Fußball – Europa League: Wölfe wollen Geisterkulisse ausblenden

Die Lehre gegen die Leere...

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Bereiten das Team bestmöglich auf das heutige Geisterspiel vor: VfL-Cheftrainer Oliver Glasner (l.) und Geschäftsführer Jörg Schmadtke.

Wolfsburg – Nur nicht anstecken lassen! Von der Thematik.

Wenngleich die Fußball-Profis des VfL Wolfsburg an allen Ecken und Enden mit dem allesüberlagernden Coronavirus-Chaos konfrontiert werden und am heutigen Donnerstag im Europa-League-Achtelfinale gegen Schachtar Donezk (21 Uhr, live auf DAZN) vor leeren Zuschauerrängen spielen müssen, versuchen sie sich von diesem Ausnahmezustand möglichst nicht beeinflussen zu lassen.

Es sei „kein allzu großes Thema“ für die Mannschaft selbst, versicherte VfL-Mittelfeldspieler Yannick Gerhardt gestern bei der notbehelfs via Telefonkonferenz ausgetragenen Presserunde. Immerhin sei es für viele Wölfe eines „der größten Spiele der Karriere. Für solche Spiele haben wir lange gearbeitet, da ist jeder bemüht, seine beste Leistung abzurufen.“

Die größte Herausforderung für den VfL-Stab besteht also darin, das Team mental so gut es irgendwie geht auf die Stecknadel-Atmosphäre vorzubereiten. Geister-Kulisse. Als einer der wenigen kennt Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke solch eine Erfahrung. 2004 war es, zu seiner Zeit bei Alemannia Aachen im Wiederholungsspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Die beklemmende Stille könne schon irritierend sein. Schmadtke: „Wo man sonst Verständigungsprobleme hat, wird nun über die Außenmikrofone alles zu hören sein. Das muss man wegdrücken.“ Daher finde er die Entscheidung pro Geisterspiel aus rein sportlicher Warte „unangenehm“. Doch Schmadtke hat noch einen anderen Betrachtungswinkel: „Als Bürger dieses Landes ist es unumgänglich, die Infektionsrate und -kette zu unterbrechen. Unser Gesundheitssystem steht über allem!“ In Zeiten der Corona-Welle sei das Verantwortungsbewusstsein als Verein zu groß – der VfL könne gar nicht anders, als eine Begegnung ohne Fans in Kauf zu nehmen. „Ich glaube, dass es keine andere Entscheidung hätte geben sollen.“ Da dürften auch die nicht unerheblichen finanziellen Einbußen für die Clubs keine Rolle spielen.

Schmadtke rechnet persönlich damit, „dass wir bis Ende des Monats ohne Zuschauer weiterspielen und dann die Lage bewerten“. Der 55-Jährige hält es sogar nicht für ausgeschlossen, dass in den nächsten Wochen der komplette Profifußball „zum Erliegen kommt“.

Worst-Case-Szenarien, die Gerhardt und auch Cheftrainer Oliver Glasner erst einmal ausblenden. Bei der Arbeit auf dem Platz würden all die Begleitumstände keine Rolle spielen. Der Österreicher hat zumindest seinen Humor dieser Tage nicht eingebüßt. Auf die Frage, welchen Maßnahmen-Katalog in Zeiten von Corona er seinen Schützlingen auferlegt habe, unkte Glasner: „Ich habe ihnen verboten, lange mit ihren Frauen zu knutschen. Sie haben alle Einzelbetten zuhause...“ Ernst gesprochen hätte es keine Anweisungen gegeben. „Das sind alles erwachsene Menschen.“

VON INGO BARRENSCHEEN

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