Jersey in die Waschmaschine zu werfen. "Das darf sie nicht", schmunzelt das Mädchen etwas verlegen. Ein Stück weit "schuld" daran ist Martin Gaus. Der Lehrer der Grundschule hat Anstoß VfL nach Wesendorf importiert. Morgen wird die Partnerschaft drei Jahre alt. Auch hier haben die Schüler viele grün-weiße Erinnerungen. Besonders stark eingeprägt hätte sich wohl der Besuch des Köln-Spiels, für das die Schule 100 Freikarten vom Verein erhielt. Noch jetzt muss sich Gaus beim Gedanken an den 24. Januar schütteln. Winter, Schnee, mitfiebern bei Minus 10 Grad. "Die Kids haben gefroren wie die Schneider", erzählt er. Die 2:3-Niederlage, in Folge dessen Trainer Armin Veh entlassen wurde, machte die Sache nicht einfacher. "Da hatten wir etwas Pech." Doch das Erlebnis an sich wärmte die Dritt- und Viertklässler ein wenig auf. Gaus ist nicht nur der Betreuer des Projekts, er ist einer von ihnen, trägt ebenfalls ein Wolfsburg-Trikot und ist stolzer Besitzer einer Dauerkarte. In den Osterferien nahm der Leiter einer Fußball-AG an einer Fortbildung beim Bundesligisten teil, sah sich das Training der U19 an und lauschte aufmerksam verschiedenen Vorträgen. "Davon profitieren auch die Kinder", erzählt er und zählt in den Schulklassen immer mehr Sympathisanten des deutschen Meisters. "Die Fangemeinde ist durch dieses Projekt gewachsen." Die Wölfe sind klar in der Überzahl. Insgeheim träumen die Wesendorfer mit Gaus an der Spitze vom Besuch eines VfL-Spielers. "Das ist ein Wunsch, einen Profi zu bekommen, aber die sind ziemlich begehrt", sagt die Lehrkraft. Mit etwas Glück käme vielleicht ein Kicker, der noch nicht auf Jolines Trikot zu Wort gekommen ist. Das Mädchen möchte zügig ihre Autogramm-Sammlung vervollständigen.

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