Kein Team und kein Konzept: Was nun, Herr Magath?

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VfL-Trainer Felix Magath war nach der Freiburg-Pleite bedient.

dpa Freiburg. Einigkeit zeigten die Spieler des VfL Wolfsburg erst nach ihrem erneuten Debakel. Die meisten von ihnen flüchteten schnell in die Kabine und verweigerten jeden Kommentar zum 0:3 in Freiburg.

Wie es um den Gemeinsinn dieser gerade ziemlich steil abstürzenden Mannschaft tatsächlich bestellt ist, verriet ihr Kapitän Christian Träsch später in deutlichen Worten: „Wir sind noch kein richtiges Team“, schimpfte der Nationalspieler. „Jeder hat sein eigenes Süppchen gekocht. Jeder denkt zu sehr an sich.“

Leblos und mutlos hatten sich die Wölfe in die dritte Pleite nacheinander gefügt. Alles, was Trainer Felix Magath nach dem 1:4 in Gladbach versucht hatte, blieb ohne Wirkung. Der Austausch von Simon Kjaer (will zum AS Rom) und Sotirios Kyrgiakos (kam vom FC Liverpool) machte die Abwehr kein bisschen sicherer. Und der Antrieb des Teams wurde durch Maßnahmen wie ein Training ohne Trainer auch nicht größer.

„Uns fehlt die Geschlossenheit und Stabilität“, sagte der Coach. Die Frage ist nur, ob Magath diesen Problemen seriös zu Leibe rückt, oder ob er sie von Woche zu Woche nicht weiter verstärkt. Wie soll sich eine Mannschaft finden, wenn ständig neue Leute hinzukommen? Und woran soll sie sich orientieren, wenn ihr Trainer erst das Spielsystem und dann die Transferphilosophie über den Haufen wirft?

Wolfsburg möchte um die Europacup-Plätze mitspielen, ist im Moment aber nur Tabellen-15. Dazu wollte Magath eigentlich mit einer jungen Mannschaft attraktiven Fußball spielen lassen, hat aber mit seinen erfahrenen, spielerisch teils limitierten Nachkäufen nun genau das Gegenteil bewirkt. Im Ergebnis spielen die Niedersachsen ohne Tempo und Inspiration. In seiner Behäbigkeit wirkte der VfL wie aus der modernen Fußball-Zeit gefallen. „Die Freiburger hätten auch sechs Tore machen können“, gestand Patrick Ochs.

Der Verdacht liegt nahe, dass Magath nun bis zum Ende der Wechselfrist am Mittwoch weitere Spieler ein- und verkauft. Viel hängt vom Bleiben oder Gehen des aussortierten Diego ab, der den Etat belastet. Sein Wechsel zu Atletico Madrid ist aber keineswegs sicher.

Magath will sein Heil jedoch nicht nur auf dem Transfermarkt suchen, sondern gerade in der Länderspielpause auch auf dem Trainingsplatz. „Ich bin ganz optimistisch, dass wir es im September besser machen werden“, sagte er. Und offenbar hegt auch er schon erste Zweifel am eigentlichen Ziel Europa. „Ich möchte zwar nicht vom internationalen Wettbewerb sprechen. Aber wir werden nach der Pause nicht gegen den Abstieg spielen, sondern weiter nach oben rücken.“

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