VfL hinter eigenem Anspruch

Zum Schreien war allenfalls der Auftritt des VfL Wolfsburg (l. Josué), der bei St. Pauli (Gerald Asamoah) abermals enttäuschte. Foto: dpa

dpa/ib Wolfsburg. Erste Anzeichen von Realitätsverlust? Anders waren einige Reaktionen nach dem abermals dürftigen Remis beim FC St. Pauli nicht zu deuten. Beim VfL Wolfsburg klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Doch einige Wölfe haben ihre ganz eigene Sicht der Dinge...

„Wir haben überlebt“, stellte VfL-Coach Steve McClaren nach dem mit viel Glück erkämpften 1:1 erleichtert fest. Angesichts von 18:3-Torschüssen zugunsten des Aufsteigers war es fast schon ein Hohn, dass Spielmacher Diego nach dem schmeichelhaften Ausgleich von Edin Dzeko behauptete, es sei „mehr möglich gewesen“ für den VfL. Club-Manager Dieter Hoeneß korrigierte seinen brasilianischen Fußball-Profi auch umgehend. „Das 1:1 war das Maximale, was für uns heute drin war“, gab er unumwunden zu. Eine Erkenntnis, die erschreckt. Die vor Saison mit Millionen voll gepumpte Mannschaft kraucht kurz vor der Abstiegszone herum, verhinderte nur dank des neunten Saisontores von Dzeko eine noch heiklere Situation. Dass Spieler wie Sascha Riether den Dusel-Punkt beim mit bescheidenen Mitteln ausgestatteten Kiez-Klub schon als Erfolg werteten – schon seltsam: „Es ist nicht leicht, hier zu bestehen. Die Fans am Millerntor-Stadion peitschen den FC St. Pauli nach vorne. Natürlich sind unsere Ansprüche größer, aber hier war es nicht einfach. Wichtig war, dass wir nicht verloren haben.“ Die Teilausbeute kaschierte in Nuancen die absolut unbefriedigende Lage. „15 Punkte nach 13 Spielen sind natürlich nicht das, was unser Ziel ist“, gestand Dzeko ein. Auch Marcel Schäfer hat zumindest in Ansätzen den Ernst der Lage erkannt: „Wir müssen schleunigst Punkte holen, um unsere Ausgangslage zu verbessern.“ Eine Teilschuld musste sich am Sonntag McClaren ankreiden lassen. Seine Rückkehr zum zu Saisonbeginn bereits gescheiterten 4-2-3-1-System erwies sich als Griff ins Klo. Das erkannte Wolfsburgs Coach zur Pause und ruderte zurück. Viel besser wurde das VfL-Spiel dadurch auch nicht. „Bei der Mannschaft ist auch ein Stückweit Verunsicherung dabei“, erkannte Hoeneß. So recht kann die Krise niemand greifen. Und auch die nächste Aufgabe beim Tabellenvorletzten 1. FC Köln mutet unangenehm an. Vermutlich wären die Wölfe auch dort mit einem Remis schon irgendwie zufrieden...

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