Fußball – Bundesliga: Neuer VfL-Trainer ausgeruht für Rettungs-Mission / Teamgeist im Fokus

Labbadia: „Es zählt jede Minute“

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Die ersten Stunden in Wolfsburg: Bruno Labbadia suchte bei der ersten Einheit direkt den Kontakt zu seinen neuen Spielern (Bild oben) und sprach im Anschluss über seine Rettungs-Mission.

Wolfsburg. Es ging alles ganz schnell. Mit seiner Verpflichtung. Aber auch mit seinem Equipment.

Am Vormittag, keine 24 Stunden nach der unverhofften Kapitulation von Martin Schmidt, hatte sich Bruno Labbadia mit den Machern beim taumelnden VfL Wolfsburg auf einen Vertrag bis zum 30. Juni 2019 geeinigt. Am Nachmittag lief der neue Cheftrainer bei seiner ersten Einheit mit den Wölfen auch schon direkt im Trainingsanzug mit seinen Initialen „BL“ auf. Es könnte gewissermaßen auch eine versteckte Botschaft sein. BL wie Bundesliga. Labbadia, der auserkorene Heilsbringer und abstiegskampferprobte Feuerwehrmann, soll die gut betuchten Wölfe vor dem Sturz in die Zweit- respektive Bedeutungslosigkeit bewahren.

Auf dem Weg zum Trainingsplatz schäkerte die Blitz-Lösung von VfL-Manager Olaf Rebbe nicht nur ein wenig mit den Fans, sondern suchte direkt das Gespräch mit Torhüter Koen Casteels. Der 52-Jährige sprühte in den ersten Stunden seines Wolfsburger Wirkens, na logo, Zuversicht und Tatendrang aus. Er sei sich bewusst, was auf ihn zukommt. „Die aktuelle Situation könnte schöner sein. Ich habe mich aber von meinem Gefühl leiten lassen und richtig Lust auf diese Aufgabe. Ich bin gut ausgeruht und motiviert“, erklärte der frühere Stürmer, der mit dem Tabellen-14. die sportliche Wende schaffen soll.

Viel Zeit bis zur ersten Bewährungsprobe bleibt nicht: Am Freitag geht’s für Labbadia und Co. direkt zum gefühlten Endspiel bei Mainz 05. Dort brauche es direkt die „totale Geschlossenheit. Es zählt jede Minute.“ Sein kurzfristig vereinbartes Engagement sei „etwas hektisch“ gewesen, „aber man muss auch improvisieren“. Das gilt auch für seine gestartete Rettungsmission, denn aktuell plagen die Wölfe zu allem Überfluss auch noch große Personalsorgen.

Doch Labbadia hat eine Menge (positive) Erfahrung im Abstiegskampf, vermied sowohl 2011 mit dem VfB Stuttgart wie auch 2015 mit dem Hamburger SV den Worst Case. Am 25. September 2016 beurlaubte ihn der Bundesliga-Dino allerdings, seitdem war der gebürtige Darmstädter ohne Job. Wobei er nur wenige Wochen später nach bereits eingesetzten Verhandlungen fast schon beim VfL gelandet wäre: Doch Klaus Allofs gab damals Valérien Ismaël eine Chance. Nun also die Liebe auf den zweiten Blick...

Dazu passte, dass Labbadia während der 90 Minuten gestern auf dem Trainingsplatz mit kurzen Umarmungen und kleinen Hinweisen immer wieder die Nähe zu den Spielern suchte. Kuschelkurs für ein Team, das aus den vergangenen neun Partien nur einen glücklichen Sieg bei Hannover 96 holte. Mit seinem abgesprungenen Vorgänger will er nicht reden. „Für mich macht es keinen Sinn, weil ich unvoreingenommen an die Sache gehen will. Ich versuche mich so wenig wie möglich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Das ist auch ein Punkt, den ich versuche, der Mannschaft weiterzugeben“, unterstrich der Coach.

Als erste Maßnahme führte Labbadia übrigens direkt zwei Trainingseinheiten pro Tag ein bei den Grün-Weißen. Wenngleich er die Mannschaft auch nicht „überfrachten“ wolle mit seiner Vorstellung vom Fußball. Es ging einzig und allein darum: „Was hilft jetzt der Mannschaft.“ Oft wird im Profi-Geschäft ja in schwierigen Situationen davon phrasiert, man müsse näher zusammenrücken als Mannschaft. Labbadia setzt dies in die Tat um und möchte, „dass wir zusammen frühstücken und auch Mittag essen“. Vielleicht der richtige Ansatz, um das anhaltend mulmige Gefühl in der Wolfsburger Magengegend zu vertreiben...

Von Ingo Barrenscheen

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