Fußball – Bundesliga: Wolfsburgs 2:1-Sieg über Bayer Leverkusen tritt Diskussion über Videobeweis los

Das irreguläre Tor überschattet alles

Der Blick ist eher ungläubig: Auch Torschütze Nicklas Bendtner (l.) war sich seines irregulären Treffers nicht wirklich sicher. Im Hintergrund reklamiert Bayer-Keeper Bernd Leno.
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Der Blick ist eher ungläubig: Auch Torschütze Nicklas Bendtner (l.) war sich seines irregulären Treffers nicht wirklich sicher. Im Hintergrund reklamiert Bayer-Keeper Bernd Leno.
  • Ingo Barrenscheen
    VonIngo Barrenscheen
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dpa/ib Wolfsburg. Sie hatten gewonnen. Waren damit auf Platz drei in der Fußball-Bundesliga gesprungen. Weil Plan B(ankdrücker) aufging. Alles unerheblich am Samstagabend beim 2:1 (1:1)-Erfolg des VfL Wolfsburg über Bayer Leverkusen.

Die losgetretene Mega-Diskussion über das irreguläre Führungstor von Nicklas Bendtner (34. ) und eine zweite krasse Fehlentscheidung von Schiedsrichter Manuel Gräfe – in diesem Fall zu Ungunsten der Wölfe – überlagerte einfach alles.

Noch während des intensiv geführten Verfolgerduells hatte hatte sich der Referee für seine heikle Interpretation der Brisanz-Szene bei Bayer entschuldigt. „Es war mein Fehler und das tut mir sehr leid. Die Leverkusener können zu Recht sauer sein“, bekannte Gräfe. Bei Bendtners zweitem Saisontor stand Vorlagengeber Vieirinha deutlich im Abseits. Gräfe wertete den vorangegangenen Pass von André Schürrle fälschlicherweise als einen Ballkontakt von Bayers Kevin Kampl und überstimmte gar seinen Linienrichter, der die Fahne gehoben hatte. „Ich war mir einfach hundertprozentig sicher, dass der Leverkusener Spieler Kampl den Ball gespielt hat“, meinte Gräfe.

Diese Szene erzürnte Leverkusens Sportchef Rudi Völler derart, dass er von der Tribüne in den Innenraum gestürmt kam und lautstark an der Seitenlinie wütete. Noch in der Pause gab es im Spielergang Diskussionen zwischen Gräfe, Völler und Wolfsburgs Sportchef Klaus Allofs. „Das ist eine riesengroße Ungerechtigkeit. Ich habe es nicht verstanden, warum er das Risiko eingegangen ist, seinen Linienrichter zu überstimmen“, sagte Völler. „Ich verstehe, dass man sich aufregt. Da haben wir großes Glück gehabt“, gab Allofs zu. Zumindest in diesem Augenblick hätte Gräfe den Videobeweis befürwortet: „Er hätte in dieser Szene geholfen.“ Dabei hätte der verdiente Ausgleich des Mexikaners Javier Hernandez für Leverkusen noch vor der Pause Völlers Gemüt eigentlich beruhigen können.

Auch nach dem Wechsel blieb das Spiel emotional aufgeladen. Beide Seiten versuchten Profit aus einer möglichen Verunsicherung des Schiedsrichter-Gespanns zu erzielen. Dabei hatte der Unparteiische eine weitere knifflige Szene zu beurteilen, als Leno den Wolfsburger Daniel Caligiuri im Strafraum zu Fall brachte, Gräfe einen klaren Elfmeter aber verweigerte (51.). Da habe der Schiedsrichter womöglich Fingerspitzengefühl gezeigt, meinte Leno. „Man kann ihn geben. Aber es war nicht so eindeutig“, urteilte Gräfe selbst treffend nach Studium der TV-Bilder. Nun ja... Der ein oder andere Wolfsburger witterte eine Konzessionsentscheidung.

Bereits vor dem Spiel hatte auch Wolfsburgs Coach Dieter Hecking mit gleich fünf Wechseln in der Startelf im Vergleich zum 1:3 im DFB-Pokal gegen Bayern München für Verwirrung gesorgt. Überraschend war vor allem, dass Bendtner den Vorzug vor Torjäger Bas Dost erhielt. Der Däne stand zuletzt einige Male noch nicht einmal im Kader. „Spieltaktische Gründe haben für Nicklas gesprochen“, erklärte Hecking.

Insgesamt wirkte Wolfsburg nach der Pleite gegen die Bayern und durch die vielen Veränderungen aber verunsichert. Bayer hingegen war in den Zweikämpfen zunächst deutlich aggressiver und stand defensiv stark. Erst nach dem Wechsel gab es auf beiden Seiten mehr Torszenen. Den glücklichen Sieg für den VfL besorgten ausgerechnet die eingewechselten Dost als Vorlagengeber und Torschütze Julian Draxler (77.), die beide zu Beginn Opfer von Heckings Rotation geworden waren.

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