Fußball – Bundesliga: Wolfsburg hadert nach 0:1 gegen BVB mit ausgebliebenem Pfiff und sich selbst

Kein Elfmeter – aber auch keine Ideen

Alarmstufe Gelb vor Wolfsburgs Schlussmann Koen Casteels (2. v. l.): BVB-Torjäger Paco Alcacer kommt in dieser Szene nicht durch, gegen das goldene Tor von Marco Reus (M.) war Casteels aber machtlos gewesen. Der VfL (r. John Anthony Brooks) musste sich dem Spitzenreiter mit 0:1 beugen.
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Alarmstufe Gelb vor Wolfsburgs Schlussmann Koen Casteels (2. v. l.): BVB-Torjäger Paco Alcacer kommt in dieser Szene nicht durch, gegen das goldene Tor von Marco Reus (M.) war Casteels aber machtlos gewesen. Der VfL (r. John Anthony Brooks) musste sich dem Spitzenreiter mit 0:1 beugen.
  • Ingo Barrenscheen
    VonIngo Barrenscheen
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Wolfsburg. Auch wenn der VfL Wolfsburg in zwei Szenen gerne einen Elfmeter-Pfiff als Ausweg aus der offensiven Ohnmacht für sich beansprucht hätte – ein Skandal im Sperrbezirk Strafraum ereignete sich am Samstag in der Volkswagen Arena sicherlich nicht.

Vielmehr hatten es sich die Grün-Weißen selbst zuzuschreiben, dass eine – rein von den Daten her – ordentliche Vorstellung gegen den derzeitigen Branchen-Primus Borussia Dortmund nicht für Zählbares reichte. Denn bei der 0:1 (0:1-)Niederlage waren der Mannschaft von Bruno Labbadia schlichtweg die zündenden Ideen ausgegangen. Um den abgeklärten Spitzenreiter wirklich in Bedrängnis zu bringen.

Deshalb wollte VfL-Angreifer Daniel Ginczek die zwei besagten Aktionen, als viele Wolfsburger einen Pfiff von Schiedsrichter Daniel Siebert erwartet hätten, auch nicht als Ausrede vorschieben. Er selbst war von BVB-Keeper Roman Bürki rustikal am Fünfmeter-Raum abgeräumt worden (73.), sagte aber am Sky-Mikrofon: „Vielleicht hat es für eine solche Aktion schon einmal Elfmeter gegeben. Aber man kann es auch weiterlaufen lassen.“

Wetterte nach den nicht gegebenen Elfern: Bruno Labbadia.

Drei Minuten vor Ultimo wurde dann auch noch Wolfsburgs Verteidiger Marcel Tisserand beim Kopfballversuch in der Luft von Gegenpart Dan-Axel Zagadou am Trikot gezupft. In den Augen von Labbadia „ein klarer Elfmeter“. Doch weder Siebert noch der Video-Assistent in der Kölner Zentrale schritten ein. Etwas gedämpfter kamen indes die Aussagen von VfL-Sportdirektor Jörg Schmadtke daher: „Einhundert Prozent eindeutig war es nicht. Es wirkte aber komisch.“ Derweil wetterte Labbadia später weiter: „Unsäglich. Wahnsinn. Dann brauchen wir keinen Video-Schiedsrichter.“ Auch Tisserand erklärte später: „Zagadou hat mir gesagt, es war ein Foul.“ Ginczek wollte derweil dem Unparteiischen aber nicht den schwarzen Peter zuschieben: „Dass es nicht zu mehr gereicht hat, lag definitiv auch an uns.“

Denn mit ihren Bemühungen in der Vorwärtsbewegung vermochten die Gastgeber die Dortmunder nicht wirklich zu erschrecken. So langte dem bisherigen Spektakel-Spitzenreiter dieses Mal eine – zudem noch glückliche – Szene aus, um den Vorsprung auf die Verfolger im deutschen Oberhaus auf mindestens vier Zähler auszubauen. Nachdem die Wölfe den BVB nach schwungvollem Beginn eigentlich gerade in den Griff bekommen hatten, passten sie einmal nicht auf und schon war es geschehen. Abwehrchef John-Anthony Brooks verlor Vorlagengeber Paco Alcacer aus den Augen, Linksverteidiger Jerome Roussillon hob das Abseits auf – Nutznießer war Marco Reus mit seinem Kopfballtreffer aus kurzer Distanz (27.).

Das weitere Arbeits-Zeugnis des VfL lässt sich im Großen und Ganzen mit „Er war stets bemüht...“ zusammenfassen. Wenngleich die Wölfe 121 gelaufene Kilometer und 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe vorzuweisen hatten, dennoch ungenügend, um die englische Woche nach den Siegen in Düsseldorf sowie Hannover (DFB-Pokal) abzurunden. Während die Dortmunder den Todesstoß in Form des 2:0 verpassten, beschwor Wolfsburg kaum wirkliche Gefahrenmomente heraus. Ein Schuss von Maximilian Arnold (57.) und eben die Nicht-Elfmeter-Szenen sorgten für Aufruhr in Hälfte zwei. Mehr nicht.

Immerhin gab es on top nicht auch noch eine personelle Hiobsbotschaft: Renato Steffen, an seinem 27. Geburtstag nach 69 Minuten eingewechselt, war bei einer Fallrückzieher-Klärungsaktion direkt auf die Schulter geknallt. Die erste Untersuchung hat ergeben, dass zumindest nichts gebrochen ist. Heute soll noch ein MRT folgen.

Von Ingo Barrenscheen

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