Fußball: VfL-Keeper Pervan ist ehrgeizig, sieht seine Rolle als Nummer 2 aber nicht als Widerspruch

„Ich lasse nicht einmal meine Frau gewinnen...“

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Ich will alle unterstützen – auch wenn es um meinen direkten Konkurrenten geht.

Schladming – Wenn es um Sieg oder Niederlage geht, kennt Pavao Pervan keine Verwandten. Nicht mal seine Angetraute kann mit Milde rechnen. „Ich hasse es einfach zu verlieren und lasse nicht mal meine Frau gewinnen, wenn wir irgendetwas spielen. Ich habe mit niemandem Mitleid."

Ein extrem ehrgeiziger Typ also, der da das Tor des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg hütet.

Wobei sich der 31 Jahre alte Österreicher, der im Vorjahr vom Linzer ASK an die Aller gewechselt war, hinter Koen Casteels mit der Rolle als Nummer zwei bei den Wölfen anfreunden muss. Auch am Dienstag beim Fußballtennis-Turnier hatte Pervan nur in der 1b-Auswahl gespielt, verlor mit seiner Riege knapp das Finale gegen Sportdirektor Marcel Schäfer, Admir Mehmedi und Robin Knoche – was den Österreicher sichtlich zur Weißglut trieb.

Doch diese Eigenschaft treibt ihn an – und sie tut dem Team gut, da er damit das Niveau in der Torhütergruppe hochhält. Für Pervan besteht kein Widerspruch zwischen seinem Ansporn und seiner Funktion als Casteels-Herausforderer: „Ich konzentriere mich nur auf das, was ich direkt beeinflussen kann. Ich will alle unterstützen – auch wenn es um meinen direkten Konkurrenten geht.“ Obendrein also eine gesunde Selbsteinschätzung. „Diese Eigenschaften haben mich bisher weit gebracht“, sagte Pervan. „Also halte ich daran fest.“

Der Österreicher weiß, dass sein belgischer Kollege einfach ein bärenstarker Schlussmann ist. „Er ist zurecht unsere Nummer 1. Es ist wahnsinnig schwer, ihn zu überflügeln. Immer wenn man glaubt, man kommt einen Schritt an ihn heran, sieht man im Training, wie gut er in schwierigen Situationen reagiert und wie leicht er das dann aussehen lässt.“ Für Pervan gehört Casteels im Ranking der Bundesliga-Torhüter in die Top Drei. „Und international kann er definitiv bei jedem Verein spielen.“

An Casteels steter Fortentwicklung hat sicher auch Pervan einen Anteil, weil sich die Torhüter gegenseitig zu Höchstleistungen treiben. „Ich bin froh, mit so einem Keeper zu trainieren. Ich werde täglich besser. Und ihm gefällt es auch, dass ich Gas gebe und ihn somit pushe. Koen hat es sicher lieber, eine ehrgeizige Nummer 2 zu haben als jemanden, der sich ohne große Ambition auf die Bank setzt.“

Keine Frage: Das Bestreben zu spielen hat auch Pervan. „Ich mache mir natürlich Hoffnungen.“ Als Casteels für den Schlussspurt der Vorsaison ausfiel, schlug seine Stunde – und der Ersatzmann war sofort da. „Ich bin stolz, dass wir die Saison mit mir im Tor so gut abgeschlossen haben.“ Daher sei das erste Jahr in Grün-Weiß mit dem finalen Einzug in den Europapokal „überragend“ gewesen.  sg

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